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Hamburg - Der Hamburger SV meldet sich im Abstiegskampf zurück - vor allem dank der personifizierten Lebensversicherung Pierre-Michel Lasogga.

Pierre-Michel Lasogga ließ sich nur kurz von den Fans feiern, das schelmische Grinsen war schnell wieder aus dem Gesicht des bulligen Stürmers verschwunden.

"Das war der erste Schritt - wir müssen noch vier weitere gehen", sagte Lasogga nach dem umjubelten 3:2 (2:1) seines Hamburger SV gegen den FC Augsburg mit ernster Miene und forderte: "Wir müssen jetzt genau so weitermachen."

Erster Sieg seit 77 Tagen

Neun Spiele in Serie hatte der HSV zuvor nicht gewonnen, der Bundesliga-Dino lag am Boden, war für viele schon abgestiegen - doch vor allem dank Lasogga haben sich die Hanseaten im Kampf um den Klassenerhalt jetzt eindrucksvoll zurückgemeldet.

"Diesen Sieg haben wir einfach gebraucht. Die Mannschaft hat sich damit die Hoffnung und den Glauben zurückgeholt - für sich, den ganzen Verein und die ganze Stadt", sagte Trainer Bruno Labbadia stolz nach seinem Heim-Debüt.

Durch den ersten Dreier seit 77 Tagen durch die Tore von Ivica Olic (11.) und Lasogga (19. und 71.) verbesserte sich der HSV zumindest vorübergehend auf den Relegationsplatz. (Datencenter: Tabelle)

Vor allem Lasoggas Treffer zum 3:2 war typisch. Gerade erst hatten die Hamburger den Ausgleich kassiert, da traf er mit einem wuchtigen Schuss in den rechten Winkel zur erneuten Führung. (Die Highlights zum Nachhören auf SPORT1.fm)

Erinnerungen an die Relegation

Ganz Hamburg hofft wieder, dass es doch noch irgendwie mit der Rettung klappt. Noch weit nach Spielschluss sangen die Fans Lasoggas Namen.

Die personifizierte Lebensversicherung des Klubs soll den historischen Absturz in die 2. Liga verhindern.

Wie im Vorjahr, als der 23-Jährige fast im Alleingang für den Klassenerhalt in der Relegation sorgte.

Nach 882 Minuten platzt der Knoten

Bis zu seinem ersten Treffer hatte Lasogga 882 lange Minuten das Tor nicht getroffen - zuletzt am 19. Oktober 2014 beim 1:1 gegen 1899 Hoffenheim. Bundesliga: Die Torjäger der Saison 2014/2015

Der Acht-Millionen-Mann, nach seiner Ausleihe im vergangenen Sommer fest aus Berlin verpflichtet, stand in der bisherigen Rückrunde wie der gesamte HSV völlig neben sich. Ein Muskelfaserriss hatte ihn völlig aus der Bahn geworfen.

Doch Labbadia baute seinen Liebling in den vergangenen Tagen mit vielen Einzelgesprächen auf und redete ihm das Selbstbewusstsein förmlich ein. (Service: Die Statistiken des Spiels)

Auch Labbadia als Gewinner

"Mit Toren kann ich dem Trainer das Vertrauen zurückzahlen", sagte der 1,89 Meter große Hüne Lasogga, der wieder an die Rettung glaubt: "Wir haben ab der ersten Minute mit Entschlossenheit und Willen unser Glück erzwungen. Wir müssen jede Woche den Kampf annehmen und dann bin ich mir sicher, dass wir die nötigen Punkte sammeln werden."

Neben Lasogga war Labbadia der zweite strahlende Sieger in Hamburg. Der 49-Jährige hauchte dem verunsicherten Traditionsklub in den zehn Tagen seit seiner Verpflichtung als Feuerwehrmann neues Leben ein. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

"Ich hoffe, das gibt uns Auftrieb, denn wir haben uns nun vier neue Endspiele geholt", sagte Labbadia, der Lasogga nicht als alleinigen Helden sah: "Die Mannschaft ist der Match-Winner."

Kein Grund zur Euphorie

Unmittelbar nach Abpfiff schwor der Hoffnungsträger seine Spieler in der Kabine schon wieder auf den heißen Saisonendspurt ein. (Datencenter: Ergebnisse und Spielplan)

Und so war die Erleichterung und Hoffnung beim HSV zwar wieder zu spüren, euphorisch war am Ende aber niemand.

"Wir brauchen jetzt nicht durchdrehen, sondern müssen weiter fokussiert bleiben", sagte etwa Heiko Westermann mahnend. Und Marcell Jansen meinte: "Wir haben noch einen ganz weiten Weg vor uns."

Gut, dass sich dafür Knipser Lasogga wieder zurückgemeldet hat.

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