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VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund in der Bundesliga
Die Stuttgarter Spieler stellen sich den eigenen Fans nach der Pleite gegen Dortmund © Getty Images

Stuttgart - Der VfB Stuttgart verliert gegen Dortmund und im Abstiegskampf weiter an Boden. Pechvogel Timo Baumgartl äußert bei SPORT1 Verständnis für den Zorn der Fans. Der richtet sich gegen die schwachen Angreifer.

Timo Baumgartl kennt sich im Fanblock des VfB Stuttgart aus.

Als Zwölfjähriger sah er sein erstes Heimspiel und kam danach regelmäßig ins Stadion. Es war die glorreiche Zeit, in der der VfB zu den Topteams der Bundesliga gehörte und Dauergast war in der Champions League.

Der 18-Jährige kann deshalb nachempfinden, wie sehr die Fans unter dem aktuellen Niedergang leiden müssen. Also führte Baumgartls Weg am späten Freitagabend schnurstracks in die Cannstatter Kurve.

Die Stuttgarter hatten soeben eine 2:3 (1:2)-Niederlage gegen Borussia Dortmund kassiert (Die Highlights zum Nachören bei SPORT1.fm). Dadurch verlieren sie im Abstiegskampf weiter an Boden. Derbys gegen den 1. FC Heidenheim oder den VfR Aalen werden immer wahrscheinlicher (DATENCENTER: Tabelle).

Bei der vierten Pleite in der fünften Rückrundenpartie spielte Baumgartl eine tragische Rolle. Es lief die 89. Minute, als er den Ball bei der Annahme verstolperte.

Marco Reus nutzte diese Slapstick-Einlage, lief alleine auf das Stuttgarter Tor zu und schob ein. Es war die Entscheidung - Georg Niedermeiers Anschlusstor in der Nachspielzeit kam zu spät (Ex-VfB-Trainer Armin Veh analysiert die Lage bei den Stuttgartern am Sonntag im Volkswagen Doppelpass ab 11 Uhr im TV auf SPORT1).

Die VfB-Fans waren bedient. "Ich kann sie verstehen. Sie zahlen einen Haufen Geld für die Karte und dann kommt wieder so ein Ergebnis raus", sagte Baumgartl im Gespräch mit SPORT1.

Fans trösten Baumgartl

Der Innenverteidiger erhielt beim Kurvendialog immerhin noch Trost für seinen Patzer. Ein Fan drückte Baumgartl und klopfte ihm auf den Rücken. Die Zuschauer wissen auch, dass ein A-Jugendlicher in dieser Situation nicht als Sündenbock herhalten darf. Zumal die Probleme woanders liegen (SPORT1-Noten: Sechs Mal die 5 für den VfB).

"In Stuttgart ist offensive Qualität überhaupt nicht vorhanden", sagte der ehemalige VfB-Profi Silvio Meißner nach dem Spiel im Sportradio SPORT1.fm.

Stuttgarts Flügelspiel lahmgelegt

Trainer Huub Stevens versucht es mit Experimenten, die regelmäßig scheitern. Gegen Dortmund setzte er auf die Flügelzange Florian Klein und Adam Hlousek - also auf zwei Defensivspezialisten.

Mit diesem Duo auf den Außenbahnen konnte der VfB keinen Druck erzeugen. Klein erzielte per Foulelfmeter zwar Stuttgarts erstes Heimtor seit dem 18. Oktober (29.), ansonsten blieb auch er vieles schuldig (SERVICE: Die Statistiken des Spiels).

Anderen Spielern scheint Stevens den Abstiegskampf gar nicht zuzutrauen: Alexandru Maxim blieb mal wieder 90 Minuten draußen, Filip Kostic kam nur zu einem Kurzeinsatz.

Der Serbe gilt längst als Symbol für die verfehlte Personalpolitik bei den Stuttgartern. Sportdirektor Fredi Bobic hatte für Kostic im Sommer sechs Millionen Euro gezahlt.

Mit ihm sollte es wieder Richtung Europa gehen. Der Sportdirektor ist längst weg und sein Wunschspieler Kostic für den Abstiegskampf offenbar nicht geeignet.

Dutt lobt Debütant Die

Bobics Nachfolger Robin Dutt verpflichtete in der Winterpause nur einen Spieler: Serey Die stand gegen Dortmund erstmals in der Startelf. "Bei ihm hat man schon gesehen, dass er absolute Führungsqualitäten hat", sagte Dutt über den Ivorer bei SPORT1.

Allerdings dürfte  der 50-Jährige auch gesehen haben, dass Die mehr ein Balleroberer und weniger ein Regisseur ist. Er ist erst recht keiner, der das Abschlussproblem in den Griff bekommen kann.

Die Stuttgarter warten nun seit dem 28. November auf ein Stürmertor. Martin Harnik und der spät eingewechselte Vedad Ibisevic müssen sich für ihre Leistungen Pfiffe gefallen lassen. Der Bosnier ist für Meißner auch "nur noch ein Schatten seiner selbst".

Schwacher Trost für Werner

Das gilt auch für Timo Werner. Immerhin stellte der Angreifer gegen Dortmund einen neuen Rekord auf: Bei seinem 50. Bundesliga-Einsatz war Werner 18 Jahre und 351 Tage jung.

Bislang hatte Schalkes Julian Draxler mit 19 Jahren und 5 Tagen die Bestmarke gehalten.

Wenn Werner und seine Mitspieler so weitermachen, werden nach der Sommerpause zunächst keine weiteren Einsätze dazukommen. Zumindest nicht im VfB-Trikot.

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