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Hoffmanns Erzählungen Marco Reus Watzke
Er musste sich diesen Sieg auf dem Transfermarkt des Fußballs offensichtlich noch versüßen mit einem Sieg auf dem Transfermarkt der Sprache © twitter.com/woodyinho, SPORT1

Hans-Joachim Watzke feiert die Vertragsverlängerung mit Marco Reus und nennt ihn einen "echten Hotspot". Das scheinbare Quatschwort bringt in dieser Angelegenheit mehr auf den Punkt, als man denkt.

Man kann natürlich auf die Idee kommen, dass Hans-Joachim Watzke mit diesem Satz Karl-Heinz Rummenigge noch den Rest geben wollte.

Nicht genug damit, dass es ihm diese Woche gelungen war, den Rivalen aus München im Kampf um Marco Reus auszustechen.

Er musste sich diesen Sieg auf dem Transfermarkt des Fußballs offensichtlich auch noch versüßen mit einem Sieg auf dem Transfermarkt der Sprache.

"Marco ist einfach ein Hotspot", hielt der Geschäftsführer von Borussia Dortmund fest - und nahm Rummenigge damit auch noch das Privileg, einen großen Vertragsabschluss mit einem großen, selbst erfundenen Business-Englisch-Quatschwort zu verkünden.

So nahe dieser Gedanke liegen mag: Er ist doch nicht ganz richtig.

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Besiegt auf dem Transfermarkt des Fußballs und der Sprache: Karl-Heinz Rummenigge © Getty Images

Das Wort "Hotspot" ist schließlich keine Schöpfung Watzkes, es steht bereits seit 2004 im deutschen Duden - auf einem gleichberechtigten Platz zwischen "Hotpants" (von Frauen getragene kurze, eng anliegende, im Zuschnitt Shorts ähnliche Hose) und "hott" (Zuruf an ein Zugtier: vorwärts! - Verwendungsbeispiele: hott und har!; hott und hüst!; hott und hü!).

Für die, die es genau wissen wollen – also alle: Ein Hotspot ist in der Biologie eine einzelne Stelle oder Bereich eines Gens, an dem besonders häufig Mutationen auftreten, in der Geologie eine hypothetisch begrenzte Schmelzregion im Erdmantel unterhalb der Lithosphäre und im EDV-Bereich ein grafisch oder farblich hervorgehobener Punkt oder Text auf einer Bildschirmseite, der einen Link markiert.

Und ganz allgemein entweder ein realer Ort, an dem es einen öffentlichen drahtlosen Internetzugang gibt. Oder ein metaphorischer, der ein hohes Konfliktpotenzial in sich birgt, von großer Brisanz ist.

Für einen Freund der Sprache ist es schön zu sehen, auf welch vielfältige Weise die verschiedenen Definitionen des Hotspots den Fall Marco Reus umspielen - und mit ihm auch den modernen Fußball an sich.

Der ist bekanntlich ein veritabler Hotspot, der große Brisanz und hohes Konfliktpotenzial in sich birgt (woran die vielen drahtlosen Internetzugänge nicht ganz unschuldig sind).

Oft drehen sich besagte Konflikte um die biologische Frage, warum modernen Fußballern eine besonders häufige Mutation ihres Arbeitplatzes in ihren Genen zu liegen scheinen.

Der Streit darum, ob bei Marco Reus das Auftreten des besagten Phänomens ebenfalls zu erwarten war, ist mit besonders großem Eifer geführt worden: Es ging hott, es ging hü, es ging hüst, es ging har - und dabei ähnlich hitzig zu wie im Erdmantel unterhalb der Lithosphäre.

Vor diesem Hintergrund war es dann etwas überraschend, dass die Schmelzregion der Debatte eine hypothetische blieb: Der Hotspot Marco Reus entschied sich gegen alle Mutation.

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Es ging hott, es ging hü, es ging hüst, es ging har © Getty Images

Ein schöner Ausgang der Geschichte, nicht nur aus der subjektiven Dortmunder Sicht, aus der sich ein Verlust Marco Reus' gewiss angefühlt hätte, als hätte ihnen der Räuber Hotzenplotz den Hotspot gemopst.

Es ist auch schön für all die, die nicht mehr geglaubt hatten, dass Beständigkeit noch eine Chance hat in diesem unsteten, überhitzten Ort namens Welt.

Mag sein, dass es übertrieben ist, dass Watzke da direkt den Vergleich mit Uwe Seeler zieht - es sei ihm dennoch erlaubt. Allein schon deshalb, weil er mit ihm auch den Beständigsten aller beständigen Fußballer etwas ehrt.

Wer hätte gedacht, dass Uwe Seeler auf seine alten Tage noch einmal mit einem Hotspot verglichen wird?

Folgen Sie dem grafisch und farblich hervorgehobenen Text auf der Bildschirmseite und damit @ErzaehlerMartin auf Twitter.

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