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Ciro Immobile von Borussia Dortmund
Ciro Immobile von Borussia Dortmund (l.) ist noch amtierender Torschützenkönig der Serie A © Getty Images

Ausbleibende Essenseinladungen und ihre Folgen: Ciro Immobile sorgt mit einem Interview über seine Eingewöhnungsprobleme bei Borussia Dortmund für ungeahnte Irritationen.

Hätte einer seiner Teamkollegen Ciro Immobile einmal zum Essen einladen sollen?

Um diese an sich banale Frage ist bei Borussia Dortmund am Wochenende ein relativ großer Trubel ausgebrochen.

In einem Interview mit der SportWeek, dem Magazin der Gazzetta dello Sport über seine schwierige Eingewöhnung wurde der italienische Nationalstürmer mit Stilkritik an der Mannschaft und der deutschen Mentalität an sich zitiert: "Die Deutschen sind eher kühl. In den acht Monaten, die ich nun hier bin, hat mich kein Mitspieler zu sich nach Hause zum Essen eingeladen."

Der BVB reagierte am Samstag darauf - und stiftete weitere Verwirrung, die schließlich von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Immobile selbst ausgeräumt wurde.

Watzke meldet sich zu Wort

Den Ruhr Nachrichten teilte der Klub zunächst mit, dass das Interview in dieser Form nicht vom Klub autorisiert worden sei (was angesichts des Irritationspotenzials des Zitats nicht überraschend ist). Von starken und teils sinnentstellenden Kürzungen war später die Rede.

Am Mittag äußerte sich dann Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Seine Wortmeldung legte schon nahe, dass Immobiles Kritik im Kern wohl doch so gefallen ist - was Watzke allerdings nicht schlimm findet.

Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund
Hans-Joachim Watzke ist seit 2005 Geschäftsführer beim BVB © Getty Images

"Das ist kein Problem", hielt er in der Bild fest: "Ich habe mich mit Ciro unterhalten. Es scheint unterschiedliche Ansichten von Kulturen zu geben. Bei uns ist es üblich, dass die Mannschaft mal was gemeinsam essen geht. Aber es gibt keine Einladungen von Spielern. Das ist scheinbar in Italien anders. Die Sache ist aus der Welt."

Immobile erklärt sich

Immobile selbst griff dann auch noch einmal klärend ein.

Auf seiner Facebook-Seite merkte er an: "Die Übersetzung der deutschen Zeitungen heute morgen ist richtig, aber berücksichtigt nicht den 'informellen' und 'leichten' Ton des Interviews, in dem ich nie den Klub und die Partner kritisiert habe."

Er habe "einfach erzählt über die kulturellen Unterschiede, die in meinen ersten Monaten in Deutschland zu einigen Schwierigkeiten geführt haben".

Kritik auch an den Medien

Immobiles Irritation über die deutsche Essens- und Einladungskultur war nicht die einzige pikante Aussage in dem SportWeek-Interview.

Auch an den deutschen Medien übte Immobile Kritik: "Die Bild massakriert mich, vielleicht weil es eine Zeitung aus München ist, und lässt keine Gelegenheit aus, gegen Borussia zu schießen."

Hier scheint sich tatsächlich ein Missverständnis eingeschlichen zu haben - zumal die Zentralredaktion der Zeitung in Berlin und nicht in München sitzt.

Immobile stellte dann auch klar, er wolle sich "gerne entschuldigen bei Bild: Es war nur ein Witz (über eine andere Zeitung, eine bayerische). Ich habe großen Respekt für Journalisten, die sich richtig verhalten und die mir beurteilen für das was ich auf dem Feld mache."

Trotz allem: Immobile will sich durchbeißen

Zur sportlichen Kritik hatte Immobile in jedem Fall Anlass gegeben. Der als Ersatz für Robert Lewandowski verpflichtete Stürmer ist beim BVB nach wie vor nicht angekommen.

In 15 Bundesligaspielen erzielte er bislang drei Tore, in der Champions League bringt er es nach der Gruppenphase auf vier Treffer. Beim 3:2-Sieg in Stuttgart am Freitag saß er 90 Minuten auf der Bank.

Trotzdem ist sein SportWeek-Interview vor allem ein kämpferisches. "Ich habe mich für einen Weg entschieden und werde diesen weiterverfolgen. Ich würde diese Wahl wieder treffen", sagte er etwa. Auch für Trainer Jürgen Klopp gab es Lob: "Er redet viel mit mir, er ermutigt mich und leidet mit mir."

Bei Facebook schloss er die Angelegenheit dann mit einem Verweis auf die anstehende Partie gegen seinen Ex-Klub Juventus Turin am Dienstag ab: "Jetzt genug von diesem Quatsch, es gibt eine Champions League zu spielen!"

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