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Matthias Sammer im Gespräch
Matthias Sammer ist seit Sommer 2012 Sportvorstand beim FC Bayern München © Getty Images

München - Matthias Sammer sieht seine Aufgabe beim FC Bayern falsch dargestellt. Aber was macht der Sportvorstand der Münchner eigentlich?

Mittlerweile ist es eine Art Gretchenfrage: Was macht eigentlich Matthias Sammer beim FC Bayern München?

In schöner Regelmäßigkeit kommt die Frage auf, doch sowohl Klubverantwortliche als auch Experten tun sich schwer, sie verständlich zu beantworten.

Viele Außenstehende beschreiben Sammer mit einem Wort: Mahner.

Auch Lothar Matthäus tat dies zuletzt:

"Ich würde dem BVB einen Typen wie Matthias Sammer bei Bayern München empfehlen, einen Mahner, der die Dinge auch mal etwas schärfer anspricht", sagte der Rekordnationalspieler bei "Sky" zu Sammers Rolle.

Sammer fühlt sich reduziert

Sammer als jemand, der Kritik intern oder auch in der Öffentlichkeit äußert, wenn es angebracht ist. Aber die Tagesarbeit machen andere?

Diese Einschätzung seiner Aufgabe beim FC Bayern, nervt Sammer mittlerweile tierisch.

Von SPORT1 nach dem Spiel gegen Freiburg darauf angesprochen, bezeichnete er es als "lächerlich".

"Wenn es damit getan ist, in dem Verein und mit den Spielern ab und zu mal ein ernstes Wort zu sprechen, ich glaube dann könnten es viele machen. Da gehört ein bisschen mehr dazu", sagte Sammer und fügte hinzu: "Mich stört, dass es darauf reduziert wird. Wenn man sagt: Scheinbar genügt es zu mahnen, um alles zu gewinnen - das ist ja schon sehr billig."

Sammer: Arbeit so noch nicht gegeben

Das Problem ist: Niemand reduziert Sammer absichtlich auf die Rolle des Mahners und Motivators.

Den meisten Menschen fehlt schlicht der Einblick in das tägliche Geschehen an der Säbener Straße.

Sammer hat dafür sogar ein wenig Verständnis:

"Meine Arbeit kann man von außen nicht auf Anhieb verstehen. Die Position des Sportvorstands oder wie ich sie beim DFB bereits als Sportdirektor interpretiert habe, hat es im deutschen Fußball vielleicht so noch nicht gegeben", erklärte er in der "Sport Bild".

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"Organisation der Leistung"

In der Tat sehen andere Sportvorstände wie Horst Heldt beim FC Schalke 04 ihre Hauptaufgabe in der Transferpolitik.

Nicht so Matthias Sammer. Für die Kader- und Transferplanung haben die Bayern vor der Saison Michael Reschke als Technischen Direktor verpflichtet.

Sammers Aufgabe liegt anderswo:

"Wenn man im Leistungssport tätig ist, geht es immer um die Organisation der Leistung. Es geht um viel mehr rundherum", versuchte es Sammer bei SPORT1 zu beschreiben.

Analyse des Geschehens

Heißt: Sammer achtet genau darauf, wie sich die Spieler im täglichen Miteinander, bei der Trainingsarbeit verhalten.

"Er ist ruhig, analysiert gut. Er ist sehr wichtig für mich. Matthias macht unglaubliche Arbeit für den FC Bayern", lobte ihn Trainer Pep Guardiola in seiner gewohnt überschwänglichen Art.

Sammer ist also so etwas wie der Seismograph des FC Bayern.

Matthias Sammer (links) und Pep Guardiola halten den DFB-Pokal
Matthias Sammer (l.) und Pep Guardiola gewannen im ersten gemeinsamen Jahr beim FC Bayern direkt das Double © Getty Images

Sieht oder hört er er etwas im Tagesgeschehen, was der Leistung abträglich sein könnte, bespricht er es mit Guardiola oder führt in Absprache mit dem Coach auch mal Einzelgespräche mit den betreffenden Spielern.

Seien es Disharmonien in der Mannschaft, aber auch Defizite in der täglichen Organisation. Sammer versucht negative Entwicklungen zu erkennen, bevor sie überhaupt entstehen.

Sammer war auch mit dabei, als die Bayern kürzlich mit Thiagos Arzt das konkrete Vorgehen bei dessen Reha besprachen.

Rummenigge lobt den Ehrgeiz

"Er möchte immer Erfolg haben. Dafür kommt er jeden Tag an die Säbener Straße. Und ich glaube, Erfolgsstreben ist durchaus eine gute Eigenschaft", brachte es Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge im SPORT1-Interview auf den Punkt.

Wie hoch der prozentuale Anteil Sammers an der derzeitigen Erfolgsserie der Bayern ist, ist schwer zu beziffern.

"Der FC Bayern hätte ohne Matthias Sammer nicht einen Titel weniger", giftete Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp im März Richtung München.

Und auf Matthäus' Vorschlag hin entgegnete er, dass man jemanden wie Sammer nicht brauche: "Ein Mahner hat ja sonst auch nicht gefehlt. Das würde bedeuten, es liegt an der Einstellung, dass wir einen Mahner brauchen. Aber wir haben einstellungsmäßig kein Problem."

Der FC Bayern dagegen ist mit Sammers Arbeit zufrieden. Dessen Vertrag wurde kürzlich bis 2018 verlängert.

Heißt aber auch: Es bleibt noch viel Zeit, um die Gretchenfrage des FC Bayern im Detail zu beantworten.

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