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Kevin Kampl bei Borussia Dortmund
Kevin Kampl kam von Red Bull Salzburg zu Borussia Dortmund © getty

München - Der Neu-Dortmunder Kevin Kampl spricht in seinem ersten großen Interview bei SPORT1 über den BVB, Jürgen Klopp und die Kindheit.

Für die Fans von Borussia Dortmund ist Kevin Kampl der Hoffnungsträger.

Der BVB geht nach einer Chaos-Hinserie als 17. in das zweite Halbjahr der Saison und der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler soll die Schwarz-Gelben aus dem Tabellenkeller schießen. (DATENCENTER: Der Spielplan)

Die Verantwortlichen um Trainer Jürgen Klopp sind jedenfalls überzeugt von dem slowenischen Nationalspieler, der im deutschen Solingen geboren wurde.

Der Erwartungsdruck ist enorn, immerhin hat der Klub rund zehn Millionen Euro für Kampl bezahlt.

Auch Ex-Bundesligatrainer Klaus Toppmöller ist bei SPORT1 voll des Lobes: "Ich wurde einmal gefragt, ob ich für den Jungen etwas tun kann, als ich in Salzburg war. Das ist ein hervorragender Spieler, er hat mich bei Red Bull voll überzeugt, ist unglaublich laufstark und technisch beschlagen. Der Junge ist eine richtig gute Verstärkung für den BVB."

In seinem ersten großen Interview als Dortmunder spricht der 24 Jahre alte Kampl bei SPORT1 über den BVB, Klopp, seine Zuversicht im Abstiegskampf - und seine Kindheit.

SPORT1: Herr Kampl, Sie sind jetzt zehn Tage beim BVB. Wie kam der Wechsel eigentlich zustande?

Kampl: Das war alles sehr kurzfristig. Zwei Tage vor Heiligabend gab es ein Treffen mit den BVB-Verantwortlichen. Es war ein sehr gutes Gespräch, in dem mir gleich gesagt wurde, dass man das gerne machen würde. Also habe ich auch gar nicht lange überlegt. Wenn ein Verein wie der BVB zu dir sagt, dass er dich will, dann musst du zusagen. Deswegen waren wir uns ziemlich schnell einig. Der Klub hat eine unglaubliche Strahlkraft. Natürlich ist das auch für meine Familie und meine Freundin der Wahnsinn. RL

SPORT1: Warum wollte Sie der BVB unbedingt?

Kampl: Da müsste man die Verantwortlichen in Dortmund fragen. Ich kann nur sagen, dass ich das Spiel des BVB in den letzten Jahren mit dem schnellen Gegenpressing, schnellen Ballgewinn und schnellen Abschluss vor dem Tor schon immer mochte. Genau das habe ich auch zweieinhalb Jahre in Salzburg gespielt, auch schon unter Roger Schmidt (früherer Red Bull-Coach und jetziger Trainer bei Bayer Leverkusen, Anm. d. Red.). Deshalb glaube ich, dass das ganz gut zusammenpassen kann. Ich habe mich in meinem neuen Team eingelebt, bin sensationell von allen aufgenommen worden und hoffe, dass ich schnell helfen kann, aus der Abstiegszone zu kommen.

SPORT1: Ihre Hilfe wird nötig sein, denn die Vorrunde war schlimm. Das war nicht mehr der BVB der letzten Jahre.

Kampl: Natürlich nicht. Ich denke aber, dass der BVB in den letzten Jahren mit Jürgen Klopp so erfolgreich war, dass so ein Einbruch auch mal passieren kann. Es ist sicher ungewohnt, wenn man jetzt auf die Tabelle schaut und ein Verein wie Borussia Dortmund auf dem vorletzten Platz steht. Aber ich bin mir ganz sicher, dass wir da ganz schnell wieder rauskommen werden. Sonst hätte ich nicht unterschrieben. Es ist bisher eine super Vorbereitung.

SPORT1: Wo sehen Sie sich mit ihrem Spiel beim BVB?

