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Hoffmanns Erzählungen zu Anthony Ujah und Hennes VIII.
In Hoffmanns Erzählungen dreht sich diesmal alles um den Kölner Bockbuster © SPORT1/getty

Anthony Ujah und der 1. FC Köln haben sich schnell bei Hennes entschuldigt, trotzdem zeigen die Tierschützer ihnen die Rote Karte. Wer hat jetzt recht? Nur einer kann es klären.

Der 1. FC Köln hat das Ganze publicrelations-mäßig ja schon geschickt gemacht, das muss man ihm lassen.

Man weiß ja nie, was ist, wenn man so eine Sache wie die mit Anthony Ujah und Geißbock Hennes hätte treiben lassen.

Ehe man sich versieht, nimmt Hennes die erstbeste Talkshow-Einladung an, sagt sowas wie, dass er zu alt für solche Torjubel sei, oder ob Ujah was an den Kopf geflogen sei - und schon ist die Sache richtig am Eskalieren.

Der FC hat es so weit nicht kommen lassen, zu seinem Glück. Stattdessen das volle Programm, um die Wogen zu glätten: Die schnelle Entschuldigung per Twitter, der großangelegte Friedensbesuch im Kölner Zoo, Versöhnungsständchen, Versöhnungsessen, glaubwürdig klingende Versicherungen der Wertschätzung.

Alle Differenzen ausgeräumt, Blick nach vorne, kommende Herausforderungen gemeinsam meistern: So sollte die Geschichte ankommen, so haben sie auch alle angenommen. Fast alle.

"Für die Misshandlung von Geißbock Hennes zeigt PETA dem 1. FC Köln die Rote Karte in Sachen Tierschutz", war nämlich trotz allem zu lesen.

Nicht allein wegen Ujahs Hörnergriff, sondern wegen allem. Hennes gehöre überhaupt gar nicht in ein Fußballstadion. Der Lärm, der Stress, das Unvorhersehbare: Alles nicht gut für einen Geißbock, da könne Anthony Ujah singen, was er wolle.

Mochten dann natürlich auch wieder die anderen nicht so stehen lassen. Hennes komme schon klar mit alldem, hieß es im Gegenzug. Seit Jahren gewohnt, seit Jahren ein Öffentlichkeitsprofi, bei Stefan Raab sei er ja auch schon gewesen. Von Misshandlung könne da jetzt keine Rede sein.

Man liest die eine Meinung, man liest die andere - und am Ende weiß man mal wieder nicht, was man selber meinen soll.

Weil einerseits: Die Tierschützer haben ja recht. Die Natur hat's nicht vorgesehen für einen Geißbock, dass er sich in ein Fußballstadion stellt, mit zehntausenden Menschen und allem drum und dran.

German Ice Soccer Cup 2009
Bei Stefan Raab war Hennes auch schon, von Misshandlung könne da jetzt keine Rede sein © Getty Images

Andererseits: Was hat sie so schon vorgesehen, von dem was wir hier machen? Dass sich ein Mensch mit zehntausend anderen in ein Fußballstadion stellt, ja eigentlich auch nicht. Oder dass er Entschuldigungen an Geißböcke twittert. Oder dass er Pressemitteilungen schreibt und anderen Leuten Rote Karten gibt. Trotzdem: Es wird gemacht.

Sicher, das ist auch wieder kein Argument. Wir als Menschen machen das alles halt: freier Wille, Selbstbestimmung, was will man da sagen?

Bei Tieren dagegen, und darum ja der ewige Streit: Man weiß ja nie, wie sie selber das alles lösen würden, wenn man sie mal fragen würde. Ob ein Hennes zum Beispiel sagen würde: Kann mir nichts anderes vorstellen, geilster Job der Welt, lebe dafür. Oder ob er mitteilen würde: Sorry Leute, dass ich das jetzt an dieser Stelle genau so sagen muss, aber... kein Bock mehr.

Wenn man es sich recht überlegt: Es wäre doch gut, wenn Hennes mal eine Talkshow-Einladung annehmen würde.

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