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Thomas Berthold über den FC Schalke 04
Thomas Berthold übt Kritik an uninspirierten Schalkern © Getty/SPORT1

SPORT1-Experte Thomas Berthold geht nach dem Revierderby hart mit dem unterlegenen FC Schalke 04 ins Gericht. Di Matteo überzeugt ihn nicht, Tönnies' Forderung erinnert ihn an Karneval.

Hallo Fußball-Freunde,

so eine Niederlage im Derby, wie sie Schalke am Samstag in Dortmund kassiert hat, ist natürlich richtig bitter. Das hängt lange nach. Vor allem, wenn du so einen Auftritt hinlegst.

Die Spieler müssen jetzt liefern, allein schon, um die Stimmung bei den Fans wieder in die richtige Richtung zu lenken. Da werden einige angefressen sein, gerade nach diesem blutleeren Auftritt.

Sich so zu ergeben, ohne Gegenwehr und ohne Aggressivität in so ein Derby reinzugehen? Die Schalker haben ja jeden wichtigen Zweikampf verloren. Das ist auch eine Mentalitätsfrage.

Man muss zur Entschuldigung sagen, dass ein paar wichtige Spieler fehlen wie Julian Draxler oder Jefferson Farfan. Das sind vor allem Spieler, die auch Tempo haben. Die sind nicht zu ersetzen.

Kevin-Prince Boateng hat das Problem, dass er nicht fit ist. Klaas-Jan Huntelaar ist ein typischer Spieler für die Box, der muss bedient werden. Bei Eric Maxim Choupo-Moting war klar, dass er nach den Strapazen des Afrika-Cups in ein Loch fällt.

So viele Spieler hat Schalke dann im Offensivbereich nicht mehr. Wenn die rotieren, dann ist in der Breite eben die Qualität nicht so da, dass du auch im fußballerischen Bereich Spieler hast, die nach vorne was machen können.

Da muss man jetzt aber nicht dem Trainer den Schwarzen Peter zuschieben, sondern auch Horst Heldt und den sportlichen Verantwortlichen. Die haben den Kader zusammengebaut, das sind deren Spieler und da musst du halt gucken, dass du die in die Spur bekommst - auch vom Kopf her.

Trotzdem frage ich mich natürlich, warum zum Beispiel ein Max Meyer nicht spielt. Wenn ich nach Dortmund fahre und meine, ich kann da nur verteidigen, dann wird es schwierig, da zu überleben.

Aber wenn man einen Trainer wie Roberto Di Matteo holt, von dem man weiß, wie er in der Schweiz und in England trainiert hat, dann nimmt man so eine defensive Grundhaltung in Kauf. Das ist ja klar, dass der in seiner Philosophie nicht von Schwarz auf Weiß wechselt.

Ich glaube trotzdem nicht, dass Di Matteo in dieser Saison noch um seinen Job fürchten muss. Aber wenn Schalke jetzt nicht Vierter werden sollte, dann ist die Frage, ob man mit diesem Trainer noch einmal in die neue Saison geht. Mit so einer defensiven Grundausrichtung die Zuschauer zu begeistern, die ohnehin eine gewisse Erwartungshaltung haben, wird schwierig.

Gerade nach so einem Spiel bekommt der Vorschlag von Clemens Tönnies aus der Vorwoche, die Mitglieder könnten eine freiwillige, einmalige Abgabe in Höhe von 1000 Euro leisten, fast schon einen karnevalistischen Anstrich.

Gibt es jetzt eigentlich Geld zurück? Hat da noch kein Fan den Vorschlag gemacht: "Okay, ich zahle einen Tausender, aber wenn ich so Spiele sehe, dann will ich 2000 zurück?"

Ganz klar ist: Mit vier Toren aus den letzten acht Pflichtspielen hat ein Team normalerweise in der Champions League nichts zu suchen. Die Tendenz geht klar in die andere Richtung, Schalke muss jetzt die Kurve kriegen.

Die Champions League ist praktisch vorbei, jetzt haben sie nur noch die Liga. Da muss Schalke jetzt gucken, dass sie mindestens Vierter werden. Das ist ja auch absolut machbar mit einem Punkt hinter Leverkusen. Aber der Gesamtauftritt stimmt bedenklich.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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