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Roman Bürki (r.) wird gegen Hannover zum Freiburger Unglücksraben
Roman Bürki (r.) wird gegen Hannover zum Freiburger Unglücksraben © getty

Freiburg - Nach dem 2:2 gegen 96 herrscht in Freiburg Fassungslosigkeit. Nur Streich verbreitet Optimismus, die Fans feiern Unglücksrabe Bürki.

Christian Streichs Reaktion sagte alles.

90 Minuten lang war der Trainer des SC Freiburg gewohnt emotional an der Seitenlinie herumgetobt. Nach dem Tiefschlag in letzter Minute sank er auf der Bank in sich zusammen.

Nach einem kapitalen Fehler von Torwart Roman Bürki hatte sein Team beim 2:2 (1:0) gegen Hannover 96 einmal mehr in der Nachspielzeit den dritten Saisonsieg noch aus der Hand gegeben (Drama in Freiburg - die Highlights auf SPORT1.fm).

Freiburg bewahrt BVB vor Platz 18

"Dass uns so etwas, ein später Ausgleich, jetzt zum fünften Mal passiert, hat es in der Liga wahrscheinlich noch nie gegeben", stellte Streich ernüchtert fest.

Nach dem späten Ausgleich durch Joselu (90.+3) hängt am Freiburger Christbaum wieder die Rote Laterne. Statt mit einem Dreier auf den 14. Platz zu springen - und ganz nebenbei Vizemeister Borussia Dortmund ans Tabellenende zu befördern - überwintern die Breisgauer selbst mit 15 Punkten als Tabellenletzter (DATENCENTER: Ergebnisse und Spielplan).

Bekannte Situation für Streich

Eine Situation, die Streich zumindest nicht fremd ist: Als der Sport-Club zuletzt in der Winterpause auf Platz 18 stand, übernahm der Fußballlehrer im Januar 2012 den Trainerposten in Freiburg und bewahrte den Verein vor dem Abstieg.

Zweifel, dass ihm dieses Kunststück noch einmal gelingt, hat Streich trotz des erneuten Rückschlags weiterhin keine.

Er sei "nicht pessimistisch, was den Kampf um den Klassenerhalt betrifft. Wir haben Anschluss an einige Mannschaften."

Frantz: "An die eigene Nase fassen"

Bei seinen Spielern überwog kurz nach dem Abschluss des Bundesliga-Jahres 2014 dagegen noch die Enttäuschung.

"Wenn man bis kurz vor Schluss mit zwei Toren führt und sich dann die Dinger reinschießt, ist man selbst schuld und muss sich an die eigene Nase fassen", sagte Mike Frantz, der den SC in Führung gebracht hatte (45.).

Mit dem 2:0 durch Marc-Oliver Kempf (81.) schien alles gelaufen.

Schlimmes Deja-vu für Freiburg

Doch nach dem Anschlusstreffer durch Leonardo Bittencourt (83.) passierte es wieder: Zum fünften Mal in dieser Hinrunde verspielte das Streich-Team nach der 88. Minute noch einen Vorsprung.

"Der heutige Spielverlauf war symptomatisch für diese Vorrunde und natürlich absolut ärgerlich, weil wir in der zweiten Halbzeit sehr viel richtig gemacht haben", sagte Freiburgs Kapitän Julian Schuster.

Tatsächlich hatte seine Mannschaft sich im zweiten Durchgang deutlich gesteigert, nachdem die Halbzeitführung angesichts von Hannovers Überlegenheit und zwei Pfostentreffern der Gäste eher schmeichelhaft gewesen war.

Joselu wird zum Serientäter

Nach der Pause aber scheiterten auch die Freiburger zusätzlich zu ihrem zweiten Treffer noch zweimal am Aluminium und hätten sich einen Sieg durchaus verdient gehabt.

Serientäter Joselu machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Der Spanier traf im fünften Bundesligaspiel in Folge und bescherte 96 einen versöhnlichen Jahresabschluss. Mit 24 Punkten hat Hannover nur drei Zähler Rückstand auf Champions-League-Qualifikationsplatz vier.

"Wir haben uns endlich mal belohnt für die Moral und unsere Leistung", freute sich Nationaltorwart Ron-Robert Zieler: "So gehen wir mit einem positiven Erlebnis in den Urlaub."

Streich lobt die Freiburger Fans

Ganz anders als sein Gegenüber Bürki, der nach seinem folgenschweren Patzer fassungslos auf dem Rasen kauerte.

Warum der Schweizer den vorangegangenen langen Ball der Gäste nicht einfach in die Hand genommen, sondern mit einem verunglückten Befreiungsschlag Joselu bedient hatte, war selbst Streich ein Rätsel.

"Vielleicht hat er gedacht, es war ein Rückpass", mutmaßte der Trainer.

In einer Sache war sich Streich dann aber doch hundertprozentig sicher: "Dass die Fans auf der Nordtribüne nach dem Spiel 'Roman Bürki' singen, das gibt es nirgendwo - das gibt es nur hier in Freiburg."

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