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München - Acht Spieltage vor Schluss zittert die halbe Liga. SPORT1 unterzieht Freiburg, den HSV, Paderborn und Stuttgart dem Abstiegscheck und wagt eine Prognose.

Die halbe Liga zittert vor dem Abstieg. 

Acht Spieltage vor Schluss trennen den Tabellenelften FSV Mainz 05 ganze fünf Pünktchen von Relegationsplatz 16. Gleichzeitig hat Schlusslicht VfB Stuttgart nur zwei Zähler Rückstand auf das rettende Ufer.

Wer behält im Abstiegskampf die Nerven, wer rettet sich, wer muss runter? 

SPORT1 macht mit den Experten Thomas Helmer und Stefan Schnoor den Abstiegscheck. Im zweiten Teil richtet sich der Fokus auf Freiburg, den Hamburger SV, den SC Paderborn und den VfB Stuttgart. (Hier geht es zu Teil 1 des SPORT1-Abstiegschecks)

Platz 15 - 25 Punkte - 26:36 Tore

SC Freiburg

Formkurve: Nach nur einem Sieg aus den letzten sieben Spielen und drei Niederlagen am Stück gewinnt Freiburg gegen Augsburg wieder (2:0) und stoppt den Negativtrend.

Erstmals seit dem 19. Spieltag klettern die Breisgauer wieder auf einen Nicht-Abstiegsplatz.

Trainer: Christian Streich hat beim Sportclub absolute Ruhe, zudem ist die Situation nichts Neues für die Breisgauer.

"Der SC Freiburg weiß von Saisonbeginn an, dass es vielleicht gegen den Abstieg gehen könnte", erklärt Schnoor: "Die Erwartungen sind nicht so hoch, der Druck ist nicht so hoch wie in anderen Städten."

Streich ist ein echter Typ, die Mannschaft steht hinter ihm und kann auch technisch überzeugen.

SC Freiburg Nils Petersen
Nils Petersen hat in vier Spielen schon vier Tore für den SC Freiburg erzielt © Getty Images

Schlüsselspieler: Mehr noch als auf Stratege Vladimir Darida, mit sechs Toren bester Schütze der Breisgauer, ruhen die Hoffnungen auf Wintereinkauf Nils Petersen.

Nach seiner überstandenen Knieverletzung trifft der Stürmer gegen Augsburg gleich wieder und hat in vier Spielen schon vier Tore auf dem Konto.

Restprogramm: Köln (A), Schalke (A), Mainz (H), Stuttgart (A), Paderborn (H), Hamburg (A), Bayern (H), Hannover (A).

Freiburg spielt noch gegen sechs direkte Konkurrenten um den Klassenerhalt und hat das Schicksal in der eigenen Hand. Zusätzlicher Trumpf ist die Tordifferenz von -10, alle Teams hinter dem SC sind deutlich schlechter.

SPORT1-Prognose: Auch wenn es "extrem schwierig wird" (Schnoor): Streich und die Erfahrung werden Freiburg erneut retten. Helmer stellt klar: "Sie sind es gewohnt, mit dieser Situation umzugehen, auch positiv umzugehen."

Platz 16 - 25 Punkte - 16:37 Tore

Hamburger SV

Formkurve: Achtungserfolgen wie den Unentschieden gegen Gladbach und Dortmund zum Trotz findet sich der HSV erneut im Tabellenkeller wieder.

Hamburger ist mit nur zwei Punkten das schlechteste Team der letzten sechs Spieltage und rutscht durch die Niederlage gegen die Hertha erstmals seit dem 18. Spieltag wieder auf einen der letzten drei Plätze.

Trainer: Schon wieder, nach Thorsten Fink, Bert van Marwijk und Mirko Slomka im Vorjahr, braucht der HSV drei Trainer in einer Saison. Joe Zinnbauer muss für Peter Knäbel weichen – doch ihn begleiten Zweifel.

"Jetzt wird der Sportdirektor zum Trainer gemacht, der zwar einen Trainerschein hat, aber das noch nicht wirklich ausgeübt hat", wundert sich Helmer. Das Risiko ist groß, dass der Effekt des Trainerwechsels auf Knäbel, der lediglich als Spieler-Trainer beim FC Winterthur Erfahrung hat, verpufft.

