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1. FSV Mainz 05 v Eintracht Frankfurt - Bundesliga
Martin Schmidt (l.) feierte mit Mainz seinen ersten Sieg © Getty Images

Mainz - Martin Schmidt bringt Emotionen sowie Lust auf Balleroberung zurück nach Mainz. Der Schweizer erinnert an Thomas Tuchel, stellt seinen Vor-Vorgänger aber in den Schatten.

Nach dem Traumeinstand setzte Martin Schmidt seine Tour der Leidenschaft unvermindert fort.

Hinter der Trainerbank herzte der neue Coach des FSV Mainz 05 seine fünf Schwestern und den 82-jährigen Vater Beat, die die weite Reise aus dem Wallis nach Rheinhessen im Morgengrauen angetreten hatten. Natürlich mit vier Kuhglocken und der rot-weißen Kantonsflagge im Gepäck.

Familie gratuliert Schmidt

Die Glückwünsche der angereisten Familie nahm Schmidt nach dem 3:1 (1:1) im Rhein-Main-Derby gegen Eintracht Frankfurt und seinem geglückten Bundesliga-Debüt gerne an.

Doch irgendwann wurde es dem charismatischen Schweizer zu bunt mit den Lobeshymnen und -Gesängen von Funktionären und Fans.

"Ich bin kein Wunderheiler. Ich habe nur ein paar Sinne geschärft und das angesteuert, was auf der Festplatte der Spieler war", sagte der 47-jährige Schmidt und musste zugeben: "Meine Stimme ging so langsam dahin."

Es sagt vieles über den Charakter des ehemaligen Extrem-Skifahrers, dass er in der Stunde des persönlichen Triumphes an seinen vier Tage zuvor entlassenen Vorgänger Kasper Hjulmand erinnerte: "Er hat vieles richtig gemacht, sonst wäre dieser Sieg nicht möglich gewesen", lobte er den Dänen.

Trainer fördert Leidenschaft und Emotionen

Das Gleiche galt bei seinem Einstand aber auch für Schmidt. "Das ist Leidenschaft, das ist Emotion. Er liebt diese Stadt, diesen Verein und diese Menschen", betonte FSV-Präsident Harald Strutz: "Da stand heute nicht nur Mainz 05 drauf, da war auch Mainz 05 drin."

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Und Strutz wusste um die Bedeutung des erst zweiten Sieges in den vergangenen 14 Partien, durch den sich die Mainzer (25 Punkte) im Abstiegskampf etwas Luft verschafften (DATENCENTER: Tabelle).

Dabei hatte das Derby für die Gastgeber schlecht begonnen. Doch den Rückstand durch Stefan Aigner (35.) glich Christian Clemens (38.) noch vor der Pause aus (Die Highlights zum Nachhören bei SPORT1.fm).

Motivation in der Halbzeit

Und in der Halbzeit fand Motivator Schmidt, der in der Coaching-Zone sehr an Thomas Tuchel erinnert, offenbar die richtigen Worte. Denn mit einem Doppelschlag von Johannes Geis (47. ) und Yunus Malli (50.) brachten sich die Hausherren unmittelbar nach dem Wechsel auf die Siegerstraße (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER).

"Der Trainer hat viele Emotionen reingebracht", berichtete Clemens von einer "lauten Kabinenansprache", während Antreiber Julian Baumgartlinger betonte: "Wir haben das gemacht, was der Trainer gefordert hat: Kämpfen bis zum Umfallen."

Für Schmidt, der Leidenschaft und Balleroberung sehen wollte, war vor allen Dingen ein Wert ein Beleg für seine erfolgreiche Arbeit. "Wir hatten 260 Sprints in die Tiefe. Damit haben wir unsere bisherigen Werte pulversisiert", sagte der Schweizer zufrieden (SERVICE: Die Statistiken des Spiels).

Schmidt stapelt tief

Trotz der entfachten Euphorie beim selbsternannten Karnevalsverein blieb Schmidt aber auf dem Teppich. "Der Ligaverbleib", sei das einzige Ziel.

Und Schmidt ist Realist genug, um zu wissen, dass dabei mehr als seine Motivationskünste gefragt sein werden.

"Immer nur mit Leidenschaft geht nicht, man muss alles mit Inhalten füllen. Denn das Laute wird irgendwann überhört", sagte der Mainzer Trainer und entschwand zu einem weiteren Zusammentreffen mit seiner Familie: "Sie hat mir heute eine gewisse Gelassenheit gegeben. Ich war vor dem Anpfiff extrem ruhig."

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