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Thomas Berthold über Robin Dutt
Für SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold (l.) ist Robin Dutt nicht unschuldig an der Stuttgarter Krise © SPORT1/getty

Thomas Berthold erklärt in seiner SPORT1-Kolumne, warum Klubs wie Mainz auf einen Trainer aus dem U-Bereich setzen und lobt Martin Schmidt. An die Zukunft von Stevens beim VfB glaubt er nicht mehr.

Hallo Fußball-Freunde,

Martin Schmidt hat am Wochenende ein erfolgreiches Debüt als neuer Coach des FSV Mainz 05 gefeiert.

3:1 im Derby gegen Eintracht Frankfurt mit derselben Mannschaft, die vorher nur einen Sieg in 13 Spielen geschafft hat: Man sieht, was der Impuls eines Trainerwechsels bewirken kann.

Mainz ist nach dem HSV, Werder Bremen und Hertha BSC das vierte Team in dieser Saison, das einen Trainer aus einer U-Mannschaft zum Chef befördert hat - ein Trend, der mehrere Gründe hat.

Zum einen sind da die Vorteile, die eine interne Lösung hat: Ein Trainer aus den eigenen Reihen ist kostengünstiger, er kennt die Strukturen im Klub schon, er braucht keine Eingewöhnungszeit - die einem ein Klub in der Krise ohnehin nicht gewähren kann.

Auch trauen sich inzwischen mehr Klubs, auf Trainer ohne große Namen zu setzen, nachdem inzwischen schon einige mit diesem Weg Erfolg hatten – gerade Mainz hat mit Thomas Tuchel ja beste Erfahrungen gemacht.

Ein anderer Grund ist aber auch der, dass viele etablierte Coaches nicht mehr mitten in der Saison bei einem Klub einsteigen wollen: Zu viel gibt es bei so einem Feuerwehreinsatz zu verlieren. Manch einem Verein bleibt da kaum eine andere Wahl, als auf die eigenen Leute zu setzen.

Eine Garantie, dass es klappt, kann einem natürlich niemand geben. Entscheidend ist, ob ein Trainer einen Plan hat, mit dem er einer Mannschaft langfristig weiterhelfen kann.

Viktor Skripnik hat den offensichtlich, man sieht bei Werder Bremen mittlerweile mehr als einen kurzfristigen Effekt, sondern eine echte spielerische Weiterentwicklung.

Beim HSV unter Joe Zinnbauer sehe ich die ehrlich gesagt bis heute nicht.

Auch wenn das 1:1 gegen Gladbach wieder ein Fortschritt nach der Klatsche gegen Bayern war: Eigentlich erwartet man von einem Trainer mehr.

Die einzigen zwei Teams, die diese Saison nicht auf interne Trainerlösungen gesetzt haben, waren Schalke mit Roberto Di Matteo und Stuttgart mit Huub Stevens - für den ich mittlerweile schwarz sehe.

Beim 2:3 gegen Dortmund war ich vor Ort und muss sagen: Der VfB hat das Fußballspielen mittlerweile praktisch eingestellt.

Ich glaube nicht mehr, dass Stevens diese Saison in seinem Job übersteht, ich glaube sogar, dass schon am kommenden Wochenende gehandelt werden muss, wenn es in Hannover wieder eine Niederlage setzt.

Ich weiß nicht, ob der VfB für den Fall X einen Plan hat. Es sollte in jedem Fall ein guter sein.

Bis zum nächsten Mal, Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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