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Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen, FC Schalke 04 und FC Augsburg im Europacheck
Gladbach, Leverkusen, Schalke und Augsburg befinden sich mitten im Rennen um die Europapokalplätze © SPORT1/getty

München - Acht Spieltage vor Schluss träumt die halbe Liga von Europa. SPORT1 unterzieht Gladbach, Leverkusen, Schalke und Augsburg dem Europacheck und wagt eine Prognose.

Der FC Bayern steuert auf den Titel-Hattrick hin. Beim VfL Wolfsburg deutet alles auf die Vizemeisterschaft hin. Dahinter wird es aber eng. Die Teams auf den Plätzen drei bis zehn dürfen noch von der Champions League und der Europa League träumen. Acht Spieltage vor dem Saisonende geht es beim Kampf um die Millionen-Einnahmen zur Sache.

SPORT1 macht den Europapokal-Check. Im zweiten Teil mit den SPORT1-Experten Stefan Schnoor und Thomas Helmer geht es um die Mannschaften auf den Plätzen sechs bis drei - FC Augsburg, Schalke 04, Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach.

FC Augsburg

Formkurve: Nur ein Sieg aus den letzten sieben Spielen, zuletzt gegen die abstiegsbedrohten Mainzer und Freiburger jeweils mit 0:2 verloren - beim FCA spricht derzeit wenig für die erste Teilnahme am Europapokal.

Ausgerechnet gegen die direkte Konkurrenz lief es zwar besser (2:2 gegen Leverkusen, 1:0 gegen Wolfsburg), dennoch steht in der Rückrundentabelle nur Rang zehn zu Buche.

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Platz 6 - 38 Punkte - 33:34 Tore

Trainer: "Die Jungs wollen nach Europa - und wir auch." Nach dem Sieg gegen Wolfsburg Anfang März rief Markus Weinzierl erstmals das Ziel Europa League aus. Zu viel Druck auf den Augsburger Schultern? Nach vorne lief danach nicht mehr viel zusammen. Der 40-Jährige stellte sich nach den folgenden Niederlagen schützend vor sein Team. Vor allem in Partien, in denen Augsburg nicht selbst das Spiel machen muss, ist sein Team stets perfekt eingestellt. Bei einer Mannschaft voller No-Names ist er Augsburgs Erfolgsgarant.

Schlüsselspieler: Daniel Baier ist Augsburgs Xabi Alonso: Im defensiven Mittelfeld ist er oft Endstation für gegnerische Angriffe und Ausgangspunkt eigener Gegenschläge. In den letzten Wochen war von Baier allerdings wenig zu sehen. Soll Augsburg nächste Saison europäisch spielen, muss der 30-Jährige an seine Topform aus der letzten Saison anknüpfen.

Daniel Baier vom FC Augsburg mit Ball
Daniel Baier stand in der laufenden Bundesliga-Saison bis auf fünf Minuten immer für den FCA auf dem Platz © getty

Restprogramm: Schalke (H), Paderborn (A), Stuttgart (H), HSV (A), Köln (H), FC Bayern (A), Hannover (H), Gladbach (A)

Eine bunte Mischung für den FCA: Mit Schalke und Gladbach warten noch zwei direkte Konkurrenten, dazu kommt der Auswärtstrip zum FC Bayern. Ansonsten geht es allerdings ausschließlich gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte. Dort sind Punkte Pflicht.

SPORT1-Prognose: Mit Europa vor Augen strauchelt Augsburg auf der Zielgeraden. Doch angesichts der aufstrebenden Konkurrenz aus Bremen und Dortmund kann sich der FCA das nicht erlauben. Wie schon im Vorjahr wird das Weinzierl-Team die Europa League hauchdünn verpassen.

