vergrößernverkleinern
Joshua Kimmich-RB Leipzig
Joshua Kimmich wechselt zur kommenden Saison zum FC Bayern © imago

München - Neuzugang Joshua Kimmich könnte eine prägende Figur werden, wenn er sich beim FC Bayern durchsetzt. SPORT1 stellt ihn vor.

Matthias Sammer dürfte das unglückliche Gesicht von Joshua Kimmich gefallen haben.

Zwei Jahre ist es her, dass die neue Zukunftshoffnung des FC Bayern einen Preis bekam, der ihn eigentlich fröhlich hätte stimmen können.

Beim Mercedes-Benz Junior Cup (Sa., ab 12 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) wurde er zum besten Spieler gewählt. Eine Auszeichnung, mit der er in die Fußstapfen so prominenter Vorläufer wie Mesut Özil und Sami Khedira trat.

Trotzdem: Kimmich blickte unzufrieden drein. Der VfB Stuttgart, sein Team, hatte das Finale gegen Schalke 04 verloren. Das war ihm in dem Moment wichtiger als die persönliche Eitelkeit.

Mehr als nur ein Talent

Eine kleine Episode, aus der man einen kleinen Teil der Antwort ablesen kann, warum der heute 19 Jahre alte Mittelfeldspieler bald für den Rekordmeister spielt: Er ist ein Spieler, der nicht nur großes Talent hat. Sondern auch die korrekte Einstellung.

"Kimmich ist ein Wunschspieler von Matthias Sammer und Pep Guardiola", ließ der FC Bayern wissen, als er den Vollzug des Transfers bekanntgab.

Sieben Millionen Euro überweist der Rekordmeister angeblich an den VfB, der Kimmich derzeit bei Zweitligist RB Leipzig geparkt hat - und ihn zur neuen Saison per Option zurückkauft, um ihn an die Bayern weiterzugeben.

Zorniger ist stolz

Der FC Bayern bekommt dafür einen Jungprofi mit schon sehr eindrucksvollen Referenzen: Kimmich spielte tragende Rollen beim Zweitliga-Aufstieg der Leipziger und beim EM-Gewinn der deutschen U 19. Den Sprung in die U 21 hat er ebenfalls vorzeitig geschafft.

So wundert es kaum, dass Leipzig dem Youngster schon jetzt hinterhertrauert. "Es tut uns leid, dass wir den Spieler verlieren. Aber wir sind alle auch stolz darauf, dass ein von uns trainierter Spieler zum FC Bayern geht", sagte RB-Trainer Alexander Zorniger im Gespräch mit SPORT1.

Gelingt Kimmich auch beim FC Bayern der Durchbruch, kann er eine prägende Figur werden: Seine Position ist die des Strategen im Mittelfeld, offensiv oder defensiv; alternativ ist er auch als Rechtsverteidiger einsetzbar.

Xavi als Idol

Als Vorbilder nennt er Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Ilkay Gündogan ? und allen voran Xavi, dem großen Taktgeber des FC Barcelona und einst Guardiolas rechte Hand auf dem Feld.

Große Idole, an denen Kimmich sich messen lässt. Was nicht heiß, dass er sich selbst schon für einen kleinen Xavi hält.

Einmütig loben frühere Wegbegleiter seine Einstellung, seinen klaren Kopf und seine Demut.

Bodenständig und vernünftig

"Joshua war vom ersten Tag an extrem ehrgeizig, in jeder Trainingseinheit", sagt Thomas Sinz, DFB-Stützpunktkoordinator und wichtiger Förderer: "Er war immer sehr zielstrebig, selbstbewusst und trotzdem immer hilfreich und bodenständig."

Kimmichs Erdung dürfte viel mit seiner Herkunft zu tun haben: Kimmich wuchs auf in der 3300-Einwohner-Gemeinde Bösingen bei Rottweil, Vater Berthold ist Bezirksleiter einer Sparkasse. Kein Umfeld, in dem durchgedrehte Träumer heranwachsen.

Kimmich hat dann auch neben der Fußballer-Ausbildung sein Abitur mit Einserdurchschnitt gemacht - und währenddessen schon Pläne für ein Fernstudium danach geschmiedet.

Man sieht: Er ist ein Vernünftiger.

Überlegter Schritt

Auch der Schritt zum FC Bayern dürfte deshalb wohlüberlegt sein. Die Zuversicht, sich durchzusetzen, ist offensichtlich größer als die übliche Skepsis, sich mit einem zu frühen Wechsel nach München die Karriere zu verderben.

Kimmich hat dort nun bald die Gelegenheit, die vielen Experten zu bestätigen, die ihn für eines der größten Talente des Landes halten - nicht nur, weil er beim Junior Cup in Özils und Khediras Fußstapfen trat.

Kimmich erinnert an Rummenigge

Auch diese Ehrung hat Kimmich im Nachhinein übrigens noch richtig eingeordnet: "Am Ende des Tages werde ich mich über diese Auszeichnung bestimmt sehr freuen", hielt er damals mit etwas Abstand fest.

Am Ende des Tages - Kimmich sagte das tatsächlich. Ein Top-Talent, das mit 17 schon so sprach wie Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandschef.

Auch das könnte dem FC Bayern ein wenig imponiert haben.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel