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Klaus Allofs ist seit November 2012 Geschäftsführer des VfL Wolfsburg
Klaus Allofs ist seit November 2012 ist Geschäftsführer beim VfL Wolfsburg © getty

Vor dem Spiel gegen den FC Bayern spricht Wolfsburgs Geschäftsführer Klaus Allofs im SPORT1-Interview über Neuzugang Andre Schürrle, die Malanda-Tragödie und die Ziele der "Wölfe".

Kurz vor dem Rückrundenstart ist dem VfL Wolfsburg offenbar ein Transfer-Coup gelungen.

Die Niedersachsen haben sich mit Nationalspieler Andre Schürrle auf einen Vertrag bis 2019 geeinigt. Als Ablösesumme stehen rund 30 Millionen Euro im Raum. Lediglich die Einigung zwischen Schürrles aktuellem Klub, dem FC Chelsea, und dem VfL steht noch aus. 

"Der Wechsel von Andre Schürrle ist noch längst nicht perfekt. Es gibt noch einige Klippen, die es zu umschiffen gilt", sagte Wolfsburgs Geschäftsführer Klaus Allofs am Freitagvormittag.

Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking ist am Sonntag zu Gast im Volkswagen-Doppelpass - ab 11 Uhr im TV auf SPORT1
Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking ist am Sonntag zu Gast im Volkswagen-Doppelpass - ab 11 Uhr im TV auf SPORT1 © SPORT1/getty

Keine Frage, dieser Mega-Deal würde Allofs und dem ganzen Verein ein Stück weit auf dem Weg zurück in die Normalität verhelfen. Nach dem Tod von Junior Malanda ist Allofs weiter bemüht so gut wie möglich den Blick nach vorne zu richten. Das Tagesgeschäft Bundesliga hat ihn früher eingeholt, als ihm lieb war.

Am Freitag kommt es vor heimischer Kulisse zum Kräftemessen mit dem FC Bayern (ab 20 Uhr LIVE im Sportradio auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER).

Vor dem Spiel gegen die Münchner spricht Allofs im SPORT1-Interview nochmal über die Malanda-Tragödie, die Bayern und die „Wölfe“.  

SPORT1: Herr Allofs, wie geht es Ihnen mit etwas Abstand nach dem Tod von Junior Malanda?

Klaus Allofs: Wenn ich jetzt sagen würde, dass es mir gut geht, dann ist das immer mit einer Einschränkung verbunden. Ansonsten haben wir alle die Rückkehr in die Normalität hinbekommen. Es stehen wieder neue Aufgaben an und bei aller Traurigkeit, die uns immer noch umgibt, müssen wir einfach nach vorne schauen. Das haben wir ganz gut hinbekommen. das Trainingslager, die Trauerarbeit in Kapstadt, die Beerdigung - das waren wichtige Dinge, um wieder auf den normalen Weg kommen zu können. Auch wenn es immer wieder schwierige Momente geben wird.

SPORT1: Ist es nicht absurd, da stirbt ein Mensch, der einem nahe steht und es soll nun einfach weitergehen?

Allofs: Ich würde es nicht als absurd bezeichnen. Es ist sehr traurig, aber es ist ein Bestandteil des Lebens.  

SPORT1: Lag es auch an Ihnen, dass Sie mit Ihrer ganzen Erfahrung auf die Mannschaft eingewirkt haben?

Allofs: Ich möchte niemanden hervorheben. Jeder seinen Beitrag innerhalb des Vereins geleistet und das getan, was man von ihm verlangen konnte. Natürlich muss es Personen geben, die vorangehen und die Entscheidungen treffen.

VfL Wolfsburg v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga
Ivan Perisic (r., mit Gladbachs Raffael) wechselte im Januar 2013 von Borussia Dortmund zum VfL Wolfsburg © Getty Images

SPORT1: In so einer schlimmen Phase gibt es kein richtig oder falsch?

Allofs: Ganz genau. Der eine wird sagen, die haben es gut gemacht, ein anderer wird sagen, dass wir es nicht so gut hinbekommen haben. Das interessiert mich aber weniger. Es geht darum, wie wir fühlen. Wir haben das Gefühl, dass wir alles gemacht haben, was wir für Junior tun konnten.

SPORT1: Es gab Zweifel, dass die Mannschaft nach der Trauerbewältigung nicht 100%ig bei der Sache ist. Was meinen Sie?

