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Dortmund und München - Verpasst der BVB Europa, lautet die Devise: keine teuren Transfers. Das Sturm-Trio bezeichnet der BVB-Boss Watzke im Volkswagen Doppelpass nicht "als Idealkonstellation".

Borussia Dortmund hat sich nach dem katastrophalsten Absturz der Vereinsgeschichte berappelt. Doch die Saison wird beim BVB Spuren hinterlassen. Finanziell wie personell.

"Zu glauben, dass wir im nächsten Jahr große Transfers stemmen, das haben wir schon intern gesagt, das wird nicht der Fall sein", erklärte Hans-Joachim Watzke im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1

Der Kader sei im Falle des Verpassens des europäischen Wettbewerbs "eher zu groß als zu klein", betonte der Geschäftsführer des BVB.

Heißt im Klartext: Aus dem 24er-Kader werden sich einige Akteure nach dem Saisonende verabschieden müssen. Freiwillig geht zurzeit nur Sebastian Kehl, der mit 35 Jahren seine Karriere beenden wird.

Aktuell liegen die Dortmunder nach dem 0:0 in Hamburg auf Tabellenplatz 10 (DATENCENTER: Bundesliga)

Sturm-Trio "keine Idealkonstellation"

Vor allem im Angriff könnte es zu Veränderungen kommen. Für den einzigen Platz in der Spitze im 4-2-3-1-System von Trainer Jürgen Klopp stehen drei Stürmer zur Verfügung: Pierre-Emerick Aubameyang, Ciro Immobile und Adrian Ramos.

Das sei "sicherlich keine Idealkonstellation", räumt Watzke ein. Erste Wahl ist Aubameyang, mit 15 Treffern in allen drei Wettbewerben der erfolgreichste Torschütze in den Reihen der Borussia.

Sollte es Interessenten für Immobile (Vertrag bis 2019) und Ramos (bis 2018) geben, würde Watzke denen grundsätzlich nicht die Tür vor der Nase zuschlagen.

"Es muss keiner kommen", sagte Watzke. "Aber wenn irgendwann einer kommt und was weiß ich was sagt, dann musst du mit den Spielern sprechen, dann müssen wir sprechen." Bedeutet: Stimmt das Angebot, ist der BVB verhandlungsbereit.

Kruse als mögliche Option

"Aber wir sehen überhaupt keine Veranlassung, irgendeinen abzugeben. Wir sind eigentlich damit ganz gut gefahren", meinte Watzke unter Verweis auf Immobiles Treffer in Champions-League (4) und DFB-Pokal (3) sowie Ramos’ Entwicklungsmöglichkeiten. Wenn nur das Wörtchen 'eigentlich' nicht wäre.

Dem Vernehmen nach hat die Borussia ja Interesse an Gladbachs Max Kruse. Der Angreifer verfügt über eine Ausstiegsklase, die bei zwölf Millionen Euro liegen soll. Allerdings ließen sich im Volkswagen Doppelpass weder Watzke noch Kruses Berater Thomas Strunz zum Thema in die Karten schauen.

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Transferminus von 55 Millionen Euro

Fast 142 Millionen Euro hat die Borussia seit der Saison 2012/13 für neue Akteure ausgegeben. Auf der Einnahmeseite stehen bei den Transfers knapp 87 Millionen. Macht ein Minus von 55 Millionen Euro.

Dass der Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH & Co. KG seine sportliche Leitung künftig zum Sparen anhalten muss, liegt auf der Hand.

Auf mindestens 40 Millionen Euro bezifferte Watzke kürzlich die Umsatzeinbußen durch das Verpassen der Königsklasse. Die Unkosten für Reisen, Prämien und mehr davon abgezogen, würden unterm Strich "nur" 15 Millionen Euro fehlen.

Kampl-Verpflichtung vorgezogen

Auch Sportdirektor Michael Zorc und Trainer Jürgen Klopp sind sich dessen bewusst.

"Wenn wir uns nicht international qualifizieren, ist es völlig normal, dass der Spielraum ein anderer ist. Dementsprechend ist das keine Situation, die für mich überraschend kommt", meinte Klopp dazu vergangene Woche.

Er ergänzte: "Wir haben schon immer nur das ausgegeben, was wir eingenommen haben."

Außerdem haben Klopp und seine Mitstreiter bereits vorgesorgt. Mit Kevin Kampl als Winter-Neuzugang (für zwölf Millionen Euro von Red Bull Salzburg) zog der BVB eine Investition für die kommende Spielzeit vor.

Großkreutz auf der Streichliste

Zudem wurden Talente wie Außenverteidiger Jeremy Dudziak (19) an den Verein gebunden. Auch die Junioren-Nationalspieler Felix Passlack (16) und Dzenis Burnic (16, beide Mittelfeld) sollen perspektivisch den Sprung nach oben schaffen.

Was für neue Spieler ausgegeben werden darf, wird im nächsten Jahr davon bestimmt, was der Erlös durch Spielerverkäufe einbringt.

Als weitere Streichkandidaten - oder besser Einnahmequellen - neben Immobile und Ramos gelten die Weltmeister Kevin Großkreutz und Roman Weidenfeller (beide Vertrag bis 2016), für die es die letzte Möglichkeit wäre, eine Ablösesumme zu erzielen. Auch der Verbleib von Marcel Schmelzer (2017) und Milos Jojic (2018) scheint fraglich.

Rekordtransfer Henrikh Mkhitaryan (Vertrag bis 2017) stärkte Watzke im Volkswagen Doppelpass den Rücken. "Wir wollen ihn nicht abgeben. Er ist ein außergewöhnlicher Spieler. Man sieht immer wieder, welches Potenzial er hat", sagte der 55-Jährige.

Gündogan-Coup wie bei Reus?

Doch auch bei Mkhitaryan gibt es offenbar ein Hintertürchen, falls das Finanzielle stimmt. "Wenn er jetzt sagen würde, es gibt einen Klub, der bereit ist, das ganz große Geld auszuspucken, dann muss man sich zusammensetzen", erklärte Watzke.  

So wie mit Ilkay Gündogan, der Angebote von namhaften Klubs aus ganz Europa vorliegen hat. Die BVB-Verantwortlichen arbeiten derzeit mit Nachdruck an einer Verlängerung seines 2016 auslaufenden Kontrakts.

"Bei Ilkay machen wir es wie bei Marco Reus: Wir reden da nicht viel drüber, sondern hoffen, dass er bei uns bleibt", schildert Watzke sein Wunschszenario.

Bliebe der umworbene Mittelfeldstratege dem BVB treu, wäre das mehr Wert als jeder - ohnehin ausgeschlossene - "große Transfer".

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