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Mönchengladbach - Hannovers Sportdirektor Dufner vermeidet zum ersten Mal ein klares Bekenntnis zu Trainer Tayfun Korkut. Dessen ultradefensive Taktik schlägt fehl. Gladbach feiert indes Matchwinner Herrmann.

"Ich kann beim besten Willen nicht sagen, dass er noch bis zum Saisonende Trainer ist."

Da war er, der erste Satz, mit dem Dirk Dufner seinen seit mittlerweile neun Spielen sieglosen Coach Tayfun Korkut erstmals anzählte. Seit fünf Jahren hat Hannover keine solche Negativserie mehr erlebt.

Kein Vertrauen mehr

Wochenlang hatte der Sportdirektor von Hannover 96 seinem Trainer den Rücken gestärkt.

Nach dem 0:2 bei Borussia Mönchengladbach, einer erschreckenden Ersten Halbzeit mit nicht einmal dem Ansatz einer Torchance musste auch Dufner, der Korkut weiterhin "gute Arbeit" bescheinigte, eingestehen: "Das hängt natürlich von den Ergebnissen ab."

Dufner: "Sind im Abstiegskampf"

Nur vier Punkte Vorsprung haben die Niedersachsen auf den Relegationsrang.

Nach der erneuten Pleite sind die Aussichten weiter düster.

"Die erste Hälfte war richtig schlecht. Wir sind im Abstiegskampf angekommen", erklärte Dufner.

In Hannover wurde das Wort "Abstiegskampf" bisher ebenso vermieden wie eine Trainerdiskussion, doch nach der vielleicht trostlosesten Halbzeit der Saison schrillen bei Verantwortlichen wie auch Spielern die Alarmglocken.

Borussia Moenchengladbach v Hannover 96 - Bundesliga
Enttäuschte Gesichter: Zum neunten Mal in Folge bleibt 96 ohne Sieg © Getty Images

Abwehrverbund durchlässig

"Die erste Halbzeit war eine Katastrophe. Man muss 20 Meter vor dem Stafraum auch mal in den Zweikampf kommen", sagte Kapitän Christian Schulz, der als Innenverteidiger selbst nur 25 Prozent seiner Duelle gewann.

Die Defensivreihe der Hannoveraner erwartete Gladbach von Beginn an kurz vor dem eigenen Strafraum - ein Konzept, das scheiterte. Mal um Mal kombinierten sich die Hausherren durch den laxen Abwehrverbund der Gäste.

Korkut selbst zeigte sich nach der Partie "enttäuscht". Er habe aber "keine andere Information, als die, dass ich gegen Dortmund Trainer bin."

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Zieler unter Dauerfeuer

Immerhin Hannovers Keeper stellte sich hinter Korkut. "Ich glaube an den Trainer", sagte der mit Abstand beste Hannoveraner Ron-Robert Zieler, der seine Elf mit guten Paraden lange im Spiel gehalten und eine deutlich höhere Niederlage verhindert hatte.

Aber auch Zieler musste eingestehen: "So wie wir aufgetreten sind, das geht nicht."

Während Hannover vor dem Abgrund immer mehr Angst und bange wird, feiert Gladbach seinen Mann der Rückrunde: Patrick Herrmann.

Herrmann "immer mehr ein Mann"

Mit seinen Treffern in der 43. und 75. Minute schoss er Hannover im Alleingang ab.

Als er in der 88. Minute den Platz verließ, erhoben sich zahlreiche Zuschauer von ihren Plätzen, Trainer Lucien Favre empfing den Doppel-Torschützen mit einer herzlichen Umarmung.

Der 24-Jährige, für fünf der zehn Gladbacher Tore seit der Winterpause verantwortlich, erlebte erneut einen Sahnetag.

"Patrick macht eine unglaublich tolle Entwicklung durch. Er wird immer mehr ein Mann", lobte Manager Max Eberl bei Sky und hofft, dass die Gespräche über eine Vertragsverlängerung über 2016 hinaus "bald zum Abschluss" kommen.

Mit acht Saison-Treffern hat Herrmann nun eine persönliche Rekord-Ausbeute, zudem ist er der beste Torschütze der Borussia, die mit dem sechsten Heimsieg hintereinander in der Bundesliga als Dritter ihre Champions-League-Ambitionen eindrucksvoll untermauerte.

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