vergrößernverkleinern
Granit Xhaka von Borussia Mönchengladbach jubelt gegen den FC Bayern München
Granit Xhaka (l.) wechselte 2012 vom FC Basel zu Borussia Mönchengladbach © getty

Mönchengladbach - Der Start in Gladbach verlief für Granit Xhaka holprig. Inzwischen hat sich der 22-Jährige bei der Borussia zum Führungsspieler und Leistungsträger entwickelt.

Nein, mangelndes Selbstvertrauen kann man Granit Xhaka nicht absprechen.

Im Gegenteil. Wenn der Mittelfeldmann von Borussia Mönchengladbach in der Mixed Zone steht, sieht man es ihm förmlich an. Xhaka baut sich auf, fixiert einen Punkt in der Ferne und sagt dann das, was er denkt. Geradeaus. Direkt. Unverfälscht.

So wird es auch am Freitagabend wieder sein, wenn die Borussia zum Auftakt des 29. Spieltags bei Eintracht Frankfurt antritt (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER).

Im heutigen Fußball-Geschäft mit den oft glattgebügelten Standardphrasen der Protagonisten eigentlich eine Wohltat. Aber zugleich auch ein schmaler Grat. Nämlich dann, wenn die Leistungen auf dem Platz mit den Aussagen abseits des Rasens nicht einhergehen.

Bei Xhaka war das früher so. Da posaunte er schon mal Dinge heraus, die so manchen Beobachter verwundert zurückließen. Da stellte ein ohne Frage großes Talent Ansprüche und Forderungen, die so gar nicht zu seinen Darbietungen passen wollten.

Dilemma mit Wechselwirkung

Es war ein Dilemma mit Wechselwirkung, die üblichen Mechanismen hatten längst gegriffen. Er konnte nach seinem Wechsel 2012 auf dem Platz sowohl die Ansprüche von außen als auch die eigenen nicht erfüllen. Die Kritik hemmte ihn auf dem Platz, er wollte zu viel, verkrampfte, spielte schlecht.

Granit Xhaka von Borussia Mönchengladbach sitzt 2013 am Boden
Granit Xhaka am Boden: Ein Sinnbild für die Anfangszeit des Schweizers in Gladbach © getty

Die Kritik wurde schließlich lauter, Xhaka fand sich zwischenzeitlich sogar auf der Bank wieder.

Die ersten eineinhalb Jahre? Schwer, verziert mit Rückschlägen. Negativ-Schlagzeilen. Und immer wieder durchsetzt mit Gerüchten, wohin er denn nun flüchtet.

"Ich bin kein Typ, der wegrennt, wenn es mal schwierig wird. Fehler sind menschlich, klar, und ich bin kein Roboter. Aber: Ich bin ein Kämpfer", sagte er mal im Interview mit derwesten.

Xhaka hat gelernt, hat sich durchgebissen, sich durchgesetzt. Er hat vor allem gelernt, dass manchmal weniger mehr ist. Beziehungsweise, dass ein Mehr auf dem Platz eine Voraussetzung für einen Führungsanspruch ist, der dann auch verbal ausgelebt werden kann.

Mittelfeld-Motor, Konstante und Fixpunkt

Der Schweizer Nationalspieler ist inzwischen Mittelfeld-Motor, Konstante und Fixpunkt im System von Trainer Lucien Favre.

Da schnappt sich Xhaka in seiner Rolle als Sechser in der eigenen Hälfte den Ball, ist Antreiber, Lenker und Denker. Mal per Kurzpass, mal per Seitenwechsel, oft über 40 und mehr Meter. Er ist Abräumer, Spielmacher, der Hebel in der Schaltzentrale. Immer öfter sucht er auch selbst den Abschluss.

Leichtsinnsfehler und Disziplinlosigkeiten gehören (fast) der Vergangenheit an, denn ein Heißsporn ist er immer noch, immer haarscharf an der Grenze des Erlaubten. Doch das muss er wohl auch, sein Spiel kommt vor allem auch über sein Temperament. Nach dem Derby gegen den 1. FC Köln sagte er: "Ein Derby gegen Köln ohne Gelbe Karte für mich? Das geht nicht."

Favres Anteil: Enorm

Lachen kann sein Trainer darüber eher nicht. Favre hat Xhakas Talent gekitzelt, ihn weiterentwickelt, hat wie bei allen seinen Spielern an den Details gearbeitet. Aber auch an der Disziplin, dem Charakter seines mitunter als schwierig geltenden Landsmannes mit kosovarischen Wurzeln. Der Anteil Favres an Xhakas Entwicklung? Enorm, wie Xhaka selbst immer wieder betont.

Trainer Lucien Favre und Granit Xhaka von Borussia Mönchengladbach im Gespräch
Lucien Favre (l.) und Granit Xhaka arbeiten seit 2012 zusammen in Gladbach © getty

Der Anteil Xhakas am Gladbacher Höhenflug in dieser Saison? Ebenfalls enorm, wenn nicht sogar sinnbildlich. Genauso sinnbildlich wie die Vertragsverlängerung des 22-Jährigen vor wenigen Wochen, als er bis 2019 unterschrieb und so unter Beweis stellte, dass der Verein inzwischen Leistungsträger wie ihn auch halten kann.

Da schockt es in Gladbach niemanden mehr, dass nun angeblich Atletico Madrid Interesse an Xhaka haben soll. "Es muss ja auch immer was zu schreiben geben. Und es passt ja auch. Granit spielt eine super Saison und ist ein absoluter Führungsspieler", sagte Manager Max Eberl.

Der kann sich bei solchen Gerüchten inzwischen beruhigt zurücklehnen. "Ich weiß zu 100 Prozent, dass Granit nicht vor wenigen Wochen den Vertrag verlängert und dann im Sommer für 25 Millionen zu einem Klub geht, der relativ wenig übers Mittelfeld spielt", so Eberl.

Zwölf Punkte Vorsprung auf Schalke

Und in der Champions League kann er inzwischen ja womöglich auch mit Gladbach spielen. Bezeichnend, dass Xhaka das Ende Februar nach dem Aus in der Europa League noch auf dem Index stehende Wort "Königsklasse" als Erster in den Mund nahm.

Der Erfolg gibt ihm inzwischen immer öfter Recht. Die Borussia ist Dritter, hat zwei Punkte Vorsprung vor Bayer Leverkusen auf dem Qualifikations-Rang. In Frankfurt (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) kann der nächste Schritt erfolgen.

Im Grunde stellt sich sowieso nur noch die Frage, ob Gladbach sich direkt für die Champions League qualifiziert oder in die Playoffs muss. Schalke auf Rang fünf? Bereits zwölf Punkte zurück.

"Wenn uns Schalke jetzt noch einholt, dann höre ich auf mit Fußball", sagte Xhaka nach dem jüngsten 3:1 der Borussia gegen den BVB. Sorgen um seine berufliche Zukunft muss er sich wohl nicht machen.

Trotzdem: Mangelndes Selbstvertrauen kann man Granit Xhaka wirklich nicht absprechen.

Video
teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel