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Arminia Bielefeld v Borussia Moenchengladbach - DFB Cup
In Bielefeld scheiterte Gladbach im Elfmeterschießen © Getty Images

Bielefeld - Das Aus im DFB-Pokal war für Gladbach ebenso überraschend wie bitter. Das Spitzenspiel gegen den BVB wird so auch zum Charaktertest.

Das Ende kam abrupt. Überraschend. Und vor allem schmerzhaft.

Der Traum von der Reise zum DFB-Pokalfinale nach Berlin - geplatzt. Auf die wohl bitterste Art und Weise.

Denn heimlich geliebäugelt hatte Borussia Mönchengladbach mit dem möglicherweise ersten Titel seit 1995 schon. Und das nach dem sportlichen Höhenflug der vergangenen Wochen auch nicht ganz zu unrecht.

Doch was kam, war das Aus im Viertelfinale, dazu noch im Elfmeterschießen, und das ausgerechnet beim Drittligisten Arminia Bielefeld.

Dabei hatte man bei der Borussia gewusst, was kommen würde. Ein Gegner der kratzt, beißt und kämpft. Ein typischer Pokalfight gegen einen Underdog, den man nicht unterschätzen dürfe, hatte Patrick Herrmann im Vorfeld noch gemahnt. Schließlich sei man vorgewarnt. Trotzdem erlebten die Borussia und er eine brutale Bauchlandung.

Denn vor allem Herrmann stand zuletzt sinnbildlich für den sportlichen Erfolg der Gladbacher. Er fand wie die gesamte Mannschaft trotz des dominanten Ballbesitzes jedoch keine adäquaten Lösungen gegen das Bielefelder Bollwerk.

Mann und Matchwinner

Es wird ihn nur wenig trösten, doch genau das unterstreicht zugleich auch die wichtige Rolle, die er inzwischen einnimmt. Herrmann "ist ein Stück weit Mann geworden", lobte Sportdirektor Max Eberl den 24-Jährigen zuletzt. Matchwinner statt Mitläufer, vom Lehrling zum Leistungsträger sozusagen. Und das auf einem vorbildlichen Bildungsweg.

2008 war er als 17-Jähriger aus Saarbrücken nach Gladbach gekommen, hatte das Internat besucht und war innerhalb von nur kurzer Zeit zum Vorzeigeprofi gereift. Unter Lucien Favre machte er seit 2011 die oft zitierten nächsten Schritte und setzte sich endgültig als Stammspieler durch.

Unterschrift bis 2019

"Ich bin der Meinung, dass ich noch enorm viel von ihm lernen kann", nannte Herrmann den Schweizer nach seiner jüngsten Vertragsverlängerung als einen der Gründe für seine Unterschrift unter das bis 2019 laufende Arbeitspapier. Eins-gegen-Eins-Situationen wäre laut Favre etwas, das er verbessern könne.

Dass sich Herrmann trotz einiger konkreter Anfragen für die Borussia entschieden hatte, ist ein Qualitätsnachweis sowohl für Herrmann selbst, als auch für den Klub, der Spieler wie ihn in der Vergangenheit öfter mal ziehen lassen musste.

Prototyp für Favres System

Als pfeilschneller Flügelspieler ist er sowieso so etwas wie der Prototyp für das System des Schweizers, dribbelstark, mit Tempo und Zug zum Tor. Ein wichtiges Puzzlestück, ein Fixpunkt, der stellvertretend für die Ausrichtung des Vereins steht.

Und seit dieser Saison ist "Flaco" (der Schmächtige) trotz einiger Anlaufschwierigkeiten, als er sich zu Saisonbeginn nur auf der Bank wiederfand, auch noch torgefährlich: Zehn Saisontore sind es in der Liga, wettbewerbsübergreifend sind es sogar deren 15.

Nicht mehr der kleine Patrick

Allesamt Argumente, die den sonst so zurückhaltenden, fast schüchternen Saarländer forsch werden lassen. Nicht nur aus persönlichen ("Ich bin nicht mehr der kleine Patrick!"), sondern auch aus sportlichen Gründen: "Es wird nicht einfach, wir haben viele junge und talentierte Spieler, aber ich bin selbstbewusst genug, zu sagen, dass ich wieder in die Nationalelf will."

Die Voraussetzungen für einen Anruf von Bundestrainer Joachim Löw sind da: Der Kopf ist nach der Vertragsverlängerung frei, die Leistungen stimmen auch. "Mein Weg in Gladbach ist nicht zu Ende. Ich will mit Borussia noch Erfolge feiern", kündigte Herrmann an.

Der Klub ist trotz der Pokalpleite in der Bundesliga weiter auf einem guten Weg, hat sich nicht zuletzt dank Herrmann im Rennen um die Champions League als Dritter mit zwei Punkten auf Bayer Leverkusen auf Platz vier und immerhin zehn Zählern Vorsprung auf den Fünften Schalke 04 in eine formidable Ausgangssituation gebracht.

Unbeirrt in Richtung Königsklasse?

Doch welche Reaktion zeigt die Mannschaft am Samstag (ab 15 Uhr im LIVETICKER und auf SPORT1.fm) gegen Borussia Dortmund auf den jüngsten Rückschlag? Wird der geplatzte Traum zum Trauma? Oder spielen die Gladbacher weiter unbeirrt in Richtung Königsklasse? Nach dem Motto "Jetzt erst recht".

So wird das Spiel gegen den BVB auch zum Charaktertest. Bislang zeigte sich die Mannschaft nach Rückschlägen wie zum Beispiel dem Europa-League-Aus gegen den FC Sevilla gefestigt, in der Rückrunde gab es sowieso erst eine Niederlage.

"Wir spielen bislang eine tolle Rückrunde, da wirft uns ein Dämpfer nicht um. Wir haben genug Charakter in der Mannschaft, dass wir das Pokalaus wegstecken können", stellte Torhüter Yann Sommer klar.

Ein weiterer Trost: Viel Zeit bleibt bis Samstag sowieso nicht, um über die vergebene Großchance nachzudenken.

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