München - Für Marco Reus kann 2014 nicht früh genug enden. Zu den Verletzungen kommt die Führerschein-Affäre. Dabei hat der Nationalspieler andere Sorgen

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Auch Marco Reus wird demnächst dem Jahr Lebewohl sagen, mit einem deutlich hinterntretenderen Gefühl als die meisten anderen. Vielleicht hat er auch Bleifigürchen in Form von Artur Yedigaryan, Charlie Mulgrew und Marvin Bakalorz und schickt diese in den Schmelztod. Drei Namen, stellvertretend für Reus' Halbjahr aus der Geisterbahn.

Gegen Armenien, gegen Schottland und in Paderborn begab es sich, dass sein linker Knöchel sich zum Syndesmosebandanriss bog, zum Außenbandanriss und schließlich zum Außenbandriss. Yedigaryan und Mulgrew traten ihn eher unabsichtlich, Bakalorz grätschte sich dann mit offener Sohle zurück in die düsteren 80er-Jahre und Reus ins Krankenhaus.

Kaum nähert er sich wieder seiner Fitness, knallt die nächste schlechte Nachricht herein. Seit Jahren ist er ohne Fahrerlaubnis unterwegs gewesen, das Thema beschäftigt wohl noch einige Zeit die Klatschmäuler des Landes. Hinzu kommt: Noch immer weiß niemand, wo Reus ab dem kommenden Sommer spielt. Nicht mal er selbst.

Zurück im Lauftraining

Dabei muss er sich dringend erst um Elementares kümmern. Am Donnerstag kehrte er nach fast vier Wochen Pause auf den Platz zurück. Die erste Reaktion vielerorts: Reus beginnt mit Lauftraining - kein Wunder ohne Lappen, höhö.

Für das letzte Hinrundenspiel in Bremen reicht das natürlich nicht. So verpasst Reus seit seiner Verletzung gegen Armenien am 6. Juni insgesamt 26 von 39 möglichen Spielen für Borussia Dortmund und die Nationalmannschaft. Genau zwei Drittel. Am meisten schmerzten dabei natürlich die sieben WM-Partien in Brasilien.

Die stotternde Wiederholung von guter Form - Verletzung - Reha strapaziert ihn. Und der Spott über den Freifahrer Reus knautscht seine Seele. Bevor jetzt alle "Ach Gott, der Arme!" rufen: Dafür ist er allein verantwortlich. Das Unglück ergießt sich aber tatsächlich arg klumpend über ihn.

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Barcelona und Real wollen Reus

Höchstens sieben Spiele machte Reus in dieser Saison hintereinander. Europas Silbergedecke hätten ihn freilich trotzdem gern am Tisch. Vor allem international hat seine sensationelle Rückrunde der vergangenen Saison Eindruck gemacht mit acht Toren und fünf Vorlagen allein in den letzten neun Spielen.

Neben dem FC Bayern haben der FC Barcelona und Real Madrid die besten Chancen. Nach SPORT1-Informationen ist Barcelona Reus' erste Wahl. Schon 2012 wäre er am liebsten direkt nach Katalonien gewechselt, wählte zunächst aber die etwas sicherere Variante mit dem BVB. Die 25-Millionen-Klausel in Reus' Vertrag ist vor allem seiner Sehnsucht nach Barca geschuldet.

Berthold kritisiert Berater

Seit Monaten macht Reus nichts und trotzdem Schlagzeilen, was seinen künftigen Arbeitgeber betrifft. Viel zu tun also an allen Ecken für seinen Berater Dirk Hebel. "Seine Agentur hätte ihn da auch besser beraten müssen. Viele Spieler sind leider mit Mitte 20 noch ziemlich unselbstständig, weil sie alles abgenommen bekommen", kritisiert SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold mit Blick auf die Führerschein-Geschichte.

In Dortmund droht ihm zumindest kein zusätzlicher Ärger. "Er war maximal einsichtig. Marco Reus in seinem Leben wohl mal falsch abgebogen. Es geht jetzt ganz normal weiter", sagte Trainer Jürgen Klopp am Donnerstag. "Er ist ein ganz toller Kerl, der einen Fehler gemacht hat." Der Verein wird ihn nicht weiter belangen.

Klagt sich Barcelona zum Transfer

Schon bald kann Berater Hebel wieder glänzen und Reus den richtigen Transfer organisieren. Mit 25 Jahren steht dieser vor der wichtigsten Vertragsentscheidung seiner Karriere. Womöglich muss er darauf gar nicht mehr lange warten.

Noch vor Ende des Jahres entscheidet der Internationale Sportgerichtshof CAS auch über Reus' Zukunft. Es geht um das Transferverbot für den FC Barcelona. Der Verein darf in den kommenden zwei Transferperioden keine Spieler verpflichten, weil er jahrelang unerlaubt Nachwuchsspielern anderer Klubs nachgestellt hatte.

Barcelona legte Einspruch ein, die Anhörung fand am 5. Dezember statt. Bestätigt der CAS das Urteil, ist der Traum Barca für Reus wohl zerstört. Dann könnte er frühestens im Januar 2016 wechseln. Zu spät, Reus will eine langfristige Entscheidung im Sommer.

Bis dahin ist noch reichlich Zeit. Genau das könnte zum Problem werden: Verlässt er den BVB, spielt es fast keine Rolle, ob er das gleich verkündet oder die Fans noch hinhält. Unruhe löst er in jedem Fall aus. Dabei müssen sich erst noch andere Stürme bei ihm legen.

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