Video

Hamburg - Thomas von Heesen prangert im SPORT1-Interview die mangelnde Bissigkeit einiger Hamburger Spieler an. Der Nachfrage zu seiner Rolle in der Trainerfrage weicht er aus.

Von Joanna Kouzina und Denis de Haas

Thomas von Heesen hat die Spieler des Hamburger SV nach den jüngsten Leistungen attackiert.

"Die haben eine Qualität, die sie sich selber immer zuschreiben. Die sollen sie jetzt auch als Team beweisen. Da fehlt mir so ein wenig die Bissigkeit und die Selbstverständlichkeit, mit der man Fußball spielt. Da klemmt es ein wenig, und da ist mit Sicherheit nicht der Trainer schuld", sagte Hamburgs Ex-Profi im SPORT1-Interview.

Lösung Knäbel nachvollziehbar

Von Heesen, der bis Ende Februar noch dem Aufsichtsrat der Norddeutschen angehörte, bedauert die Entlassung von Chefcoach Joe Zinnbauer. Dass der Verein nun mit Peter Knäbel den Direktor Profifußball zum Interimstrainer machte, kann er indes nachvollziehen.

"Wie jemand bewertet wird, ist völlig uninteressant. Wichtig ist, dass er den Draht zur Mannschaft findet. Ich glaube, da ist er nah dran. Wenn jetzt ein Neuer käme, der sagt dann erst: 'Ich muss erst mal die Mannschaft kennen lernen und habe eine ganz andere Philosophie'. Der Faktor Zeit ist schon wichtig", sagte von Heesen.

Der HSV war nach der 0:1-Niederlage gegen Hertha BSC und Siegen der Konkurrenz am Wochenende auf den Relegationsplatz 16 abgerutscht. Knäbel soll in den verbleibenden acht Spielen die Rettung schaffen.

Für von Heesen sind die Einflussmöglichkeiten des 48-Jährigen jedoch gering. Er appelliert stattdessen an die Moral der Mannschaft.

"Es ist Eins vor Zwölf"

"Die müssen verstehen, dass jetzt Eins vor Zwölf ist und dass der Ball jetzt bei den Jungs im Feld liegt. Sie müssen beweisen, dass sie in der Lage sind, Bundesliga zu spielen", sagte von Heesen.

Der Europapokalsieger von 1983 war selber als Kandidat für die Zinnbauer-Nachfolger gehandelt worden. Doch von Heesen wollte zu möglichen Verhandlungen keine Auskunft geben. "Das mit den Namen, die ständig gehandelt werden, das ist wie Lotto spielen. Wichtig ist, dass die Vereinsführung von der Lösung überzeugt ist. Da spiele ich überhaupt keine Rolle", sagte er.

Hermann-Neuberger-Preis Awarding Ceremony - Saarbruecken
Uwe Seeler wurde 1960 Deutscher Meister mit dem Hamburger SV © Getty Images

Während von Heesen den Wechsel zu Knäbel nachvollziehen kann, stößt die Personalie bei Stefan Schnoor auf Unverständnis.

Schnoor missfällt Außendarstellung

Besonders die Außendarstellung missfiel dem SPORT1-Experten. "Normalerweise lässt man es doch gar nicht zu so einer Situation kommen, sondern man spricht doch vorher mit seinem Trainer, wenn einem etwas auffällt: eine falsche Aufstellung, falsche Taktik, Einwechslungen - dann spreche ich das doch intern an", sagte Schnoor in der Telekom Spieltagsanalyse.

Für ihn hat der HSV auch zu spät reagiert. "Ich warte doch nicht so lange, bis dieses Schiff gekentert ist", sagte Schnoor, der für die Norddeutschen zwischen 1991 und 1998 insgesamt 131 Bundesliga-Spiele absolvierte.

Überraschung für Seeler

Für HSV-Legende Uwe Seeler kam der Wechsel zu Knäbel überraschend. "Damit gerechnet habe ich nicht, aber die Entscheidungen sollen die Verantwortlichen treffen", sagte der 78-Jährige bei SPORT1.

Er bezeichnet Knäbel als "Notlösung", die nun den Abstieg verhindern soll. Dieser wäre in Seelers Augen eine Katastrophe. "Ich glaube nicht, dass wir so schnell wieder hoch kommen würden", sagt der Hamburger.

Die Entlassung von Zinnbauer war für ihn trotzdem logisch. "Man muss natürlich auch sagen, dass die Mannschaft keinen Erfolg hat und sich nicht weiterentwickelt hat. Ich glaube, es ist überall so üblich, dass der Leidtragende dann der Trainer ist", sagte Seeler.

Video
x
Bitte bewerten Sie diesen Artikel