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Jörg Schmadtke ist Geschäftsführer des 1. FC Köln
Jörg Schmadtke kritisiert die Krawalle scharf © Getty Images

Der Manager des 1. FC Köln rechnet nach dem Platzsturm im Rheinderby mit dem Schlimmsten. Laut Schmadtke könnten bald existenzbedrohende Strafen auf seinen Klub zukommen.

Manager Jörg Schmadtke vom 1. FC Köln fürchtet nach den Ausschreitungen im Derby bei Borussia Mönchengladbach (0:1) schlimme Folgen für den gesamten Verein.

"Jedem muss klar sein: Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern kurz vor zwölf oder sogar zwölf Uhr. Es darf nicht mehr viel passieren, sonst wird es existenzbedrohend", sagte der Manager des Bundesligisten der Neuen Presse aus Hannover.

Schmadtke fürchtet zunächst einmal eine heftige Strafe durch den Deutschen Fußball-Bund.

"Sie wird massiv werden. Wir hatten ja schon eine Strafe von zwei Spielen ohne Südkurve, die auf Bewährung ausgesetzt war. Da kann sich jeder ausmalen, wie die nächste Stufe aussehen könnte", erklärte er und sagte auf einer Pressekonferenz am Donnerstag, der DFB plane offenbar "eine Verurteilung für alle Vergehen".

Nun komme ein "Spektrum an Strafen" infrage, erklärte der Manager und nannte selbst "Teilausschlüsse, Geisterspiele und weitere Stufen". Ein Urteil erwarte er erst Mitte, Ende März.

Derweil verteidigte Schmadtke den Ausschluss des Fanklubs "Boyz". Man brauche "andere Maßnahmen als den Dialog", erklärte Schmadtke. Man müsse eine "Entsolidarisierung" hinbekommen: "Auch wenn wir auf rechtlich dünnem Eis stehen, werden wir die Dinge durchstehen." Es habe bisher "relativ viel Zuspruch von Fans und Sponsoren" für diesen Kurs gegeben.

Dazu sieht FC-Anwalt Christoph Schickhardt, der künftig sogar die Absage von Risikospielen wegen personeller Überforderung der Polizei für möglich hält, auch keine Alternative.

"Alle anderen werden sich eine Wiederholung solcher Vorgänge nicht gefallen lassen - das ist die Polizei, der Verein, die Sponsoren, der DFB, die DFL. Jetzt müssen die anderen Fans zeigen: 'Das lassen wir uns nicht bieten', denn diese Fans haben viel mehr Macht als die Polizei, der Verein, in dem diese Fans ausgeschlossen werden", sagte der Jurist am Donnerstag bei Sky.

Grundsätzlich will Schmadtke den Dialog mit den Ultras aufrecht erhalten. Auch sei kein weiterer Ausschluss einer Gruppierung geplant, wohl aber "Bestrafungen von Einzelnen".

Zudem bemängelte der 50-jährige mangelnde Unterstützung durch die Ordnungshüter.

"Wir sind auf die Polizei angewiesen", sagte er und stufte es mit Blick auf den Platzsturm im Derby als "enttäuschend" ein, "dass da nur zwei Leute verhaftet wurden". Etwa 30 Chaoten hatten nach dem Schlusspfiff in Mönchengladbach den Platz gestürmt.

Was nun im Verein passiere, sei "der Beginn eines Prozesses. Wir werden uns auch über die Auswärtsspiele insgesamt Gedanken machen müssen", erklärte Schmadtke: "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht alle verlieren. Es gibt auch Gemäßigte."

Die Geschehnisse beeinflussen auch die Mannschaft vor dem Spiel gegen Hannover 96 am Samstag.

"Der Geschichte kann sich niemand entziehen", sagte Trainer Peter Stöger: "Aber unser Job ist es, uns auf das wichtige Spiel zu fokussieren." In diesem könne es sein, dass der bisher gesetzte Stürmer Anthony Ujah auf der Ersatzbank sitzt.

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