Pierre-Michel Lasogga vom Hamburger SV
Pierre-Michel Lasogga und der HSV schafften letzte Saison in der Relegation noch den Klassenerhalt © Getty Images

Schlüsselspieler: Schafft es Rückkehrer Pierre-Michel Lasogga, der historisch schlechten HSV-Offensive Leben einzuhauchen?

Schon zum 15. Mal in dieser Saison blieb Hamburg gegen Berlin ohne Treffer - neuer negativer Vereinsrekord. Seit drei Spielen gabs kein Tor für den HSV, 16 Treffer nach 26 Runden ist die drittschwächste Ausbeute der Historie (nur Tasmania Berlin 1965/66 und Köln 2001/02 waren harmloser) – und selbst für diese Bilanz brauchte Hamburg drei Elfmeter und zwei Eigentore.

Lasogga traf letzte Saison immerhin 13 Mal und ist nach seiner Muskelfaserriss wieder an Bord.

Restprogramm: Leverkusen (A), Wolfsburg (H), Bremen (A), Augsburg (H), Mainz (A), Freiburg (H), Stuttgart (A), Schalke (H)

Für Hamburg kommt es knüppeldick. Erst die Topteams Leverkusen und Wolfsburg dann das Nord-Derby in Bremen. Bekommt Hamburg nicht schnell die Kurve, droht schon vor den direkten Duellen mit Freiburg und Stuttgart der Sturz ans Tabellenende.

SPORT1-Prognose: Für den HSV geht es maximal in die Relegation. Schnoor will angesichts der fatalen Offensive auch den direkten Abstieg nicht ausschließen. "Wenn man es nicht schafft, Chancen herauszuspielen, Tore zu erzielen, Spiele zu gewinnen, dann geht es runter."

Platz 17 - 24 Punkte - 23:50 Tore

SC Paderborn

Formkurve: Für den Aufsteiger geht es mit nur einem Sieg aus letzten 16 Spielen rasant bergab und am 26. Spieltag erstmals in dieser Saison auf einen direkten Abstiegsplatz.

In der Rückrunde kassiert Paderborn gegen Bayern (0:6), Mainz (0:5), Frankfurt (0:4), Leverkusen (0:3) und selbst den HSV (0:3) hohe Niederlagen, mit 2:24 Toren seit der Winterpause ist die eigentlich ordentliche Tordifferenz im Eimer. Selbst hat der SCP schon seit fünf Spielen nicht mehr getroffen.

Trainer: Trotz Talfahrt genießt Andre Breitenreiter das Vertrauen und bekam von Manager Michael Born eine Jobgarantie. Ein Vorteil für den Trainer und Paderborn ist, "dass jeder sie von Anfang an bereits abgeschrieben hat. Sie können relativ befreit aufspielen", erklärt Schnoor.

Trumpf müsse im Abstiegskampf die mannschaftliche Geschlossenheit sein. "Da ist Andre der richtige Trainer an der richtigen Stelle, um den Jungs das zu vermitteln", ist Schnoor sicher.

SC Paderborn 07 v Bayer 04 Leverkusen - Uwe Hünemeier
Uwe Hünemeier hat diese Saison zwei Tore in der Bundesliga erzielt © Getty Images

Schlüsselspieler: Vor allem hinten muss der SCP wieder dicht machen und die Fehler abstellen.

Gefordert ist dabei vor allem Uwe Hünemeier als Kapitän und Abwehrchef. Mit dem 0:0 gegen Hoffenheim gelingt am 26. Spieltag ein Schritt in die richtige Richtung.

Restprogramm: Berlin (A), Augsburg (H), Dortmund (A), Bremen (H), Freiburg (A), Wolfsburg (H), Schalke (A), Stuttgart (H).

Mit Augsburg, Dortmund, Wolfsburg und Schalke warten noch vier dicke Brocken auf den SCP, gegen die direkten Konkurrenten Berlin und Freiburg muss man auch noch auswärts ran, wo Paderborn das zweitschlechteste Team der Liga ist. Letzter Strohhalm könnte das Abstiegsendspiel am letzten Spieltag daheim gegen Stuttgart sein.

