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Thiago (r.) wechselte im Sommer 2013 vom FC Barcelona zum FC Bayern
Dr. Müller-Wohlfahrt (l., mit Thiago) war mit Unterbrechungen seit 1977 als Vereinsarzt des FC Bayern tätig © Imago

Der Arzt des FC Bayern und drei weitere Mediziner treten zurück. Grund sei ein "zerstörtes Vertrauensverhältnis". Grund ist offenbar die Niederlage in Porto.

Der Ärztestreit beim FC Bayern München ist eskaliert:

Einen Tag nach der 1:3-Niederlage im Viertelfinale der Champions League beim FC Porto hat Mediziner-Ikone Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt nach fast vier Jahrzehnten hingeschmissen.

In einer Mitteilung sprachen der 72-Jährige und drei seiner Kollegen von einem "geschädigten Vertrauensverhältnis".

In dem Schreiben erklärten Nationalmannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt, sein Sohn Kilian sowie Peter Ueblacker und Lutz Hänsel, die medizinische Abteilung sei "aus ihnen unerklärlichen Gründen für die Niederlage hauptverantwortlich gemacht" worden.

Die Bayern wurden vom Schritt der Mediziner völlig überrascht. "Der FC Bayern München ist über diesen Schritt nicht informiert", sagte Mediendirektor Markus Hörwick am Donnerstagabend zu SPORT1.

Zwischen Müller-Wohlfahrt, der seit 1977 für die Bayern arbeitete, und Trainer Pep Guardiola hatte es im Laufe der Saison angesichts der Verletztenmisere des Bundesliga-Spitzenreiters spürbar gekriselt.

Zuletzt schien sich das Verhältnis aber normalisiert zu haben.

Fünf Stars fehlten in Porto

Nach der Pleite in Porto, wo Medhi Benatia (Muskelfaserriss), Franck Ribery (Knöchelprobleme), Arjen Robben (Bauchmuskelriss), Javi Martinez (Kreuzbandriss) und David Alaba (Innenbandriss) verletzt gefehlt hatten, kam es nun offenbar zum Bruch.

Das Ärzte-Quartett sieht "dadurch das für eine erfolgreiche medizinische Arbeit notwendige Vertrauensverhältnis nachhaltig beschädigt".

Die tägliche Arbeit mit der Mannschaft hatte seit Anfang des Jahres Kilian Müller-Wohlfahrt geleistet. Guardiola war zuvor darüber verärgert gewesen sein, dass die Spieler bei Blessuren stets den langen Weg zu Müller-Wohlfahrt Senior in die Münchner Innenstadt zurücklegen mussten.

Schon einmal war Müller-Wohlfahrt in seiner langen Bayern-Karriere beim Rekordmeister zurückgetreten: Nach einem Streit mit Jürgen Klinsmann im Jahr 2008 kehrte er allerdings unmittelbar nach dessen Entlassung zurück.

Patienten von Bolt bis Springsteen

In einem Alter, in dem für die meisten längst der Ruhestand begonnen hat, ist Müller-Wohlfahrt immer noch aktiv. Weiterhin gilt der Arzt aus München als Institution, als Guru der Prominenz.

Sogar Supersprinter Bolt, der Doppel-Olympiasieger von London, bedankte sich nach seinem Sieg über 100 Meter ausdrücklich beim "Doc".

"Er ist ein großer Mann. Er hat meine Muskeln behandelt, aber er war mehr als ein Arzt für mich", sagte der Jamaikaner und fügte an: "Er hat eine sehr wichtige Rolle gespielt."

Die spielt und spielte Müller-Wohlfahrt aber nicht nur bei Bolt. In der Praxis in der Münchner Innenstadt geben sich Stars aus allen Bereichen des Lebens die Klinke in die Hand.

Da taucht dann schon einmal spontan ein Bruce Springsteen auf, weil seine Konzerttournee wegen akuter Rückenprobleme in Gefahr ist.

Warum so viele Menschen dem in Leerhafe in Ostfriesland geborenen Pastorensohn vertrauen, verdeutlicht Tennisspielerin Andrea Petkovic: "Er hat goldene Hände".

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sprach einst von "Radarfingern". Boris Becker ergänzte, dass `Mull", wie er meist genannt wird, `ein seelisches Wannenbad" sei, ein "Dr. Feelgood" (Sunday Times) eben.

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