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Jürgen Klopp und Julian Schieber
Alte Bekannte: Jürgen Klopp (l.) und Julian Schieber © imago

München und Berlin - Herthas Julian Schieber ist der Held im Duell gegen seinen Ex-Klub Borussia Dortmund. Der Angreifer hat aber zwiespältige Gefühle.

VonChristoph Gailerund Andreas Ziepa

Nur auf die Couch wolle er sich fallen lassen. Schöner Plan, ging nur leider nicht auf.

Herthas Julian Schieber musste nach seinem Siegtor zum 1:0-Erfolg der Berliner gegen Borussia Dortmund (Bericht) noch zur Weihnachtsfeier eines Fanklubs in Spandau. So blieb ihm nicht viel Zeit, um das "intensivste Spiel, das ich als Fußballer lebt habe", zu verarbeiten.

Dabei war der 25-Jährige doch der große Held im Duell der bislang so enttäuschend agierenden Klubs. Mit seinem Tor stieß Schieber seinen früheren Arbeitgeber, den er im Sommer 2014 aufgrund mangelnder Perspektive nach zwei Jahren wieder verließ, noch tiefer in die Krise.

Zwiespältige Gefühlswelt

Anschließend konnte sich Schieber nicht uneingeschränkt freuen. "Ich bin superfroh, dass wir gewonnen haben. Auf der anderen Seite stehen die Ex-Kollegen, die einem ein bisschen leid tun", sagte er bei der "ARD".

Bei all dem Mitleid dürfte ihm der Inhalt des Zwiegesprächs mit seinem ehemaligen Trainer Jürgen Klopp runtergegangen sein wie Öl.

"Er hat mir zu meinem Spiel gratuliert", erklärte Schieber, der unter Klopp in Dortmund in 57 Pflichtspielen gerade einmal sechs Treffer erzielt hatte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Gegen den BVB schoss er nun schon sein sechstes Pflichtspieltor im erst elften Spiel für die Hertha. Der Wechsel hat sich also für den gebürtigen Backnanger bereits gelohnt und so dürfte ihm dies auch eine gewisse Genugtuung verleihen. So deutlich sagen wollte er dies als erfahrener Profi allerdings nicht.

Er ließ sich lediglich entlocken, dass "es doch ein besonderes Spiel für mich war." Er sei froh, dass seine Mannschaft den Heimsieg eingefahren habe.

"Das Tor war sensationell"

Klarere Worte fand Herthas Trainer Jos Luhukay. "Das Tor war sensationell", schwärmte der ansonsten als sehr sachlicher Vertreter geltende Niederländer.

(Die Highlights zum Nachhören im Sportradio SPORT1.fm)

Nach einer Balleroberung schalteten die Berliner blitzschnell um und spielten in den Strafraum, wo Schieber den Ball bekam, Sebastian Kehl ausspielte und Dortmunds Torwart keine Chance ließ. "Danach mache ich nur noch den Haken, Mitchell Langerak spekuliert und ich brauche den Ball nur noch reinzuschieben", erklärte der umjubelte Held.

Für ihn lag der Schlüssel für den vierten Heimsieg der Saison jedoch nicht in erster Linie in seinem Treffer, sondern in der Defensivarbeit seines Teams.

"Wir haben gut verteidigt", sagte Schieber, "aber ganz kann man eine Mannschaft wie Dortmund nie ausschalten. Am Ende steht jedoch die Null bei uns."

Was die Verteidiger nicht wegräumen konnten, klärte Keeper Thomas Kraft, der neben Schieber stärkster Herthaner war. Beide bekamen die SPORT1-Note 2.

Schieber fordert weitere Punkte

Dass in der Hauptstadt nach dem Sieg gegen Dortmund aber längst noch nicht alles im Lot ist, betonte Schieber eindringlich.

"Durch den Sieg können wir heute durchatmen, vielleicht noch morgen, aber wir haben immer noch nur 17 Punkte und müssen deshalb dringend vor der Winterpause punkten."

Nun gegen seinen Lieblingsgegner

Vor dem Jahreswechsel treffen die Berliner noch auswärts auf Frankfurt und zuhause auf Hoffenheim.

Beim Ausflug nach Hessen könnte Schieber, der Salomon Kalou wohl erst einmal auf die Bank verdrängt hat, wieder zum Heilsbringer werden.

Die Eintracht ist einer seiner Lieblingsgegner. Von sieben Begegnungen gegen die Frankfurter gewann Schieber sechs und erzielte drei Treffer.

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