Doha - Kroatiens Nationaltrainer Niko Kovac und sein Bruder Robert sprechen bei SPORT1 über die Stärke der Bayern und Dortmunds Absturz.

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Mit Argusaugen beobachteten die beiden Brüder jedes Training des FC Bayern in Doha, jeden Schritt von Starcoach Pep Guardiola.

Die Ex-Bundesliga-Profis Niko und Robert Kovac waren in der vergangenen Woche zu Gast im Trainingslager des deutschen Rekordmeisters, ihrem ehemaligen Arbeitgeber.

Niko spielte von 2001 bis 2003, sein zweieinhalb Jahre jüngerer Bruder Robert von 2001 bis 2005 bei den Bayern. Lange genug, um ein fundiertes Urteil über die Stärke des aktuellen Bayern-Kaders fällen zu können.

"Die Intensität, die Konzentration und das Engagement, mit dem die Spieler hier bei der Sache sind, ist schon beeindruckend", sagte Niko bei SPORT1 - und bestärkte Thomas Müllerin seiner Meinung, dass Trainingsspiele beim deutschen Rekordmeister oftmals anstrengender und härter seien als Spiele in der Bundesliga.

Wenn sie sich nicht gerade etwas bei den großen Namen der Trainerbranche abschauen, trainieren die Kovac-Brüder selbst die kroatische Nationalmannschaft - Niko als Chefcoach, Robert als sein Assistent.

Im SPORT1-Interview sprechen die beiden über die Entwicklungen bei den Bayern, deren Dominanz in der Liga und ihre persönliche Zukunft im Trainergeschäft.

SPORT1: Wie kann man Ihren Aufenthalt hier in Doha werten? Als netten Besuch bei den ehemaligen Kollegen oder doch eher als eine Art Hospitanz bei Pep Guardiola?

Niko Kovac: Eher als Hospitanz. Wir versuchen in unserer Freizeit immer, den großen Trainern über die Schultern zu schauen. Letzten Winter haben wir den BVB in Spanien besucht, diesmal sind wir hier. Wir beobachten das Training und schauen, welche Schwerpunkte gelegt werden - ob im technischen oder taktischen Bereich. Wir beobachten, wie sich der jeweilige Trainer verhält und tauschen uns auch mal mit ihm aus.

SPORT1: Gelingt es den Bayern, ihre überragende Form aus der Hin- mit in die Rückrunde zu nehmen, dürfte ihrem 25. Meistertitel nichts mehr im Wege stehen. Überrascht Sie diese Dominanz?

Niko Kovac: Nein, nicht besonders. Die Bayern haben eine unfassbar starke Mannschaft und spielen schon seit Jahren auf absolutem Topniveau. Nicht nur national, auch international mischen sie immer bis zum Schluss ganz vorne mit.

Robert Kovac: Ich hatte schon erwartet, dass die Dortmunder wieder enger an den Bayern dran sind. Stattdessen läuft beim BVB in dieser Saison überhaupt nichts. Auch Wolfsburg als Zweiter ist überraschend weit zurück. Letztlich haben die Bayern eben doch den mit Abstand besten Kader und wenn sie mal ins Rollen kommen, sind sie kaum noch aufzuhalten.

SPORT1: Robert, Sie haben selbst zwei Jahre beim BVB gespielt. Was läuft bei den Dortmundern in dieser Saison schief?

Robert Kovac: Sie sind mit dem Kräfteverschleiß nach der WM offensichtlich nicht so gut zurecht gekommen. Nach einigen Negativerfahrungen sind sie dann in so einen Abwärtsstrudel geraten. Jeder Fehler wurde bestraft, den Spielern fehlte zunehmend das Selbstvertrauen. Jürgen Klopp hat da jetzt einiges an Arbeit vor sich. Aufgrund ihrer Qualität werden die Dortmunder da unten wieder rauskommen, aber einen internationalen Platz werden sie nicht mehr erreichen - und an den sollten sie jetzt erst mal auch nicht denken.

SPORT1: Zurück zu den Bayern. Wie bewerten Sie ihre Aussichten in der Champions League? Wen müssen die Münchner fürchten?

Niko Kovac: Letztlich sind es fast immer die gleichen Teams, die für den Titel infrage kommen. Real Madrid, Barcelona, die Bayern, vielleicht auch Chelsea. Das sind meiner Meinung nach die Favoriten.

SPORT1: Droht den Bayern angesichts ihrer Überlegenheit in der Liga denn ein ähnliches Szenario wie im letzten Jahr, als sie im Champions-League-Halbfinale sang- und klanglos gegen Real ausschieden?

Robert Kovac: Natürlich waren das gegen Real schwarze Abende für die Bayern. Aber die sollten nicht eine ganze Saison überschatten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sie überragend gespielt und am Ende haben sie ja auch immerhin zwei Titel geholt. Dass Guardiola die Liga damals vorzeitig für beendet erklärt hat, war vielleicht ein Fehler. Dafür hat er es in dieser Saison hinbekommen, dass die Spieler von der WM zurückkamen und sich einen solchen Vorsprung herausgespielt haben. Das war in den Jahren zuvor nie der Fall.

SPORT1: Könnten sich die Bayern womöglich aber selbst im Weg stehen? Immerhin dürfte spätestens mit der Rückkehr von Thiago Alcantara und Philipp Lahm im Mittelfeld ein Überangebot und dadurch womöglich auch die eine oder andere Reiberei entstehen.

Robert Kovac: Das sind alles Weltklasse-Spieler, keine Frage. Aber Lahm beispielsweise kann ja auch wieder als rechter Verteidiger spielen. Außerdem gibt es noch so viele Spiele. Guardiola wird schon wissen, wie und wann er dann mal wechselt.

SPORT1: Wann erleben wir Sie beide eigentlich als Trainer in der Bundesliga?

Niko Kovac: Mal sehen. Sicher wäre es schön, irgendwann mal als Erstliga-Trainer zu arbeiten. Aber bis zur EM 2016 stehen wir noch in Kroatien unter Vertrag, und vielleicht verlängern wir ja auch.

Robert Kovac: Natürlich ist die Bundesliga immer reizvoll. Schließlich sind wir beide in Deutschland aufgewachsen, kennen die Strukturen und schätzen die Ordnung hier. Daher kann ich mir schon vorstellen, früher oder später mal in Deutschland zu arbeiten.

SPORT1: Bleiben die Kovac-Brüder auf Dauer ein Trainerteam oder können Sie, Robert, sich auch vorstellen, als Cheftrainer zu arbeiten?

Robert Kovac: Auf jeden Fall, aber erst mal mache ich meine Trainerausbildung zu Ende und versuche, mich so gut es geht weiterzuentwickeln.

Niko Kovac: Wir arbeiten sehr gut zusammen. Aber Robert wohnt in Kroatien, ich in Österreich. Wenn wir also gemeinsam einen Verein trainieren wollten, müsste einer von uns beiden umziehen. Warten wir einfach mal ab, was die Zukunft so bringt.

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