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Thomas Berthold analysiert die Lage beim VfB Stuttgart
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Thomas Berthold verortet in seiner SPORT1-Kolumne die Probleme beim VfB Stuttgart in der spielerischen Qualität. In Dortmund erwartet er im Sommer einen Umbruch.

Hallo Fußball-Freunde,

für Stuttgart waren die Bayern kein Gradmesser. Der VfB wollte dem FCB das Leben schwer machen, aber die Münchner haben bei ihren Toren ihre individuelle Qualität gezeigt.

Stuttgart hat seit sechs Heimspielen kein Tor erzielt. Man muss sich Gedanken machen, woran das liegt.

In der Spieleröffnung hat Trainer Huub Stevens nicht viele Optionen. Ihm fehlen - bis auf wenige Ausnahmen - dynamische Spieler, vor allem im zentralen Mittelfeld. Auch Neuzugang Serey Die ist ein defensiver Mittelfeldspieler.

Vor dem VfB liegen richtungweisende Duelle. In Hoffenheim wartet Derby. 1899 hat mit Firmino und Volland zwei Ausnahmespieler, die an einem guten Tag jedem Gegner das Leben schwer machen können.

Beim Spiel zwischen Stuttgart und Dortmund in zwei Wochen bin ich im Stadion. Ich hätte mir für die Partie auch andere Umstände gewünscht. Wenn diese beiden Spiele vorbei sind, weiß man schon, wohin der Weg für den VfB und den BVB führt.

Es kommt darauf an, wer die Nerven behält und sich mit Mumm unten heraus zieht.

Wenn du erst einmal vier oder fünf Punkte hinten dran bist, wird es immer schwieriger, je weniger Spiele bleiben. Für den Klassenerhalt müsste es beim VfB von der Qualität her eigentlich langen, aber dafür müssen sie ihre Heimspiele gewinnen.

Sie haben nach Dortmund noch Hertha, Bremen, Freiburg, Mainz und Hamburg zuhause. Die Spiele muss man gewinnen.

Hamburg oder Hertha haben jetzt zwar gewonnen, beide sind aber auch keine stabilen Mannschaften. Eins ist klar: 27 Punkte werden in dieser Saison nicht zum Klassenerhalt reichen.

Bei Borussia Dortmund nach dem Sieg in Freiburg jetzt schon von einer Wende zu sprechen, wäre hanebüchen.

Das ist eine wichtige Momentaufnahme. Aber von einer Wende kann man erst sprechen, wenn man eine Serie hingelegt hat oder in der Lage war, gegen andere Gegner auch mal einen Rückstand aufzuholen.

Jürgen Klopp (l.) ermuntert Kevin Großkreutz
Kevin Großkreutz (r.) wurde mit Borussia Dortmund 2011 und 2012 Deutscher Meister © Getty

Jetzt schon eine Prognose abzugeben oder irgendwelche Szenarien aufzubauen, wäre völliger Schwachsinn. Im Konjunktiv haben wir Ende des vergangenen Jahres auch schon die ganze Zeit geredet.

Ich glaube, dass es im Kader des BVB im Sommer einen größeren Schnitt geben wird. Einige Spieler haben nicht die Qualität, die man vielleicht vermutet hat.

Jürgen Klopp ist seit sieben Jahren da, er nutzt sich auch ab. Dann muss er eben in der Mannschaft für frischen Wind sorgen.

Die Neuen wie Ramos oder Immobile hatte eigentlich gar keine Chance, sie kamen nach Dortmund und es lief schlecht. Ich würde eher bei den Etablierten ansetzen: Großkreutz, Schmelzer und Subotic sind für mich gute, ordentliche Spieler, aber keine Top-Bundesligaspieler.

Wenn Reus oder Hummels nicht in Form sind oder Gündogan fehlt, wackelt das ganze Konstrukt. Die Mannschaft ist nicht stabil genug. Den Spielern fehlt, egal auf welcher Position, die nötige Spritzigkeit. Wenn du die nicht hast, wird es eng. Ich glaube, dass der BVB sich unten herauszieht. Aber ich glaube nicht, dass sie in die internationalen Plätze kommen.

In den letzten Jahren sind viele Spieler mit hochgezogen worden, wenn die Achse funktioniert hat. Wenn diese Achse aber nicht funktioniert, vor allem ohne Robert Lewandowski als Schlüsselspieler im Sturm, dann sieht man eben, dass es viele im Kader normale Bundesligaspieler sind, aber keine Topspieler.

Bis zum nächsten Mal,
Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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