München - Marco Reus könnte Borussia Dortmund mit seiner Vertragsverlängerung in schweren Zeiten einen Schub geben. Der Deal birgt aber auch erhebliche Gefahren.

Herzlichen Glückwunsch, Borussia Dortmund!

Wenn der Tabellen-16. der Bundesliga es schafft, einen international begehrten Star wie Marco Reus trotz bestehender Ausstiegsklausel von der Vertragsverlängerung zu überzeugen, gebührt dem höchster Respekt.

(Mehr zur Vertragsverlängerung von Marco Reus ab 18.30 Uhr bei Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1)

Reus' Bekenntnis zu Verein und Heimatstadt ist in der tiefen sportlichen Krise des BVB ein starkes Zeichen an die Fans und die Mitspieler.

SPORT1-Redakteur Matthias Becker kommentiert die Vertragsverlängerung vpn Marco Reus
© Getty Images

Für Reus selbst ist das Risiko minimal, auch wenn der Vertrag für die Zweite Liga gilt. Das Interesse der internationalen Top-Klubs am herausragenden Spieler der vergangenen Bundesliga-Saison hatte zuletzt aus verschiedenen Gründen abgenommen. Wiederholte Verletzungen, dazu die unselige Führerschein-Affäre - manch einen Bieter könnte das abgeschreckt haben.

Die Gleichung für Reus ist einfach: Entweder er braucht noch eine Weile, um zu alter Stärke zurück zu finden, dann ist seine Heimatstadt Dortmund das perfekte Umfeld. Oder er spielt sich schnell wieder in den Fokus, dann wird das Interesse von Klubs wie seinem Traumverein FC Barcelona wieder aufflammen.

Ob Reus wirklich eine Ära wie Uwe Seeler beim HSV oder Steven Gerrard beim FC Liverpool prägen wird, wie sich BVB-Boss Hans-Joachim Watzke das wünscht, sei einmal dahingestellt. Zumindest würde er seinem Klub bei einem späteren Wechsel aber eine marktgerechte Ablösesumme einbringen, die sicher deutlich über den bisher veranschlagten 25 Millionen Euro liegt.

Borussia Dortmund geht mit diesem Coup dennoch ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko ein. Der BVB hat aus den schmerzlichen Abgängen von Mario Götze und Robert Lewandowski gelernt. Um absolute Top-Spieler zu halten, müssen auch absolute Top-Gehälter gezahlt werden. Sollte Reus wirklich die kolportierten 10 Millionen Euro pro Jahr einstreichen, wäre er in Sphären angekommen, in denen sich in Deutschland sonst nur die Top-Stars des FC Bayern bewegen.

Rechnet man den Verzicht auf die festgeschriebene Ablöse und das Gehalt für die nächsten vier Jahre zusammen, ist man bei der stolzen Summe von 65 Millionen Euro, die sich die Dortmunder diesen Deal kosten lassen.

Das könnte das Klima innerhalb der Mannschaft beeinflussen. Ebenfalls begehrte Schlüsselspieler wie Kapitän Mats Hummels dürften eine deutliche Anhebung ihres Gehalts fordern. Zusammen mit den aller Voraussicht nach ausbleibenden Millionen aus dem internationalen Geschäft ein schweriger Balanceakt für die Vereinsführung.

Trotzdem bleibt dieser 10. Februar 2015 aber ein sehr guter Tag für Borussia Dortmund und für alle Fans, die ohnehin glauben, dass Reus' Entscheidung nur eine Ursache hat:

Echte Liebe.

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