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Trainer Jos Luhukay und John Heitinga im Trainingslager von Hertha BSC
Trainer Jos Luhukay ist vom Klassenerhalt mit Hertha BSC überzeugt © Trainer Jos Luhukay und John Heitinga im Trainingslager von Hertha BSC

München - Bei Hertha BSC zeigt die Leistungskurve ein Jahr nach dem Aufstieg nach unten. Trainer Jos Luhukay erklärt bei SPORT1 die Gründe und verrät, warum es in der Rückrunde besser wird. Auch Ex-Herthaner Maik Franz hofft "dass die Sonne über Berlin wieder scheint".

In der Ehe spricht man vom verflixten siebten Jahr, im Fußball vom verflixten zweiten - nach dem Aufstieg in die Bundesliga. Und von letzterem kann Hertha BSC gerade ein Lied singen.

Die "Alte Dame" ist ein Jahr nach der Rückkehr in das Oberhaus ins Stolpern geraten. Der Verein hat nach 17 Spielen mit fünf Siegen, drei Unentschieden und neun Niederlagen nur ein mickriges Pünktchen Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Wirklich beruhigend ist das nicht. "Natürlich haben wir uns alle zusammen die Hinrunde anders vorgestellt. Wir können und wollen es in der Rückrunde besser machen", sagt Jos Luhukay SPORT1.

Jos Luhukay ist "absolut überzeugt"

Der 51 Jahre alte Hertha-Coach ist trotz des nicht gerade komfortablen Polsters zur Abstiegszone zuversichtlich: "Weil wir von der Mannschaft absolut überzeugt sind und an sie glauben. Der eine oder andere verletzte Spieler kommt zurück, das gibt mir mehr Möglichkeiten."

Das größte Problem war für Luhukay, "dass unsere Achse zu häufig durch Verletzungen auseinander gebrochen ist. Das kann eine Mannschaft in der Bundesliga nur schwer verkraften. Es ist nicht normal, wenn potenzielle Stammspieler so früh komplett wegbrechen."

Mit Fabian Lustenberger, Sebastian Langkamp, Alexander Baumjohann und Tolga Cigerci fielen bisher vier Leistungsträger monatelang aus.

Lustenberger und Langkamp wieder fit

"Wir hatten die Hoffnung, dass Alex wieder eine tragende Rolle spielen würde und Tolga der Motor und Antreiber unseres Spiels sein würde. Diese Zwei fehlen uns an allen Ecken und Enden", sagt Luhukay.

Lustenberger und Langkamp sind zumindest wieder fit. "Ich bin natürlich sehr froh, dass sie nach ihren Verletzungen wieder dabei sind. Beide sind für uns enorm wichtige Spieler. Gerade auch Fabian Lustenberger als Kapitän." Sowohl in der Innenverteidigung als auch im defensiven Mittelfeld sei er "enorm wertvoll".

Vom Druck befreien

Luhukay will nicht zu schwarzsehen. "Momentan sind wir 13., wenn dieser Platz auch am Saisonende bestehen bliebe, wäre ich sehr zufrieden. Wichtig ist, dass wir immer positiv sind, fokussiert sind und uns von allem Druck befreien können. Dann werden wir mehr Punkte holen als in der Hinrunde und auch in der Liga bleiben."

Das einzige Ziel, betont der Coach, sei es weiterhin "Hertha BSC in der Bundesliga zu etablieren. Das geht nicht von heute auf morgen, das ist auch mit schwierigeren Phasen verbunden."

Luhukay ergänzt: "Ich bin aber sicher, dass wir alle gemeinsam in der Rückrunde eine ganz andere Vorstellung abliefern werden. Die Grundlagen hierfür legen wir in der jetzigen Vorbereitung."

Franz mit der Hertha im Reinen

Einer, der Hertha im Herzen trägt, ist Maik Franz. Doch in der vergangenen Woche musste der 33-Jährige seine Karriere beenden.

Der Verteidiger wechselte 2011 nach Berlin, absolvierte aber aufgrund von Verletzungen nur 16 Spiele für den Klub. Zwischenzeitlich wurde er sogar zu den Amateuren verbannt. Im Mai wurde sein Vertrag aufgelöst.

Dennoch hegt er keine Groll. "Sportlich ist es beschissen gelaufen für mich. Schlimmer hätte es nicht kommen können, aber ich bin mit der Hertha im Reinen", sagt Franz im Gespräch mit SPORT1.

"2014 war ein gebrauchtes Jahr"

"Es war keine tolle Vorrunde und das weiß Jeder",erklärt Franz: "Das komplette Jahr 2014 war für die Hertha ein gebrauchtes Jahr, bis auf die wirtschaftliche Seite durch den Coup mit dem Investor, der 62 Millionen Euro reingebracht hat. Das hat Sicherheit gegeben."

Und das habe man an den Transfers gesehen, so "Iron-Maik", wie Franz aufgrund seiner rustikalen Spielweise auch genannt wurde. "Zehn Millionen ist eine Menge Holz für einen Klub, der bis letztes Jahr noch hoch verschuldet war."

Sportlich allerdings sei alles "sehr ärgerlich" gewesen: "Es kamen viele neue Spieler, von denen nicht viele gezündet haben."

"Hoffe, dass wieder die Sonne scheint"

Droht der Hertha also der erneute Sturz in die Zweite Liga? Franz ist weit davon entfernt, es so zu sehen: "Mit zwei, drei Siegen gleich am Anfang in der englischen Woche kann es schon wieder besser aussehen."

Der Rückrundenstart ist für den Ex-Herthaner aber entscheidend. "In den ersten Wochen wird sich zeigen, wo der Weg hinführt", meint Franz: "Aber jeder in Berlin weiß, was die Stunde geschlagen hat.“ Der Druck auf Hertha ist nicht unerheblich.

"Es ist eine sehr angespannte Situation für alle", sagt der Ex-Profi. "Ich hoffe, dass man die Kurve kriegt und dass nach viel Regen im letzten Jahr 2015 wieder die Sonne über Berlin scheint."

Das schwere zweite Jahr

Das hofft auch Luhukay. Der Niederländer kam 2012 in die Hauptstadt und mit ihm der Erfolg. Erst stieg der Verein auf, dann gelang frühzeitig der Klassenerhalt.

"Seit ich 2012 hier angefangen habe, zeigte unserer Weg eineinhalb Jahre nur nach oben", sagt Luhukay. "Nur das letzte halbe Jahr ging in die andere Richtung. Wobei man nicht vergessen darf, dass das zweite Jahr für einen Aufsteiger immer ein schwieriges Jahr sein kann - das ist normal."

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