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Alex Meier wechselte 2004 vom Hamburger SV zu Eintracht Frankfurt
Alex Meier wechselte 2004 vom Hamburger SV zu Eintracht Frankfurt © Getty Images

München - Für "Fußballgott" Alex Meier schien zu Beginn der Saison die Dämmerung anzubrechen. Stattdessen trifft er nun wie nie zuvor - und kann trotzdem eine alte Debatte nicht abschütteln.

Alex Meier behandelt das Thema ja so, als wäre es keines.

Torschützenkönig? Wird er nicht, wird Arjen Robben. Sagte der Stürmer von Eintracht Frankfurt im Lauf dieser Saison mehrfach.

Und immer wieder so, als wäre das Fakt, nicht zu ändern: "Die Bayern schießen jedes Spiel vier oder fünf Tore - und er ist immer ein- bis zweimal dabei." Tja.

Am Wochenende hatte Meier in dieser Hinsicht Glück. Die Bayern schossen gegen Bayern zwar wieder vier oder fünf Tore (diesmal vier). Arjen Robben war diesmal aber nicht ein- bis zweimal dabei (er spielte gar nicht).

Meier dagegen schoss das erste Tor beim 4:0 gegen Paderborn, thront nun mit mittlerweile 19 Treffern an der Spitze der Schützenliste. Und läuft immer mehr Gefahr, sich selbst zu widerlegen.

Ein holpriger Saisonstart

Es wäre eine Pointe, wenn es so kommen würde. Schien es zu Beginn der Saison schließlich noch so, als ob für den Mann, der bei Frankfurts Fans nur noch "Fußballgott" heißt, langsam die Dämmerung anbrechen würde.

Nicht ihn, den Dienstältesten, sondern Keeper Kevin Trapp, machte Trainer Thomas Schaaf zum Kapitän. Nicht ihn, sondern Takashi Inui, ließ Schaaf spielen.

Alex Meier? Musste auf die Bank, obwohl er zwar angeschlagen, aber einsatzfähig war. Etwas, was lange völlig undenkbar schien. Und mittlerweile auch wieder völlig undenkbar scheint.

Der 32-Jährige hatte sich schnell wieder in die Mannschaft geschossen - und trifft inzwischen noch mehr als je zuvor. Auch weil Schaaf ihn mittlerweile endgültig vom Zehner zum echten, stürmenden Neuner umfunktioniert hat.

Zahlreiche Bestwerte

Zahllos sind die Statistik-Bestwerte, die der Datendienst delaltre für Bundesliga Aktuell ermittelt hat.

Kein Frankfurter hat zu diesem Zeitpunkt der Saison je so viele Tore erzielt wie Meier in dieser - kein Yeboah, kein Grabowski, kein Hölzenbein.

Kein Spieler schoss mehr Heimtore (12), keiner ist für seinen Klub so unverzichtbar: 40 Prozent aller Frankfurter Treffer hat Meier erzielt, Ligabestwert. Nicht vorstellbar, dass die Eintracht ohne Meier auf die Europa League schielen könnte.

Und dass Alex Meier drei Tore in dieser Saison schon mehr geschossen hat als alle Spieler des HSV zusammen, hat sich auch schon rumgesprochen.

Die Sache mit der Kröte

Was seinen Torinstinkt angeht, gilt für Alex Meier also der alte Melissengeist-Slogan: Nie war er so wertvoll.

Umso kurioser, auf den ersten Blick zumindest, dass sein Wirken immer noch Gegenstand von Debatten ist.

"Wenn Alex nicht trifft, dann sieht man ihn manchmal nicht. Diese Kröte müssen wir schlucken": Mit diesen Worten verärgerte Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner Meier vor drei Wochen nach einem blassen Auftritt bei Mainz 05.

Meier zeigt Empfindlichkeit

Hübner sagte damals zwar auch, dass man besagte Kröte "gerne" schlucke.

"Dieser Nachsatz ist ein bisschen unterschlagen worden", monierte Vorstandschef Heribert Bruchhagen am Sonntag im Volkswagen Doppelpass – und verwies darauf, dass Meier und Hübner sich längst ausgesprochen haben.

Bruno Hübner
Bruno Hübner ist seit 2011 Sportdirektor bei Eintracht Frankfurt © Getty Images

Trotzdem: Meier, sonst meist eine hanseatische Gemütsnatur, reagierte damals stark gereizt auf Hübners Hinweis ("Das bin ich ja gewöhnt, dass er sich negativ gegen mich äußert, wenn es mal nicht so gut läuft"). Es zeigte, dass es bei Meier Empfindlichkeiten gibt, was dieses Thema angeht.

Ein ewiger Vorwurf

Verwunderlich ist das nicht. Seine ganze Karriere lang wird Meier vom Vorwurf verfolgt, dass er zwar gut sei, dass er aber trotzdem noch mehr aus sich machen könnte.

Dass er präsenter auf dem Platz sein könnte, dass er mehr Führung übernehmen könnte, vor allem in kritischen Situationen, dass sein Spiel alles in allem ein wenig moderner sein könnte.

Wie berechtigt solche Vorwürfe sind, ist wie immer Auslegungssache. Fakt ist nur, dass Bundestrainer Joachim Löw sie zumindest so berechtigt findet, dass er Meier nie berufen hat.

Bruchhagen lässt nichts auf Meier kommen

Ändern wird der DFB-Coach diese Haltung wohl nicht mehr, auch Bruchhagen sagt: "Unsere Nationalmannschaft ist positioniert und Weltmeister - ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen." Das Nationalteam sei übrigens auch gar nicht Meiers Ziel.

Bruchhagen lässt auf Meier ohnehin nichts kommen. Er bewundert Meier als Musterprofi, der "immer wieder mehr gearbeitet hat als alle anderen".

Das mit dem Weltmeister-Werden ist trotzdem irgendwie an Meier vorbeigelaufen.

Immerhin: Er ist jetzt auf bestem Weg, bester Torjäger der Liga zu werden, die sich zur Liga der Weltmeister erklärt hat. Auch eine Pointe.

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