Dortmund - Ciro Immobile und Adrian Ramos sollen beim BVB Robert Lewandowski ersetzen. Doch die beiden Stürmer wirken noch wie Fremdkörper.

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Von Borussia Dortmund berichtet Andreas Reiners

Nein, mangelnde Solidarität kann man Jürgen Klopp nicht vorwerfen.

Im Gegenteil: Es ist schon bewundernswert, mit welcher Vehemenz und Unerschütterlichkeit sich der 47-Jährige vor seine Spieler stellt. Vor allem vor seine Stürmer.

Denn es wäre ein Einfaches, das Dortmunder Dilemma an der Flaute im Angriff festzumachen. An Ciro Immobile zum Beispiel. Oder Adrian Ramos.

Für Klopp wäre das aber zu einfach.

"Die Stürmer sind nicht das Problem und sie waren es auch nicht. Sondern wir haben insgesamt dafür gesorgt, dass es so aussieht wie es aussieht", sagte Klopp vor dem Heimspiel am Mittwoch gegen den VfL Wolfsburg (ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER und im Sportradio SPORT1.fm).

Und der Trainer ergänzte: "Als Stürmer bist du derjenige, der davon lebt, was dir der Rest anbietet."

Wobei es nicht wenig war, was der Rest den Angreifern zur Verfügung gestellt hat, wie Klopp selbst einräumt. Und sich damit auch teilweise widerspricht.

Abschied von Lewandowski schmerzt

Natürlich ist es richtig, dass der Abgang eines Stürmers wie Robert Lewandowski nur schwer aufzufangen ist. Schon gar nicht innerhalb kürzester Zeit.

Noch dazu mit einer durch die WM zerstückelten Vorbereitung. Inklusive des zeitweise überbordenden Verletzungspechs.

Mechanismen finden? Abläufe verinnerlichen? Die hohen Anforderungen an das komplexe Klopp-System erfüllen, an das Tempo, die Intensität gewöhnen?

Das funktioniert so nur langsam. Lewandowski hat dafür auch ein Jahr gebraucht.

"Finden den Weg zum Tor häufig genug"

"Trotzdem finden wir den Weg vors Tor häufig genug", gibt Klopp zu: "Wenn wir da sind, nutzen wir die Chancen zu selten. Dazu kommt meistens ein Rückstand, der den Druck erhöht. Was bedeutet, dass die Ruhe vor dem Tor nicht mehr vorhanden ist. Und so kommt eines zum anderen."

In der Tat: Mit Druck kann die Mannschaft in dieser Saison nicht umgehen. Neunmal kassierte der BVB in dieser Saison das 0:1.

Inzwischen schon eine Garantie für einen neuerlichen Rückschlag. Denn nach einem Rückstand gab es anschließend nur noch einen einzigen Punkt.

Die Folge: Neun Pleiten, die es zuvor unter Klopp nur 2009/2010 gab. Damals allerdings in der ganzen Saison.

Immobile und Ramos zeitweise wie Fremdkörper

Hinzu kommt auch, dass die Mannschaft das System um den früheren Torjäger Lewandowski scheinbar so verinnerlicht hat, dass der BVB sein Spiel so aufzieht, als stünde der Pole immer noch auf dem Platz.

Stattdessen wirken 20-Millionen-Mann Immobile und 10-Millionen-Zugang Ramos, im Gegensatz zu Lewandowski zwei völlig verschiedene Spielertypen, zeitweise wie Fremdkörper.

Dabei sollen sie dem BVB in der Offensive noch mehr Flexibilität verleihen, wurden als einzelne Bausteine geholt, um im Gesamtgefüge die Dortmunder noch weniger ausrechenbar zu machen.

Typischer Strafraumstürmer

Immobile ist ein reiner Strafraumstürmer, ein Wühler, der nicht von seinem Kombinationsspiel, dafür aber von seiner Präsenz, seiner Durchschlagskraft und seinem Torriecher lebt. Eigentlich.