Kampl: Ich kann mehrere Positionen spielen. In Salzburg habe ich lange halbrechts gespielt, bin aber kein reiner Außenspieler, sondern einer mit Zug zur Mitte. Ich habe auch viele Jahre auf der Acht gespielt, in Osnabrück ein Jahr lang ganz links und in der Nationalmannschaft bin ich der klassische Zehner hinter den Spitzen. Ich bin also variabel einsetzbar und mache mir deshalb keine großen Gedanken, wo ich am liebsten spielen würde. Jürgen Klopp wird schon wissen, wo ich am wertvollsten für das Team bin. Dass er ein super Trainer ist, der in den letzten Jahren viel erreicht hat, das weiß jeder. Und ich denke, dass er weiter genau der Richtige ist, um die Borussia wieder nach oben zu führen.

SPORT1: Warum glauben sie das?

Kampl: Weil Jürgen Klopp einfach extrem viel Ahnung vom Fußball hat. Das hat er in der Vergangenheit doch bewiesen. Die Mannschaft hat sich im Vergleich zum letzten Jahr auch nicht wahnsinnig verändert.

SPORT1: Was macht Klopp aus?

Kampl: Er ist einfach unglaublich positiv und fußballverrückt. Er lebt Fußball, und mit seiner Art steckt er jeden an. Auch mich hat er angesteckt. Als ich ein paar Sätze mit ihm sprach, wusste ich, dass mich der BVB wirklich will. Beim Handschlag nach dem Gespräch war mir klar, dass ich zusagen werde.

SPORT1: Viele wären nicht unbedingt auf Sie gekommen. Waren Sie selbst überrascht, dass der BVB Sie wollte?

Kampl: Überrascht nicht, denn wir waren ja schon länger in Kontakt. Wenn die Verantwortlichen jemand anderen gewollt hätten, dann hätten sie den auch bekommen. Der BVB ist interessant genug. Ich habe zwar in Österreich gespielt und das ist nicht mit Spanien oder Deutschland zu vergleichen, aber Red Bull Salzburg ist nun wirklich keine Gurkentruppe. Wir haben in den letzten zwei Jahren in Europa mit attraktivem Fußball schon auch für Aufmerksamkeit gesorgt.

SPORT1: Sie sollen auch ein Angebot Ihres Ex-Klubs Bayer Leverkusen gehabt haben, wo deren Trainer und Ihr Entdecker Roger Schmidt Sie unbedingt haben wollte.

Kampl: Das stimmt, aber der BVB war einfach schneller und hat noch mehr Gas gegeben, um mich zu bekommen. Außerdem ist mit der Unterschrift in Dortmund für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. quiz

SPORT1: Sie sollen als Kind schon BVB-Fan gewesen sein.

Kampl: Stimmt. Ich erinnere mich noch, dass mein Nachbar ein fanatischer BVB-Fan war, und da dauerte es nicht lange und auch ich war angesteckt. (lacht) Fast mein ganzes Zimmer war schwarzgelb. Ich hatte sogar einen BVB-Schreibtisch und schlief in BVB-Bettwäsche. Und jetzt werde ich für diesen Verein spielen - das ist der Hammer. Gibt es etwas Schöneres?

SPORT1: Zuletzt gab es schon Spekulationen, dass der BVB mit Ihnen den Nachfolger von Marco Reus verpflichtet hat, falls er den BVB im Sommer verlassen sollte. Wie gehen Sie damit um?

Kampl: Nicht mein Thema. Ob Marco Reus geht oder nicht, das kann ich nicht sagen. Ich kann nur versuchen, meine Leistung zu bringen. Ich freue mich, mit Marco zusammenzuspielen und natürlich am liebsten über den Sommer hinaus. Er ist ein wahnsinnig guter Spieler.

SPORT1: Sie klingen zuversichtlich, dass der BVB mit Ihnen wieder nach vorne kommt.

Kampl: Ich glaube, dass dieser tolle Verein viel weiter nach vorne gehört. Ich bin davon überzeugt, dass diese schlimme Vorrunde ein Ausrutscher war und dass wir uns in den nächsten Monaten da unten befreien können. Von Resignation ist nichts zu spüren.

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