FC Schalke 04

Formkurve: Es ist eine Krux mit den Schalkern. Einer Gala wie dem 4:3 bei Real Madrid folgte ein mageres Remis bei der Hertha und die Pleite im Sechs-Punkte-Spiel gegen Bayer Leverkusen. So bleibt die Inkonstanz die einzige Konstante bei den Königsblauen. In der Bundesliga gelang in den letzten sechs Spielen lediglich ein Sieg. "Sie hatten viel Pech durch Verletzungen, hatten Leistungsträger unter den Langzeitverletzten", begründet SPORT1-Experte Stefan Schnoor die Misere.

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Platz 5 - 39 Punkte - 37:31 Tore

Trainer: Mit einem klaren Konzept ist Roberto Di Matteo im Oktober angetreten. Ein echtes Defensivbollwerk sollte Schalke werden. Davon ist aber auch nach einem halben Jahr wenig zu sehen. In den letzten sechs Ligapartien setzte es immer mindestens ein Gegentor. Di Matteos Einführung eines 3-5-2-Systems blieb bislang ohne ersichtlichen Ertrag was die Ergebnisse angeht.

"Er hat kein Gerüst gefunden, hat immer wieder neue Spieler ausprobiert. Mal die Alten, dann die Jungen. Der Trainer verpasst es, das System klar zu definieren", findet auch Thomas Helmer.

Schlüsselspieler: Schalke setzt auf seine Rückkehrer. Max Meyers Comeback in der Startelf verlieh Kreativität, der wiedergenesene Jefferson Farfan könnte schließlich das Tempo, Keeper Ralf Fährmann die dringend nötige Sicherheit zurückbringen.

Max Meyer und Jefferson Farfan vom FC Schalke 04 jubeln
Die wiedergenesenen Max Meyer und Jefferson Farfan sollen Schalkes Offensive beleben © getty

Restprogramm: Augsburg (A), Freiburg (H), Wolfsburg (A), Mainz (A), Stuttgart (H), Köln (A), Paderborn (H), HSV (A)

Das Restprogramm der Schalker ist gnädig: Bis auf die Auswärtspartien gegen Augsburg und Wolfsburg warten keine direkten Konkurrenten mehr. Allerdings stehen nur drei Heimspielen ganze fünf Auswärtspartien gegenüber.

SPORT1-Prognose: Europa ja, Champions League nein, das sind wohl die Aussichten der Schalker.

"Ich habe Schalke weniger auf dem Zettel, was die Champions League angeht. Königsblau hat nicht die Mischung von Spielern, die alle in eine Richtung ziehen können. Das Gebilde Schalke 04 und die Mannschaft sind sehr zerbrechlich. Da sehe ich die geringsten Chancen", sagt Stefan Schnoor.

Auch Thomas Helmer rechnet mit Schalke in der Europa League: "Ich glaube, es bleibt so, weil sie zu inkonstant spielen." Aber dank der jungen Mannschaft sieht der Ex-Nationalspieler gute Chancen für die Zukunft: "Da ist noch viel Potenzial."

Bayer Leverkusen

Formkurve: Bei Bayer läuft es. Die letzten vier Spiele hat die Werkself allesamt gewonnen und dabei kein einziges Gegentor kassiert. In der Champions League zeigte Leverkusen zumindest im Achtelfinal-Hinspiel gegen Atletico Madrid, dass die Mannschaft das Niveau für die Königsklasse besitzt. Dazu folgte zuletzt der Sieg im Sechs-Punkte-Spiel gegen Schalke.

Bayer Leverkusen Logo
Platz 4 - 45 Punkte - 45:29 Punkte

Trainer: Mit Risikofußball wollte Roger Schmidt die Bundesliga erobern. Nach einer Schwächephase hat der Coach seine Taktik angepasst, die Defensive verstärkt. Mit Erfolg. "Sie hatten über einen längeren Zeitraum einen Hänger. Aus dem sind sie wieder herausgekommen", sagt Schnoor rückblickend. Überhaupt ist Flexibilität Schmidts große Stärke: In den letzten drei Partien ging Bayer jeweils mit einer anderen Taktik ins Spiel.

