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Robin Dutt (2.v.l.) hält Huub Stevens für den richtigen Trainer beim VfB Stuttgart
Huub Stevens rettete den VfB Stuttgart vergangene Saison vor dem Abstieg © Getty Images

Sinsheim - Trainer Huub Stevens gibt sich wieder als Knurrer aus Kerkrade. Er flüchtet sich nach der Stuttgarter Pleite gegen Hoffenheim in Sarkasmus und fragt einen Journalisten um Rat.

Der Schock in letzter Sekunde saß so tief, dass Huub Stevens in längst überwunden geglaubte Verhaltensmuster zurückfiel.

Nach dem bitteren 1:2 (1:1) im baden-württembergischen Derby bei 1899 Hoffenheim blaffte der Trainer des VfB Stuttgart so ziemlich jeden an, der ihm über den Weg lief.

Das späte Hoffenheimer Siegtor durch den früheren Stuttgarter Sebastian Rudy (90.+3) und die brenzlige Lage des Schlusslichts machten aus Stevens mal wieder den "Knurrer aus Kerkrade" (Datencenter: Tabelle).

Stevens flüchtet sich in Ironie und Sarkasmus

Jeder Fragesteller wurde mit Sarkasmus, Ironie, Gegenfragen und der offensichtlichen Unlust des Niederländers konfrontiert.

Für den VfB, dem exakt 40 Jahre nach dem bisher einzigen Abstieg aus der Bundesliga erneut dieses Schicksal droht, bleibt nur zu hoffen, dass sich Stevens im Umgang mit seinen Schützlingen nicht ähnlich unprofessionell verhält - oder dass er mit seinem Auftritt nach dem 21. Spieltag den Fokus auf sich anstatt auf die Profis lenken wollte (Die Highlights zum Nachhören auf SPORT1.fm).

"Die mentale Aufarbeitung wird unheimlich wichtig, das wissen wir", sagte Stevens nach der ersten Auswärtspleite unter seiner Regie.

Trainer bittet um Rat

Seinen nahezu einzigen vernünftigen Satz konnte der Coach, dessen Mannschaft seit fünf Partien auf einen Sieg wartet, aber natürlich so nicht stehen lassen: "Haben Sie vielleicht einen Rat für mich?"

Rat haben vor allem die Stuttgarter Profis mehr als nötig, sie haben erst 18 Punkte geholt. Noch weit nach Schlusspfiff standen die Spieler vollkommen konsterniert auf dem Rasen, den Weg zu den wütenden Anhängern brach das Team 30 Meter vor dem Block ab.

Obwohl sich Christian Gentner im Gegensatz zu seinem Trainer immerhin um sinnvolle Aussagen bemühte, hatte der Kapitän nur Durchhalteparolen zu bieten.

Gentner appelliert an Team

"Wir müssen zeigen, dass wir aufstehen können", sagte Gentner bereits mit Blick auf das kommende Spiel am Freitag gegen Borussia Dortmund (Datencenter: Ergebnisse und Spielplan), für das er selbst aufgrund seiner fünften Gelben Karte gesperrt ist: "Wir müssen noch einige Male aufstehen in der Rückrunde."

Mit welchen konkreten Maßnahmen die Stuttgarter den Abstieg verhindern wollen, ließ Gentner offen. Mehr als Phrasen brachte selbst der Routinier, dessen Team in der Offensive an Harmlosigkeit kaum zu überbieten ist (21 Tore sind Liga-Minusrekord), nach dem "brutalen" Ausgang der Partie nicht zustande.

"Wir werden den Glauben nicht verlieren", sagte er: "Wir werden uns wehren und wir werden Punkte einfahren."

Die Chancen auf einen Zähler standen vor 29.309 Zuschauern in der Rhein-Neckar-Arena eigentlich nicht schlecht.

Rudy sorgt für Genickschlag

Schließlich waren die Hoffenheimer nach drei Pleiten in Folge merklich verunsichert. Der Brasilianer Roberto Firmino (30.) hatte die TSG zwar in Führung gebracht, der Japaner Gotoku Sakai sorgte mit seinem ersten Bundesligator aber für den zwischenzeitlichen Ausgleich (39.).

Dieses Remis verteidigten die Stuttgarter mit Zähnen und Klauen, bis Timo Baumgartl den Ball verlor und Rudy nach Vorarbeit von Kevin Volland einschob.

Allzu hart wollte Stevens mit seinen Schützlingen wegen der Konzentrationsschwäche am Ende aber nicht ins Gericht gehen - das ging jedenfalls aus seinem längsten Satz hervor: "Die Jungs haben eine super Einstellung an den Tag gelegt, ich kann ihnen keinen Vorwurf machen."

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