München - Selbst wenn dem HSV nach der panikartigen Inthronisation von Bruno Labbadia noch die Last-Minute-Rettung gelingen sollte, muss die Führung spätestens im Sommer Konsequenzen ziehen.

Über Deutschland lacht die Sonne, über Hamburg die ganze Welt. Man könnte ohne Ende solche Scherze auf Kosten des HSV machen, wenn die Realität nicht so traurig wäre.

Noch vor vier Tagen hatte Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer einen weiteren Trainerwechsel kategorisch ausgeschlossen, danach aber angeblich mit Felix Magath verhandeln lassen und zudem öffentlichkeitswirksam wochenlang auf die große Lösung Thomas Tuchel gesetzt.

Stattdessen kommt nun Bruno Labbadia zurück, der schon seit Monaten als Retter parat stand. Die fast schon panikartige Inthronisation der B-Lösung ist ein weiterer Tiefpunkt in einer Saison voller Pleiten, Pech und Pannen.

Der tiefste Tiefpunkt droht allerdings am 23. Mai, denn noch immer spricht sehr viel für den ersten Abstieg des Dinos in der Bundesliga-Geschichte.

Die Zeit ist knapp, die Mannschaft leblos, das Restprogramm happig – ein Himmelfahrtskommando für Labbadia beim Tabellenletzten.

Dass dennoch kaum Kritik an der Personalentscheidung aufkommt, liegt am desaströsen Auftritt seines Vorgängers. Nur zwei Spiele hat Peter Knäbel gebraucht, um sich als komplett ungeeignet für die Mission Klassenerhalt zu erweisen.

Leidtragender ist sein erst vor drei Wochen verpflichteter Assistent Peter Herrmann, der im Chaos rund um den Volkspark schon wieder die Sachen packen kann. Dagegen kehrt Knäbel auf den gut dotierten Posten als Chef (!) von Labbadia zurück. Der nächste Witz mit schalem Beigeschmack.

Doch nicht nur der Direktor Profifußball macht einen ganz schlechten Eindruck – das Gleiche gilt für seinen Kollegen Bernhard Peters und vor allem Beiersdorfer. Statt des erwarteten Aufbruchs haben die einstigen Hoffnungsträger für Untergangsstimmung beim einstigen Topklub gesorgt.

Selbst bei einer Last-Minute-Rettung sollte die Führung am Saisonende die Konsequenzen aus diesem Jahr zum Vergessen ziehen, andernfalls sind sie ohnehin nicht mehr haltbar.

Gleiches könnte auch für Labbadia gelten. Zwar bekam der Ex-Profi einen Vertrag bis 2016 mit der Option eines Neustarts nach einem Sturz in die Zweite Liga.

Doch wenn er die Talfahrt in den nächsten Wochen nicht beenden kann und sich das Team auch unter ihm so kläglich wie zuletzt seinem Schicksal ergibt, geht Labbadia als Trainer des historischen Abstiegs in die HSV-Geschichte ein.

Immerhin könnte er sich zumindest teilweise von der Verantwortung für den Niedergang des Traditionsvereins freisprechen. Ganz im Gegensatz zu Beiersdorfer, Knäbel und Co.

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