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Rainer Koch (DFB-Vizepräsident)
Rainer Koch ist Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission des DFB © Getty Images

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bleibt nach den jüngsten Doping-Enthüllungen durch die Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin noch gelassen und sieht bislang keinen Imageschaden für den Profifußball.

"Die Attacken gegen den Fußball werden seit Jahren alle paar Monate gebetsmühlenartig wiederholt. Die Fakten werden dabei ebenso regelmäßig übergangen", sagte Vize-Präsident Rainer Koch, Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission im DFB, dem kicker.

Der Verband sei "ohne Wenn und Aber gewillt, vergangene Vorgänge aufzuarbeiten", sagte Koch: "Wenn man uns mit Fakten und Dokumenten konfrontiert, werden wir das untersuchen und bewerten. Es ist aber unseriös und inakzeptabel, wenn im Zusammenhang mit Doping rein spekulativ Namen von einzelnen Personen ins Spiel gebracht werden."

Akteneinsicht offen

Wann der DFB Einsicht in die Akten, die vermeintliches Doping beim VfB Stuttgart und SC Freiburg in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren beweisen, bekommt, ist offen.

Die Auflagen des Staatsarchivs Freiburg machen einen schnellen Zugang unmöglich, hatte Letizia Paoli, die Vorsitzende der Evaluierungskommission, dem DFB bereits mitgeteilt.

"Frau Paoli ist unserer Auffassung und hat großes Verständnis für unseren Wunsch nach Akteneinsicht. Sie hat deshalb vorgeschlagen, dass wir uns an das für die Genehmigung allein zuständige Staatsarchiv Freiburg wenden und um Zugang zu den entsprechenden Passagen der Aktenbestände bitten", sagte Koch, der den Anti-Doping-Kampf im Profifußball verteidigte.

Profifußball kämpft "intensiv und glaubwürdig" gegen Doping

Dieser sei "in den letzten 20 Jahren - von der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA anerkannt - intensiv und glaubwürdig", sagte der DFB-Vize: DFB-Präsident "Wolfgang Niersbach und Reinhard Rauball (Präsident des Ligaverbandes, d. Red.) sind mit mir völlig einig, dass der Fußball in engem Einvernehmen mit der NADA klar Position gegen jede Form von Doping im Fußball beziehen und engagiert gegen niemals ganz auszuschließendes Doping im Fußball kämpfen muss".

Der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) "lassen keinen Zweifel daran, dass im Fußball konsequent, transparent und offensiv in engster Kooperation mit der NADA gegen Doping vorgegangen werden muss", sagte Koch.

Dass die vermeintlichen Enthüllungen zunächst an die Öffentlichkeit gelangt waren, sei "bedauerlich", so Koch: "Wenn man als Erstes mit Schlagzeilen konfrontiert wird, ohne Details und Hintergründe vorher erfahren zu haben."

Simon: Deutscher Fußball "relativ sauber"

Doping-Experte Perikles Simon (Mainz) bescheinigte dem deutschen Fußball derweil vor allem im Vergleich zu anderen Ländern einen effektiven Kampf gegen Doping.

"Ja, ich würde ihn schon relativ sauber einschätzen", sagte Simon in der Sendung "Sport im Dritten" im SWR Fernsehen: "In Russland ist das schon schwieriger. Das muss ich zugeben. Weil es hier auch eine ganz andere Mentalität im Umgang mit den Medikamenten gibt und weil das Testsystem auch noch nicht so ausgefeilt ist wie bei uns und nicht so effektiv."

Zudem stellte das Mitglied der Freiburger Evaluierungskommission die Effizienz der Kontrollen bei Turnieren des Weltverbandes FIFA infrage.

"Also rein theoretisch ist es so: Die FIFA hat sicherlich kein Interesse das irgendjemand dopt das ist keine Frage", sagte Simon. Aber sie hat noch weniger Interesse daran, dass Doping auffällt. Und da kriegen wir ein Problem. Die FIFA wäre in der Prävention genau die richtige Instanz aber für die Kontrollen eher nicht."

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