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In der Champions League erreichte Borussia Dortmund als Gruppensieger das Achtelfinale
In der Champions League erreichte Borussia Dortmund als Gruppensieger das Achtelfinale © getty

Bremen - Borussia Dortmund überwintert auf einem Abstiegsplatz. Klopp glaubt aber an "Licht am Ende des Tunnels" und will weitermachen.

Aus Bremen berichtet Frank Hellmann

Traditionell sitzt der Trainer der Gästemannschaft im Presseraum des Weserstadions ganz links an einem weißen Tisch. Sechs große Strahler richten sich dann auf den Protagonisten, der hier seine Erklärung abgibt.

Und am Samstagabend nach dem 1:2 beim SV Werder Bremen hat Jürgen Klopp bei seinen Ausführungen beinahe ganze Referate gehalten. Es ging um Erklärungen, Rechtfertigungen - und Aussichten bei Borussia Dortmund.

Der Trainer wusste schließlich: "An vielen Orten wird die Stimmung dramatisch besser sein als in Dortmund. Die einzig gute Nachricht für uns ist: Die Vorrunde ist vorbei."

Und doch ist der BVB doch noch tiefer abgesackt als gedacht: Nach der zehnten Niederlage im Bundesliga-Alltag überwintert der Champions-League-Achtelfinalist bestenfalls als Vorletzter.

Die Highlights des Spiels auf SPORT1.fm

Hummels schürt die Angst

Klopp geht sogar davon aus, "dass Freiburg am Sonntag gegen Hannover gewinnt." Dann wären die Schwarz-Gelben mit der Roten Laterne ausgestattet – gibt es eine schlimmere Vorstellung für einen BVB-Fan kurz vor Weihnachten?

Und eine Aussage des Kapitäns macht nicht gerade Hoffnung. "Eine Garantie dafür, dass es besser wird, gibt es nicht", sagte Mats Hummels.

Ein Satz, der die Angst in Dortmund zusätzlich schürt.

Klopp gibt den Kämpfer

Immerhin Klopp kehrte den Kämpfer nach außen: "Jegliche Kritik, die man über uns ablässt, ist gerechtfertigt. Alles ist in Ordnung, das müssen wir uns gefallen lassen. Ich würde uns nicht abschreiben, aber dass wir jetzt dastehen wie die Vollidioten, das geschieht uns recht."

Was mit Leidenschaft und Hingabe zu erreichen ist, machten die Grün-Weißen vor.

Bremen mit weniger Angst

Die Bremer feierten den Sieg nach Toren von Davie Selke (3.) und Fin Bartels (62.) und dem Gegentreffer von Mats Hummels (69.) wie einen Erfolg, der den Champions-League-Einzug bringt.

Dauerläufer Zlatko Junuzovic hatte eine interessante Erklärung für den Ausgang der Partie. "Für Dortmund ist das alles brutal. Wir wussten, dass die mehr Angst, Respekt und Druck haben", sagte er.

Doch bei den Westfalen wird erstaunlicherweise nicht die psychische, sondern die physische Verfassung der Spieler als Ursache der Talfahrt angeführt.

Klopp sieht Ursache in der Physis

"Es gibt viele Erklärungen. Die meisten Spieler sind ohne Vorbereitung in den Drei-Tages-Rhythmus gekommen. Keiner hat das für die Bundesliga notwendige Training durchgeführt, wir leben aber vom Training. Uns fehlt jede defensive Stabilität - das ist das Problem", erläuterte Klopp.

Er selbst schloss persönliche Konsequenzen wie einen Rücktritt erneut kategorisch aus. Es sei eine Herausforderung, "als Trainer einer vermeintlichen Spitzenmannschaft den Abstiegskampf zu bestehen."

Und er kehrte den Kämpfer nach außen, als er versicherte: "Wir haben jetzt drei Wochen Vorbereitung, die werden wir intensiv nutzen und dann ganz anders wiederkommen. Wir haben viele Schwächen gezeigt in der Vorrunde. Aber so schwach sind wir nicht, dementsprechend werden wir da jetzt rangehen."

Auch mit einem Sieg an der Weser hätte sein Team aus einer bescheidenen Hinrunde keine Weltklasse-Halbserie gemacht. Außer viel Ballbesitz sprang für den BVB nicht viel heraus.

Immobile fehlt die Power

Vor allem im letzten Drittel fehlte Dortmund der übliche Punch und Power - auch der zuletzt so gelobte italienische Angreifer Ciro Immobile fand in vorderster Front kein Durchkommen gegen die resoluten Werder-Verteidiger Alejandro Galvez und Assani Lukimya.

Jürgen Klopp-SV Werder Bremen-Borussia Dortmund-Bundesliga-Pressekonferenz
Jürgen Klopp stellt sich der schwierigen Aufgabe, den BVB aus der Abstiegszone zu führen © Getty Images

Wie schon in Berlin betätigte sich der BVB auch in Bremen als willkommener Aufbauhelfer. Verteidiger Mats Hummels kritisierte unverhohlen: "Auswärts haben wir die schlechteste Runde gespielt, die man sich ausmalen kann. Wir stehen zu Recht da unten."

Und Torwart Mitch Langerak, an beiden Gegentoren schuldlos, meinte: "Wir müssen mehr Mut haben. Wir haben den nach dem ersten Gegentor halt verloren." Und dazu auch jegliches Selbstvertrauen.

Klopp wäre nicht Klopp, will er diese Eigenschaft nicht seinen Mannen in der Rückrundenvorbereitung Anfang Januar eintrichtern: "Man kann im Abstiegskampf stabiler sein - und das werden wir zu 100 Prozent hinkriegen. Das Ding ist nicht vorbei. Ich glaube fest daran, dass Licht am Ende des Tunnels angeht."

BVB: Wintertransfers unwahrscheinlich

Zudem versprach der 47-Jährige: "Wir werden uns einiges erarbeiten, und dann wird es deutlich schwerer, uns zu schlagen. Wir werden ein erbitterter Jäger sein."

Neuverpflichtungen sind weder von Vorstandschef Hans-Joachim Watzke noch von Sportdirektor Michael Zorc als Allheilmittel ausgemacht.

Klopp sagte: "Aktionismus macht keinen Sinn."

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