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Trainer Pep Guardiola vom FC Bayern München kratzt sich am Kopf
Pep Guardiola holte mit dem FC Bayern seit der Winterpause nur einen von sechs möglichen Punkten © getty

München - In Bayern-Trainer Pep Guardiola brodelt es beim Remis gegen Schalke. Die Ausbrüche spiegeln seine Unzufriedenheit - ebenso wie die vielen Wechsel. Danach ist er plötzlich handzahm.

Auf dem Weg in die Players Lounge war Pep Guardiola wieder entspannt, lächelte, schüttelte Hände, ehe es zum gemeinsamen Essen mit den Spielern ging.

Guardiola als gutgelaunter Gentleman - welch ein Unterschied zu den 90 Minuten zuvor beim 1:1 gegen Schalke 04!

Der Trainer des FC Bayern gebärdete sich da wie ein Löwe im Käfig. Nur dass ihn die eigentliche Begrenzung für sein Tun, die Coaching Zone, nicht aufhielt. Immer wieder spurtete er aus der rechteckigen Umgrenzung (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER).

Pep Guardiola diskutiert an der Eckfahne mit dem Schiedsrichterassistenten
Pep Guardiola diskutiert an der Eckfahne mit dem Schiedsrichterassistenten © getty

Als der vermeintliche Führungstreffer wegen Ball im Aus nicht gegeben wurde, raste der Katalane zur Eckfahne und zum Schiedsrichter-Assistenten. Adrenalin pur. Mit der Mimik eines Jürgen Klopps wäre Guardiola wohl auf direktem Weg auf die Tribüne verwiesen worden.

Umarmung für den Vierten Offiziellen

Und in dem Vulkan brodelte es weiter: Als eine Minute später Arjen Robben die Münchner in Führung köpfte, umarmte Guardiola im Überschwang den Vierten Offiziellen Robert Kempter.

"Wir sind Freunde", scherzte der Katalane später bei Sky und fügte lächelnd hinzu: "Ich hätte gerne auch so gejubelt mit der Kollegin in Gladbach." Bibiana Steinhaus hieß da die vierte Offizielle, die dem 44-Jährigen nachhaltig in Erinnerung geblieben ist.

Ausbrüche bleiben ohne Folge

Schiedsrichter Bastian Dankert ließ Guardiolas Treiben ungestraft. Ein Glück für die Münchner nach diesen Ausbrüchen.

Sie zeigten, wie sehr es in dem Starcoach nach dem 1:4 gegen Wolfsburg gearbeitet hatte. Wie unzufrieden und angespannt er war. Der Spanier hat das Zweifeln ja quasi zur Perfektion gebracht, jede Entscheidung wendet er so lange hin und her, bis am Ende ziemlich oft die richtige steht.

Drei Spieler wechselte er für das Schalke-Spiel aus: Dante, Sebastian Rode und Robert Lewandowski mussten raus, Medhi Benatia, Mitchell Weiser und Mario Götze kamen von Anfang an (DATENCENTER: Ergebnisse und Spielplan).

Jungspund Weiser durfte auf dem Feld bleiben, als Dante nach der Roten Karte für Jerome Boateng ins Spiel beordert wurde. Weltmeister Mario Götze musste dagegen vorzeitig vom Platz. Eine durchaus gewagte Entscheidung.

Am Ende stand trotz 73 Minuten in Unterzahl immerhin ein Punkt - doch der kostete Guardiola viele Nerven. "Ich bin sehr, sehr, sehr zufrieden", beteuerte er nach Abpfiff.

"Viel besser" als in Wolfsburg

"Wir haben das Spiel sehr gut kontrolliert und hatten genug Torchancen. Unsere Leistung war viel besser als in Wolfsburg."

Doch von der bayerischen Souveränität der Vorrunde war auch gegen Schalke nichts zu spüren. Stattdessen dezimierten sich die Münchner durch Jerome Boatengs Notbremse selbst und hatten Glück, dass Eric Maxim Choupo-Moting den folgenden Elfmeter kläglich vergab.

Dank Wolfsburgs 1:1 in Frankfurt liegen die Roten weiterhin beruhigende acht Punkte vor dem Tabellenzweiten (DATENCENTER: Tabelle).

Dabei pochte manchem Bayern-Profi wie Arjen Robben nach dem Ausgleich durch Benedikt Höwedes die Zornesader.

"Wir spielen hinten Mann gegen Mann, da musst du dein Leben reinlegen", schimpfte der Niederländer. Die Kopfballstärke des Schalker Kapitäns sei schließlich bekannt.

Müller sieht Fortschritt

Thomas Müller nahm das Remis etwas gelassener zur Kenntnis.

"Es ist schade, dass es nur für einen Punkt reicht", sagte er im Gespräch mit SPORT1: "So wie das Spiel und der Spieltag gelaufen ist, können wir aber weitermachen. Wir müssen uns keine Gedanken machen, dass etwas grundlegend falsch läuft."

Das Team hat sich nach dem Wolfsburg-Debakel zwar gesteigert, ein Zähler aus zwei Spielen entspricht jedoch auch nicht Bayerns Ansprüchen. Guardiolaweiß das, und zeigte es am Spielfeldrand auch sehr deutlich.

Die Partie am Samstag in Stuttgart (ab 15 Uhr LIVE im Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) wird er mit Sicherheit genauso emotional begleiten.

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