Schlüsselspieler: Karim Bellarabi bleibt die positive Überraschung der Saison bei den Leverkusenern. Angesichts der Torflaute von Stefan Kießling hängt umso mehr vom quirligen Flügelspieler ab.

Karim Bellarabi von Bayer Leverkusen jubelt
Karim Bellarabi steuerte in dieser Saison bereits elf Bundesliga-Treffer für Leverkusen bei © getty

Restprogramm: HSV (H), Mainz (A), Hannover (H), Köln (A), FC Bayern (H), Gladbach (A), Hoffenheim (H), Frankfurt (A)

Ein ganz besonderer Dreierpack wartet auf Leverkusen: Die beiden rheinischen Derbys in Köln und Mönchengladbach umrahmen das Heim-Highlight gegen den FC Bayern. Ansonsten warten ausschließlich Teams aus dem Mittelfeld oder der Abstiegszone. Ein machbares Restprogramm.

SPORT1-Prognose: Sechs Punkte Vorsprung auf Schalke sind ein beruhigendes Polster, das Restprogramm ist nicht außergewöhnlich schwierig.

Thomas Helmer sieht Leverkusen als Champions-League-Kandidat: "Es war ein Ausrufezeichen, auf Schalke zu gewinnen nach dem verpassten Weiterkommen. Da spricht jetzt vieles für Leverkusen." Im Kampf um Platz drei wird das Derby gegen Gladbach richtungsweisend.

Borussia Mönchengladbach

Formkurve: Nur Wolfsburg sammelte in der Rückrunde so viele Punkte wie Borussia Mönchengladbach (20). Ihr Meisterstück lieferten die Fohlen beim 2:0-Auswärtssieg in München ab. Keine Frage: Bei Gladbach läuft es. Und die letzten Spiele können der Konkurrenz wenig Hoffnung auf ein Ende des Höhenflugs machen.

Borussia Mönchengladbach Logo
Platz 3 - 47 Punkte - 37:20 Tore

Trainer: Lucien Favre ist der Vater des Erfolgs bei der Borussia. Dass der Trainer Champions League könnte, hat er spätestens mit dem Sieg gegen die Bayern bewiesen, als er selbst den großen Pep Guardiola auscoachte.

Schlüsselspieler: Raffael findet langsam aber sicher zur Galaform der letzten Saison. Spätestens mit seinem Doppelpack gegen die Bayern hat sich Lucien Favres ewiger Ziehsohn aus der persönlichen Krise geballert. Thorgan Hazard hat er schon zuvor wieder aus der Startelf verdrängt. Als kreativer und torgefährlicher Spielgestalter ist der Brasilianer Dreh- und Angelpunkt der blitzgefährlichen Gladbacher Konter.

Raffael von Borussia Mönchengladbach bejubelt ein Tor
Mit zwei Toren erledigte Raffael den FC Bayern zuletzt praktisch im Alleingang © getty

Restprogramm: Dortmund (H), Frankfurt (A), Wolfsburg (H), Hertha (A), Leverkusen (H), Bremen (A), Augsburg (H)

Von allen Europapokal-Aspiranten haben die Gladbacher das schwerste Restprogramm. Bis auf die Partie gegen Hertha BSC warten ausschließlich direkte Konkurrenten auf die Borussia. Dennoch: Die Gladbacher sind gefestigt genug für die bevorstehenden knüppelharten Aufgaben.

SPORT1-Prognose: "Sie haben eine gute Mannschaft, einen guten Trainer, ein gutes Umfeld und Management. Ich hätte ihnen auch vor der Saison zugetraut, dass sie mindestens Vierter werden - und das schaffen sie auch", ist sich Thomas Helmer sicher. Angst vor der eigenen Courage erwartet er bei den Gladbachern nicht: "Druck ist das falsche Wort. In Mönchengladbach freuen sie sich einfach auf die Champions League."

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