Ciro Immobile-Borussia Dortmund-Frust
Ciro Immobile kam als Torschützenkönig der Serie A nach Dortmund © getty

Doch Immobile funktioniert derzeit offenbar nur international. Nicht immer erste Wahl, kommt er in elf Bundesliga-Spielen auf magere zwei Tore. Dafür in fünf Champions-League-Spielen auf vier Treffer und eine Vorlage.

Oft wirkt es, als habe er die Laufwege noch nicht vollständig verinnerlicht. Ist noch zu oft ohne die für ihn so notwendige Bindung zum Spiel. Verballert bisweilen aber auch die sogenannten "Tausendprozentigen". Wie zuletzt beim 0:1 in Berlin.

Die Ironie der Geschichte: Der Torschütze und Ex-Dortmunder Julian Schieber hat mehr Tore (5) auf dem Konto als Immobile und Ramos zusammen.

"Ciro ist ein richtiger Stürmer, er bleibt immer torgefährlich. Er ist ein Kämpfer und entwickelt sich gut", setzt sich Klopp für seinen Neuzugang ein.

"Zu riskant mit dem Abseits"

Aber: "Manchmal lässt er sich zu tief fallen, um Bälle zu bekommen. Dann fehlt er uns aber in der Sturmspitze als Anspielstation. Und er spielt mir zu riskant mit der Abseitslinie. Dann steht er dreimal im Abseits, und beim vierten Mal vielleicht nicht. Aber dann bekommt er den Ball auch nicht mehr zugespielt", so der BVB-Coach.

Ramos lebt dafür von seiner Schnelligkeit. Ist kreativer, aufgrund seiner Technik auch kombinationsstärker, taktisch flexibel und kann sich so wie Lewandowski auch mal zurückfallen lassen, den Ball halten und verteilen. Doch auch Ramos steht erst bei zwei Treffern.

Ramos "braucht noch Zeit"

"Für ihn hat der Wechsel Sinn gemacht, für uns sowieso. Er braucht nur noch Zeit zur Anpassung an unsere Spielweise", erklärt Klopp. Doch Zeit ist genau das, was der BVB nicht hat.

Adrian Ramos-Jürgen Klopp-Borussia Dortmund-Anweisungen
Auch für Adrian Ramos läuft es beim BVB noch nicht richtig rund © getty

Die hatte Pierre-Emerick Aubameyang bereits in der vergangenen Saison. Doch der ganz große Durchbruch lässt immer noch auf sich warten.

Der 25-Jährige steht immerhin bei vier Saisontoren und drei Vorlagen.

Gerüchten, der BVB schaue sich bereits nach Verstärkungen um, widersprach Klopp. Wenn auch halbherzig. Zusätzliches Personal zum jetzigen Kader wird es wohl nicht geben, möglicherweise aber Veränderungen. "Da beschäftigen wir uns mit, wenn wir uns nicht mehr um die beiden Spiele kümmern", so Klopp.

BVB stellt Negativrekord ein

Denn jetzt, vor den beiden finalen Spielen dieser so schwierigen Hinrunde, sei es kontraproduktiv, die Schuld bei Einzelnen zu suchen. "Jetzt gilt es, nochmal das Maximum aus dieser Hinrunde herauszuholen", meint Klopp.

Tore sind für Siege aber nun mal die Grundvoraussetzung. So sehr der BVB in Sachen Torschüssen im grünen Bereich liegen mag, so sehr mangelt es im Abschluss an Konzentration, Kaltschnäuzigkeit und einer Portion Glück. Und das nicht nur bei Immobile und Ramos.

In der vergangenen Saison war jeder achte Versuch ein Treffer, in dieser Saison ist jedoch nur noch jeder 18. Schuss drin.

Kein Wunder also, dass der BVB derzeit mit nur 15 Toren einen historischen Negativrekord einstellt.

1971/72 war es, als Dortmund nach 15 Spieltagen ebenso wenige Treffer erzielt hatte. Damals stieg der BVB übrigens ab.

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