SPORT1-Prognose: Trotz des Höhenfluges zu Saisonbeginn spricht wenig dagegen, dass Paderborn nach nur einem Jahr direkt wieder den Gang in die Zweite Liga antreten muss. Vorne wie hinten hat die Mannschaft seit der Winterpause Probleme. Der SCP steigt direkt ab.

Platz 18 - 23 Punkte - 27:46 Tore

VfB Stuttgart

Formkurve: Nach neun sieglosen Spielen stoppt der VfB mit dem Sieg gegen Frankfurt seine Talfahrt.

"Das war definitiv die letzte Chance, ein letztes Aufbäumen", sagt Helmer über den ersten Stuttgarter Erfolg in der Rückrunde. Bei einer Niederlage wären es für den VfB schon fünf Punkte Rückstand auf das rettende Ufer gewesen, jetzt gibt es tatsächlich wieder einen Hoffnungsschimmer im Schwabenländle.

Trainer: Im letzten Jahr rettet Feuerwehrmann Huub Stevens die Schwaben vor dem Abstieg, auch diese Saison wird er als Joker gezogen - möglicherweise zu früh?

Mit nur drei Siegen aus 14 Spielen ist die Bilanz des Niederländers überschaubar, Sportdirektor Robin Dutt muss wahlweise Gerüchte um seine eigene Übernahme des Trainerpostens und eine Verpflichtung des Ex-Leipzigers Alexander Zorniger abblocken.

SPORT1-Experte Schnoor wunder sich zudem, dass Stevens den Sieg gegen Frankfurt auf Nachfrage nicht als Befreiungsschlag für das Team werten will.

"Da hätte ich gesagt: 'Ja, das hoffe ich. Ich hoffe, dass meine Mannschaft jetzt weiß, wie es funktioniert. Und dieses Selbstvertrauen nehmen wir mit'", erklärt Schnoor: "Das war ein bisschen kontraproduktiv."

VfB Stuttgart v Eintracht Frankfurt - Bundesliga
Daniel Ginczek erzielte gegen Frankfurt seine ersten Bundesligatore für den VfB Stuttgart © Getty Images

Schlüsselspieler: Daniel Ginczek ist beim Sieg gegen die Eintracht der gefeierte Held und schreibt mit seinem Doppelpack nach langer Leidenszeit eine ganz besondere Geschichte.

Seine Tore hat der VfB, dessen Stürmer seit dem 13. Spieltag nicht getroffen haben, bitter nötig - ebenso wie die Einsätze von Alexandru Maxim.

Der Rumäne hat in 58 Bundesliga-Spielen starke 32 Scorer-Punkte gesammelt (10 Treffer, 22 Assists), war mit 20 Torbeteiligungen letzte Saison Topscorer der Stuttgarter und ist es auch jetzt mit neun Torbeteiligungen schon wieder. Trotzdem hat er bei Stevens einen schweren Stand.

Restprogramm: Wolfsburg (A), Bremen (H), Augsburg (A), Freiburg (H), Schalke (A), Mainz (H), Hamburg (H), Paderborn (A).

Auch Stuttgart kann sich in den nächsten Spielen gegen Wolfsburg, Bremen und Augsburg ein tiefes Loch graben und einen herben Rückschlag im Kampf um den Klassenerhalt kassieren. Im Schlussspurt hat der VfB gegen Freiburg und Paderborn aber noch die große Chance, Boden gut zu machen.

SPORT1-Prognose: Nachdem sich Stuttgart letztes Jahr gerade so noch retten konnte, erwischt es den VfB jetzt. Nur die Euphorie aus dem Frankfurt-Sieg wird nicht zum Klassenerhalt reichen, dazu birgt das Verhältnis zu den Fans zusätzliche Brisanz. Schnoor gibt zu bedenken: "Sind sie eine Einheit mit dem Publikum? Oder ist das Publikum gegen sie? Da muss man in Stuttgart höllisch aufpassen. Geht das auseinander, wird der VfB Stuttgart absteigen."

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