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München - Nach dem Debakel von München entschuldigt sich HSV-Coach Joe Zinnbauer, Keeper Jaroslav Drobny flüchtet, während Boss Dietmar Beiersdorfer sich in seinen Ängsten bestätigt sieht.

Von Mathias Frohnapfel, Sebastian Sattler, Christian Ortlepp und Christoph Lother

Jaroslav Drobny flüchtete. Weg vom Ort des Grauens.

Dass ihn Bayerns Ersatzkeeper Pepe Reina nach Abpfiff trösten wollte, kam bei dem Tschechen kaum an. Drobny eilte sofort in die Kabine nach jenem desaströsen 0:8 beim FC Bayern.

Der Hamburger Torhüter verpasste so den Kreis seiner Teamkollegen auf dem Platz.

Joe Zinnbauer hatte seine Mannen in der Nähe der Hamburger Fans versammelt, er schrie nicht herum, er tobte nicht. "Es bringt nichts, jetzt draufzuschlagen", sagte der Hamburger Trainer stattdessen und zeigte sogar Verständnis für Schwänzer Drobny.

Keeper Drobny als Leidtragender

"Wer Drobny kennt, weiß, dass er schon nach einem 0:1 stinkig ist", berichtete Zinnbauer. "Ich habe ihn in der Kabine gesehen, er hat gesagt: 'Trainer, ich konnte nicht.'"

Nachher durchschritt Drobny wie die meisten seiner Kollegen stumm die Mixed Zone.

Was hätte der Keeper auch sagen sollen? Dass er bei mehr als einem Tor eine unglückliche Figur abgab, dass beim 0:4 Arjen Robben genau in die Torwartecke traf? Oder seine Mitspieler beschimpfen, die ihn zum großen Gelacktmeierten  des Hamburger Untergangs werden ließen?

Drobny verzichtete darauf.

Vor zwei Jahren beim 2:9 der Hamburger in München musste Rene Adler leiden, jetzt erwischte es seinen Nachfolger als Nummer 1.

Trainer bittet Fans um Verzeihung

Für den HSV war es die Wiederholung eines Albtraums, Titel: Die schlimmste Blamage aller Zeiten, Teil II.

"Ich muss mich bei den Fans entschuldigen, 6000 sind hierher gereist, haben die Strapazen auf sich genommen, um uns zu unterstützen", erklärte Zinnbauer. Die Stimme des Hamburger Trainers war bereits rauer, als er Mal um Mal die Gründe für das Debakel darlegte.

"Robben macht, was er will", meinte der HSV-Coach. "Jeder, der mal Fußball gespielt hat, weiß, wenn du immer wieder ein Tor kriegst, wird die Moral nicht besser." Und dann fügte er entwaffnend ehrlich hinzu: "Ich habe immer gehofft, dass es nicht zweistellig wird."

Zweistellig wurde es nicht. Doch das 0:8 fügte sich nahtlos ein in die verheerende Bilanz der Rothosen in der Münchner Arena. In den vergangenen fünf Liga-Spielen kassierten Marcell Jansen und Co. fünf Pleiten, bei einem abenteuerlichen Torverhältnis von 3:31.

Auf den Spott vorbereitet

Der 44-jährige Zinnbauer sprach von einem "der bittersten Tage in meinem Leben", ehe er die Profis auf die Häme der kommenden Tage einstellte: "Das muss die Mannschaft annehmen und akzeptieren."

Sportchef Peter Knäbel schämte sich auch am Sonntag Morgen noch für die Leistung der Mannschaft: "Der Blick auf die Anzeigetafel, wenn dort eine Acht steht, ist schon peinlich genug."

Dabei war der HSV vor dem 100. Nord-Süd-Schlager vermeintlich im Aufwärtstrend, hatte Paderborn und Hannover geschlagen.

Doch der zarte Aufschwung ist kaputt. Zertreten von extrem hungrigen Bayern. Aber auch zerschlagen von eigenen Patzern und lähmender Passivität - spätestens nach dem vierten Gegentor.

"Da fehlt es an Führung, da fehlt es auch an Charakter in der Truppe", rügte Lars Pegelow anschließend im Gespräch mit SPORT1. Der NDR-Reporter begleitet den Klub schon seit 1997 und war wie viele andere HSV-Experten schlicht entsetzt.

"Beschämende Niederlage"

Auch an Dietmar Beiersdorfer liegt es jetzt nach der "beschämenden Niederlage" bis zum Spiel gegen Borussia Mönchengladbach die Mannschaft wieder aufzurichten.

Für den Hamburger Vorstandschef diente das Desaster zudem als Beleg seiner jüngsten Beobachtungen. "Wir haben gesagt, dass noch alles fragil ist, das hat man heute gesehen."

Beiersdorfer gab sich aber als fairer Verlierer, applaudierte sogar dem überragenden Robben bei dessen Auswechslung. "Die Ehre muss man ihm erweisen. Robben war allein das Eintrittsgeld wert."

Beifall vom eigenen Chef für den Gegner, auch das kann eine Mannschaft wachrütteln.

Resignation pur

Am Samstagabend war bei den einzigen beiden HSV-Spielern, die sich in der Mixed Zone stellten, dagegen nur Resignation zu spüren.

Marcell Jansen knabberte an einen Keks, als er in seinem 30-sekündigen Statement einen "Riesenunterschied" zwischen Bayern und Hamburg ausmachte. 

Und Ivica Olic, der frühzeitig wegen einer Blessur ausgewechselt wurde, meinte nur: "Wir müssen das Ganze abhaken." Das dürfte allerdings dauern.

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