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Pep Guardiola ist Trainer des FC Bayern
Pep Guardiola wurde 1992 als Spieler Olympiasieger © getty

Berlin und München - Pep Guardiola tüftelt bei Bayern ständig am System. In der Liga kann er sich Experimente erlauben. Der Stresstest folgt noch.

Wenn der FC Bayern vor Spielen seine Startelf preisgibt, wirft er häufig Fragen auf. Der Rekordmeister twittert die Aufstellung in beliebiger Reihenfolge. Ein System lässt sich daraus nur schwer ablesen.

Böse Absicht dürfen Fans und Journalisten der Medienabteilung dabei nicht unterstellen. Schließlich sind Pep Guardiolas Systempläne zumeist ein Rätsel. Das Geheimnisse um seine taktische Formation lüftet der FCB-Coach oft erst mit dem Anpfiff - und überrascht damit Gegner und Zuschauer.

Am Samstag lieferte Guardiola mal wieder ein Beispiel. Bei Hertha BSC begann er zur Abwechslung mit einem 4-4-2-System. Das Mittelfeld wurde zur Raute, die beiden Angreifer rückten auf die Außen.

Lewandowski als Flügelstürmer

Guardiola ließ mit vertauschten Rollen spielen. Sein Neuner Robert Lewandowski musste sich auf dem Flügel durchsetzen, Bayerns Tempodribbler Arjen Robben und Franck Ribery kamen stattdessen durch die Mitte.

"Wir wollten Arjen und Franck in Eins-gegen-Eins-Situationen bringen. Das hat in der ersten Halbzeit auch sehr gut geklappt", sagte Guardiola nach dem 1:0-Erfolg in Berlin.

Umstellung zur Pause

Nach der Pause lief es bei seinen Team nicht mehr rund. Mit Mario Götze im Zentrum verloren die Bayern an Spielfluss. "Das war ein Fehler", gestand der Trainer.

Er hätte seine Mannschaft eigentlich wie in der ersten Halbzeit weiterspielen lassen können. Doch das passt nicht zu Guardiola. Der 43-Jährige ist rastlos.

Ein Spielkonsolen-Abend mit Guardiola wäre vermutlich kein Vergnügen. Ständig würde er die Partie unterbrechen, um im Auswahlmenü seine Taktik zu modifizieren.

Pep Guardiola ist der Daniel Düsentrieb unter den Trainern und tüftelt Tag für Tag an neuen Formationen.

Experimente mit der B-Mannschaft

Seine ersten Experimente führte er bei der B-Mannschaft des FC Barcelona durch. Dort erwarb sich Guardiola bereits den Ruf eines Taktikgenies, seine Beförderung war folgerichtig.

Als er das Starensemble übernahm, schreckte der Katalane vor unpopulären Entscheidungen nicht zurück. Den Mittelstürmer mit Möbelpacker-Figur rangierte Guardiola aus, auch wenn er zwischenzeitlich Superstar Zlatan Ibrahimovic in seiner Mannschaft hatte.

Der Coach entschied sich spätestens ab 2010, den schmächtigen Lionel Messi in die Angriffsmitte zu beordern. Sein Plan ging auf. Mit dem Argentinier als falsche Neun gewann Barca anschließend die Champions League, die Meisterschaft, die Klub-WM sowie den nationalen und europäischen Supercup.

Revolution bei den Bayern

Auch beim FC Bayern gab es unter Guardiola schnell erste Reformen. "Philipp Lahm ist der intelligenteste Spieler, den ich je trainiert habe", sagte der Trainer zwei Monate nach seinem Dienstantritt.

Deshalb schickte er den Kapitän ins zentrale Mittelfeld. Lahm konnte fortan mehr Einfluss auf das Bayern-Spiel nehmen als zu seinen Außenverteidiger-Zeiten.

Später führte Guardiola in München die Dreierkette ein. In einem Testspiel bei Red Bull Salzburg ging das schief. Die Bayern kamen zu Jahresbeginn mit 0:3 unter die Räder.

Pokalerfolg mit Dreierkette

Das Experiment galt als gescheitert, erst vier Monate später gab es den zweiten Versuch. Das DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund gewannen die Bayern ? mit einer Dreierkette.

Nun beginnt der Trainer häufiger mit dieser Abwehrformation. So auch im Champions-League-Spiel beim AS Rom. Der 7:1-Erfolg beinhalte Fußball am Rande der Perfektion.

Diesen zelebrierten die Münchner in Berlin nicht.

Dafür zeigte das Spiel im Olympiastadion, dass Guardiola mit seinen Experimenten noch nicht am Ende ist.

In der Bundesliga kann er auch in Zukunft neue Systeme ausprobieren. Mangels Konkurrenz sind die Meisterschaftsspiele zu Testläufen für die Königsklasse geworden.

Entscheidungen im Frühjahr

Die Stresstests stehen für Guardiola im kommenden Frühjahr an. Dann will der FC Bayern sich für das Champions-League-Finale qualifizieren. Auf dem Weg nach Berlin oder in der Hauptstadt selber könnte Guardiola auf seine ärgsten Widersacher treffen.

Real Madrid mit Carlo Ancelotti und der FC Chelsea mit Jose Mourinho kristallisieren sich als die größten Konkurrenten heraus.

Beide Trainer eint ein Coup: Sie haben sich in der Vergangenheit nicht von Guardiolas Rochaden verwirren lassen und den Trainer-Düsentrieb in der Champions League eliminiert.

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