Allofs: Ich glaube, dass die Spieler zumindest so bei der Sache waren, dass sie ihre Arbeit machen konnten. Manchmal ist man von viel unwichtigeren Dingen abgelenkt. Die Situation hätte als Entschuldigung gelten können, aber die Mannschaft hat es verstanden, dass ab einem gewissen Punkt die Arbeit auf dem Platz anstand. Das hat aber nichts damit zu tun, dass man weniger trauert.  

SPORT1: Wie sehr kann der Tod von Malanda das Team für die Rückrunde zusammengeschweißt haben?

Allofs: Das bleibt abzuwarten. Aber es kann auf jeden Fall hilfreich sein, wenn sich jeder einzelne mit Dingen beschäftigt, die im Alltagsgeschäft Bundesliga oft in den Hintergrund geraten.

SPORT1: Wie froh sind Sie nun, dass es wieder ernst wird - und dann noch gegen die Bayern?

Allofs: Wir haben uns auf die Rückrunde vorbereitet und nicht nur auf das Spiel gegen die Bayern. Wir wissen aus eigener Erfahrung in der Hinrunde, dass man selbst mit einer Niederlage gegen die Münchner am Ende Zweiter sein kann. Unser Ziel ist es, den zweiten Platz zu festigen. Wir sind aber nicht so vermessen zu sagen, dass wir selbst bei einem Sieg die Bayern an der Meisterschaft hindern können. Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen und es ist uns auch bewusst, dass es gegen die Bayern die große Bühne ist. Aber wir sind weit davon entfernt, deswegen alles andere in den Hintergrund zu rücken.   

SPORT1: Felix Magath sprach davon, dass der VfL durchaus Meister werden kann.

Allofs: Das ist gut gemeint, aber das entspricht nicht den wirklichen Kräfteverhältnissen.

SPORT1: Ein Problem in der Vorbereitung war die wackelige Abwehr. Wie bewerten Sie diese Baustelle?

Allofs: Ich sehe das gar nicht als Baustelle. Wir haben uns als Mannschaft sehr gut weiter entwickelt und haben noch sehr viele Möglichkeiten, uns zu verbessern. Wenn man zu wenig Tore erzielt, sind nicht immer die Stürmer schuld, wenn man viele Tore kassiert, liegt es nicht immer an der Defensive. Wir müssen uns insgesamt als Team weiterentwickeln und der Mannschaft sicher auch nach und nach noch mehr Qualität zuführen, um irgendwann den Abstand zu den Bayern weiter verringern zu können.   

SPORT1: Einen Spieler, den Sie zum VfL holten, ist Ivan Perisic. Er ist endlich in einer Top-Verfassung. Das freut Sie sicher, oder?

Allofs: Natürlich. Er hat eine gewisse Zeit gebraucht, aber jetzt seinen Platz gefunden. Darüber hinaus hat er sehr viel Bestätigung bei der Nationalmannschaft bekommen. Das waren alles Dinge, die ihm sehr geholfen haben und auch weiter helfen werden, sein ganzes Potenzial auszuschöpfen.   

SPORT1: Wie weit ist der Chinese Xizhe Zhang, der neu dazu kam? Er ist aber noch nicht als Soforthilfe eingeplant.

Allofs: Nein. Das wäre auch eine falsche Erwartungshaltung. Er hat in Kapstadt ein sehr gutes Vorbereitungsspiel gemacht, danach ist er kräftemäßig etwas eingebrochen. Jetzt muss er sich an die Zweikampfführung und an das Tempo in der Bundesliga gewöhnen. Er ist aber talentiert genug, um im Verlauf der Rückrunde oder zur nächsten Saison hilfreich zu sein.

SPORT1: Ist es am Freitag die letzte Möglichkeit die Bayern zu stoppen? Von der Qualität her muss sich der VfL nicht verstecken.

Allofs: Da bin ich ganz anderer Meinung. Und das ist keine Tiefstapelei. Die Bayern sind uns in vielen Punkten noch sehr weit voraus. Das wäre eine ganz falsche Wahrnehmung und es wäre auch nicht das richtige Signal, wenn ich das von unserer Mannschaft behaupten würde. Wir wollen gewinnen. Aber wie gesagt: selbst bei einem Sieg sehe ich Bayern München als Meister.    

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