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Thomas Berthold checkt den Hamburger SV mit Ronny Marcos und Rafael van der Vaart
© SPORT1/imago

Thomas Berthold spricht dem Hamburger SV in seiner SPORT1-Kolumne die Bundesliga-Tauglichkeit ab. Beim VfB Stuttgart hat er schon einen Nachfolger für Huub Stevens im Blick.

Hallo Fußball-Freunde,

was war das für ein spektakuläres Bundesliga-Wochenende! Das Spiel in Leverkusen war schlicht der Wahnsinn, nicht zu toppen. Dass die Partie in München allerdings zu einem solchen Torfestival geraten ist, lag wesentlich an den Hamburgern.

Der HSV ist in München blauäugig, taktisch total überfordert und einer Bundesliga-Mannschaft unwürdig aufgetreten. Kein Biss, keine Gegenwehr, gar nichts. Man hat sich da vorführen lassen wie eine Schülermannschaft. 

Dass Arjen Robben einen starken linken Fuß hat, müsste mittlerweile auch allen Hamburger Spielern bekannt sein. Da fragt man sich schon, warum man ihn in die Mitte ziehen lässt, wo er frei zum Abschluss kommt. Auch ein Thomas Müller kann zentral 20 Meter vor dem Tor unbedrängt schießen. Das war für die Bayern wie im Training. Beim HSV stimmen einfach elementare Dinge nicht.

Dann kommt dazu, dass Trainer Joe Zinnbauer in der Außenverteidigung mit Ronny Marcos und Ashton Götz zwei noch ganz unerfahrene Spieler aufgeboten hat. Den Jungs selbst kann man ja gar keinen Vorwurf machen. Sie waren schlichtweg überfordert, wie der Rest der Mannschaft auch. Das Spiel hätte ja gut und gerne zweitstellig enden können.

Das ist für die Außenwirkung eines Vereins und das Innenleben der Mannschaft eine Katastrophe. Denn man lebt ja die ganze folgende Woche mit und von diesem Ergebnis. Ganz davon abgesehen, dass die Konkurrenz im Abstiegskampf fleißig gepunktet hat und so den Druck weiter erhöht.

Wenn die Hamburger gedacht haben, mit 23 Punkten hätten sie erstmal ein bisschen Luft, wissen sie spätestens seit den Siegen von Freiburg und Paderborn am Sonntag: Pustekuchen!

Der VfB Stuttgart ist ein weiterer großer Verlierer des Wochenendes. Es kommt auch gar nicht gut an, wenn ein Cheftrainer wie Huub Stevens vor Journalisten zugibt, dass er ratlos ist. Er hat in neun Spielen neun Punkte geholt. Das ist keine gute Ausbeute. Jetzt ist die Frage: Kann Stevens vor dem BVB-Spiel überhaupt noch einen Impuls geben? (Mehr zu den Themen Hamburger SV und VfB Stuttgart ab 22.15 Uhr in der Telekom Spieltaganalyse auf SPORT1)

Man muss zudem ein paar taktische Aspekte hinterfragen. Ich wundere mich, warum ein Timo Werner zentrale Spitze spielt oder ein Alexandru Maxim gar nicht mehr auftaucht. Er ist meiner Meinung nach als einziger Stuttgarter in der Lage, aus einem ruhenden Ball Torgefahr heraufzubeschwören.

Die angeschlagenen Hoffenheimer waren nach ihrem schlechten Rückrundenstart grundsätzlich ein dankbarer Gegner für den VfB waren. Gegen wen wollen die Stuttgarter denn gewinnen, wenn nicht dort?

Geht's auch gegen Dortmund schief, muss der Verein die Grundsatzfrage stellen: Was können wir noch tun, um die Trendwende zu schaffen? Als Alternative zu Stevens fiele mir spontan Felix Magath ein. Er kennt den Verein, war da erfolgreich. Und er hat schon bewiesen, dass er als Feuerwehrmann auch einen solchen Brand löschen kann.

Bis zum nächsten Mal, Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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