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Xabi Alonso (l.) musste mit dem FC Bayern die erste Saisonniederlage hinnehmen.
Xabi Alonso (l.) musste mit dem FC Bayern die erste Saisonniederlage hinnehmen. © IMAGO

Wolfsburg - Der FC Bayern wird in Wolfsburg entzaubert. Bastian Schweinsteiger vermisst die Kompaktheit, Manuel Neuer die Absicherung. Für Pep Guardiola zählt jetzt nur die Analyse.

Pep Guardiola blickte nochmal zurück über seine seine linke Schulter, als wollte er nicht ganz glauben, was sich da auf dem grünen Rechteck hinter ihm in den letzten 90 Minuten abgespielt hatte.

Der Trainer des FC Bayern eilte um 22:26 Uhr nach dem Schlusspfiff als erster aller Akteure in die Katakomben der Volkswagen-Arena.

Rund zwei Minuten später folgten die FCB-Spieler ihrem Trainer. Mit hängenden Köpfen. Enttäuscht. Grübelnd.

Der 4:1-Sieg des zweitplatzierten VfL Wolfsburg gegen den Bundesliga-Primus wird nicht nur in Guardioals Rückblick noch lange im Gedächtnis bleiben.

"Natürlich ist das ein Schock", sagte Arjen Robben über die vier Gegentore - so viele wie der zuvor ungeschlagene Tabellenführer in den gesamten 17 Hinrundenspielen kassiert hatte. "Man kann ein Spiel verlieren, aber 4:1 ist ein bisschen viel", fand der niederländische Flügelstürmer.

Bas Dost genießt Premiere

"Besser geht's nicht. Das erste Mal, dass ich die Bayern geschlagen habe. Das ist ein gutes Gefühl", sagte sein Landsmann Bas Dost, mit seinen zwei Toren Wegbereiter des Erfolgs, im Gespräch mit SPORT1.

"Sechsmal habe ich gegen sie verloren und keine Chance gehabt. Dieses Mal haben wir sie einfach geschlagen", meinte der Niederländer.

Der Volkswagen Doppelpass kommt am Sonntag, ab 11 Uhr, aus Wolfsburg - zu Gast ist unter anderem VfL-Trainer Dieter Hecking.

Selten hatte Fußball-Deutschland dem Werksklub mehr die Daumen gedrückt als zu diesem Rückrundenauftakt. Mit jetzt acht Punkten Rückstand haben die Wolfsburger zumindest für den Moment noch einmal Spannung in den Meisterschaftskampf gebracht.

Schweinsteiger und Götze hadern

Die Gastgeber demonstrierten, dass die Über-Bayern verwundbar sind. Der gewohnt hoch stehende Rekordmeister wurde von den bissigen Wölfen mustergültig ausgekontert.

Die Bayern neben der Spur: Das gewohnte Kurzpassspiel kam nicht in Schwung, es fehlten ein erkennbares Konzept und die Spielkontrolle. Die Abwehr agierte unsicher, im Mittelfeld gab es keine Abstimmung zwischen Schweinsteiger und Xabi Alonso, in der Spitze fand Robert Lewandowski keinerlei Bindung zum Spiel.

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"Wir haben bei unseren Angriffen die Ordnung verloren und standen viel zu weit auseinander, waren als Mannschaft nicht kompakt genug. Dafür wurden wir bestraft", analysierte Bastian Schweinsteiger. "Wir waren heute nicht auf der Höhe, das haben wir uns selbst zuzuschreiben", konstatierte Mario Götze.

Die vier Gegentore versetzten das Bayern-Ensemble in Alarmbereitschaft. "Es ist normal, das man gegen aggressive Wolfsburger auch Ballverlust hat, aber wir müssen versuchen solche Konter zu verhindern", sagte Torhüter Manuel Neuer.

"Das ist heute in die Hose gegangen. Das ist keine Katastrophe, aber wir müssen jetzt die Kurve kriegen."

Schalke und Stuttgart warten

Für Guardiola gibt’s viel zu tun. Während des Spiels versuchte er schon einzugreifen und zu korrigieren. So wie Mitte der zweiten Halbzeit: Unruhig rieb er sich beim Stand von 1:3 über den kahlrasierten Schädel, setzte zum Schreien an, brach aber unmittelbar wieder ab.

Statt einer Anweisung kam aus seinem Mund nur eine weiße Atem-Dunstwolke, die in der kühlen Wolfsburger Nachtluft verpuffte. So wie die Angriffsbemühungen der Bayern. 

Gegen Schalke 04 am kommenden Dienstag und beim VfB Stuttgart am Samstag muss das aus Münchner Sicht rasch besser werden.

"Wir hatten sechs Wochen Pause. Jetzt müssen wir wieder spielen und analysieren, was passiert ist", meinte Guardiola. Den Bayern ist in den 40 Tagen seit dem Ende der Hinrunde der Spielrhythmus abhanden gekommen.

"Du kriegst nichts geschenkt"

"Das zeigt, was wir schon oft gesagt haben: Du kriegst nichts geschenkt", sagte Robben. "Für die Zukunft ist das vielleicht gar nicht so schlecht", versuchte der Niederländer aus der Pleite etwas Positives zu ziehen.

Bei den Gewinnern war das taktische Pokerspiel ein voller Erfolg. "Wir wollten nicht zu tief stehen, aber auch nicht zu hoch attackieren. Unser Plan ist heute zu 100 Prozent aufgegangen", sagte Trainer Dieter Hecking über die meisterliche Leistung.

Wolfsburg ist wieder dran, der Glaube da. "Vielleicht können uns andere Mannschaften das nachmachen und Bayern damit unter Druck setzen", hoffte der alles überragende Kevin De Bruyne.

Erstmals seit 2009 kassierten die Bayern in der Liga wieder vier Gegentore – an jenem 4. April lautete das Ergebnis an gleicher Stelle 1:5. Der spätere Meister hieß: VfL Wolfsburg.

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Guardiola: Bayern verdient die Niederlage

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