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FBL-GER-BUNDESLIGA-SCHALKE-LEVERKUSEN
Tranquillo Barnetta (l.) gegen Leverkusens Heung-Min Son © Getty Images

Gelsenkirchen - Schalke und Leverkusen bekämpfen sich erbittert, schließlich geht es im direkten Duell um die Champions League. Am Ende sind die Gäste im entscheidenden Moment vor dem Tor cleverer.

Rudi Völler gestattete den tiefen Blick ins Leverkusener Leid. "Vor vier Tagen sind alle noch in der Kabine gesessen, nicht nur enttäuscht, es sind auch Tränen geflossen", sagte Leverkusens Sportdirektor bei Sky.

Das Elfmeter-Desaster von Madrid schleppte Bayer mit nach Gelsenkirchen. 90 harte Minuten später der Gegensatz: 1:0 (1:0) beim FC Schalke gewonnen, der Champions League in der nächsten Saison ein großes Stück nähergekommen.

"Ich würde vieles darauf setzen, dass wir am Ende unter den ersten drei stehen", sagte gar Torhüter Bernd Leno. "Wir hätten heute drei Tore machen und klar gewinnen müssen."

Bayer schindet sich

Leverkusen bewies, wie sehr sich die Mannschaft schinden kann für das große Ziel und hat jetzt 45 Punkte. Einen mehr als Borussia Mönchengladbach (44), das am Sonntag bei Bayern München antritt.

Das Siegtor für Bayer erzielte Nationalspieler Karim Bellarabi vor 61.973 Zuschauern mit seinem elften Saisontreffer (35.). "Es war kein Zufall, dass er das entscheidende Tor geschossen hat. Er hat heute fantastisch gespielt", sagte Bayers Trainer Roger Schmidt

"Das Spiel war sicher kein Leckerbissen", stellte Völler fest. Beide Mannschaften gingen mit voller Kraft in die vielen Duelle im Mittelfeld. Diesem Abnutzungskampf fiel unter anderem Schalkes Leroy Sane zum Opfer und musste zur Pause vom Platz.

Boateng kommt für Sane

"Es war richtig, dass wir mit ihm angefangen haben. Aber wie die ganze Mannschaft hat auch er darunter gelitten, dass wir nicht richtig ins Spiel gekommen sind", sagte Schalkes Trainer Roberto Di Matteo. Kevin-Prince Boateng, zunächst wieder einmal auf der Bank, kam für ihn in die Partie.

Für die Schalker (39), die bei Titelverteidiger Real Madrid eine Woche zuvor ebenfalls denkbar knapp gescheitert waren, ist eine erneute Champions-League-Teilnahme erst einmal in weite Ferne gerückt.

Di Matteo schenkte neben Sane wieder den 19-jährigen Timon Wellenreuther und Max Meyer das Vertrauen. Zudem ersetzte Kaan Ayhan (20) den gesperrten Kapitän Benedikt Höwedes.

Calhanoglu und Toprak auf der Bank

Bayer-Trainer Roger Schmidt verbannte in Hakan Calhanoglu und Ömer Toprak zwei der drei Elfmeter-Verschießer von Madrid für eine Halbzeit auf die Bank. Der dritte Fehlschütze Stefan Kießling rückte dagegen für den zuletzt schwachen Josip Drmic in die Startelf.

Toprak wurde von der Schalker Leihgabe Kyriakos Papadopoulos ersetzt, die von den S04-Fans mit euphorischem Beifall begrüßt wurde, aber zur Pause rotgefährdet wieder raus musste.

Schalke hätte nach elf Minuten bereits in Führung gehen müssen, doch nach einigen Querschlägern im Bayer-Strafraum drosch Klaas-Jan Huntelaar den Ball aus fünf Metern in die Wolken.

"Es wäre gut gewesen, wenn wir so hätten ins Spiel starten können. Es schien, als wären wir mit dem Ball ein bisschen nervös", kommentierte Di Matteo. Auf der Gegenseite parierte Wellenreuther einen Schuss des als hängende Spitze agierenden Bellarabi (17.) und einen Kopfball von Kießling (34.).

Bayer bekam das Spiel immer besser in den Griff und ging folgerichtig in Führung: Ein Steilpass von Simon Rolfes hebelte Schalkes Abwehr auseinander und Bellarabi traf aus spitzem Winkel unter die Latte, Wellenreuther gab dabei erneut keine gute Figur ab.

Fuchs und Boateng vergeben

Der eingewechselte Boateng brachte ein wenig Schwung, dennoch hatten die Gastgeber weiterhin nur sporadisch Chancen: so bei einer Direktabnahme von Christian Fuchs (50.) und einem Kopfball von Boateng (65.).

Dazwischen reklamierten die Schalker noch auf Rückpass, als Leno in der 54. Minute einen Ball von Toprak mit der Hand aufnahm. "Er hat den Ball gestoppt, wollte ihn wegschießen - keine Ahnung, ob das eine Rückgabe ist", ging Völler verbal in die Defensive.

In der 78. Minute wurde bei den Schalkern nach 344 Tagen Verletzungspause der Peruaner Jefferson Farfan eingewechselt und von den Fans stürmisch bejubelt.

Acht Minuten vor dem Ende noch eine hitzige Szene: Boateng schoss Leverkusens Roberto Hilbert im Strafraum an die Hand, Schiedsrichter Gagelmann ließ weiterlaufen. "Die Hand ist klar draußen, er macht den Körper dadurch größer. Den kann man ruhig geben", fand Di Matteo.

Völler gab zu: "Es war keine Absicht. Aber ich bin mir sicher, dass es in solchen Situationen schon Elfmeter gab in dieser Saison."

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