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München und Hamburg - Behrami und Djourou lassen in der Halbzeit die Fäuste fliegen und geben einen bitteren Einblick ins Innenleben des Hamburger SV. Ex-Trainer Slomka fordert bei SPORT1 Thomas Tuchel.

Valon Behrami und Johan Djourou haben mit ihrer Kabinenprügelei beim Hamburger SV nicht nur für einen handfesten Skandal gesorgt, sondern gleichzeitig einen erschreckenden Einblick in das Innenleben der Mannschaft gegeben.

Bei der 0:2-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg flogen am Samstagabend in der Halbzeit zwischen den beiden Schweizer Nationalspielern die Fäuste.

Djourou soll Behrami kritisiert haben, der daraufhin sofort auf ihn losging. Angeblich wurde die Auseinandersetzung sogar am Boden noch fortgesetzt.

Valon Behrami Johan Djourou verdeckt
Valon Behrami (l.) und Johan Djourou haben in der Halbzeit gegen Wolfsburg für einen Eklat gesorgt © Imago

Der HSV bestätigte den Vorfall am Sonntag. Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer sprach im Gespräch mit der Bild von einer emotionalen Auseinandersetzung. "Es wurde besprochen. Es ist geregelt. Wer Disziplin bricht, muss bestraft werden", sagte Beiersdorfer. "Die Beteiligten erhalten eine Geldstrafe", kündigte Mediendirektor Jörn Wolf an.

Prügelei legt Probleme offen

Bei den Hamburgern liegen die Nerven blank.

"Dieser Vorfall ist eine klare Bestätigung, dass es in der Mannschaft nicht stimmt", sagte SPORT1-Experte Thomas Strunz im Volkswagen Doppelpass: "Da kann einem angst und bange werden. Wie soll sich diese Mannschaft, die während der Halbzeitpause eines Bundesligaspiels aufeinander losgeht, auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich den HSV zu retten?"

Auch der ehemalige HSV-Trainer Mirko Slomka reagierte mit Unverständnis auf die Disziplinlosigkeit seiner früheren Spieler.

"Beide sind gestandene Profis, haben bei Topklubs in Europa gespielt. Beide sind Schweizer, eigentlich Kollegen. Das gehört sich natürlich nicht in der Kabine", sagte Slomka, der nach dem dritten Spieltag der laufenden Saison beim HSV entlassen worden war.

Slomka hatte Behrami in der Sommerpause vom SSC Neapel zum HSV geholt, "weil er so ein verbissener Typ ist, ein Fighter, ein Leadertyp sein sollte". Allerdings lasse sich der Abräumer "natürlich ungern kritisieren".

Djourou fliegt vom Platz

Durch die Pleite gegen Wolfsburg rutschte der HSV nach Stuttgarts Sieg über Werder auf den 18. Platz ab - und daran haben gerade Djourou und Behrami ihren Anteil. Beide sollen eigentlich das Team stabilisieren, sorgten aber wiederholt durch schwere Patzer und Undiszipliniertheiten für Aufsehen.

So leitete Djourou erst am 27. Spieltag in Leverkusen mit einem katastrophalen Fehlpass das 0:1 in Leverkusen ein, am Ende war Hamburg mit 0:4 noch gut bedient.

Nachdem es gegen Wolfsburg zwischen ihm und Behrami geknallt hatte, flog Djourou (SPORT1-Note: 5) zu allem Überfluss auch noch mit Gelb-Rot innerhalb von drei Minuten für ein Foul und wegen Meckerns vom Platz und ist damit im Nord-Derby am kommenden Wochenende bei Werder Bremen gesperrt.

Valon Behrami diskutiert mit Peter Gagelmann
Valon Behrami kam für seinen Ellenbogenschlag gegen Henrikh Mkhitaryan ohne Karte davon © Imago

Ellenbogenschlag von Behrami

Behrami, der wie Djourou nach der Prügelei in der zweiten Halbzeit weiterspielte (SPORT1-Note 4,5), hat sich unterdessen seit seinem Wechsel vom SSC Neapel nach Hamburg schnell einen Ruf als Raubein erworben.

Gegen Dortmund kam der Schweizer am 24. Spieltag mit einem rot-würdigen Ellenbogenschlag gegen Henrikh Mkhitaryan nach gerade einmal zwei Minuten komplett ohne Karte davon.

In 21 Spielen hat er dennoch schon sieben Gelbe Karten kassiert und dazu beigetragen, dass Hamburg mit insgesamt 69 Gelben, drei Gelb-Roten und einer Roten Karte auch den letzten Platz der Fair-Play-Tabelle belegt.

Gegen Wolfsburg schossen die Hamburger nicht ein einziges Mal gefährlich aufs Tor und blieben zum 17. Mal in dieser Saison ohne eigenen Treffer.

Slomka fordert: Tuchel muss sofort übernehmen

Der HSV befindet sich im Selbstzerstörungsmodus. Und der Eklat zwischen Behrami und Djourou zeigt die fortschreitenden Auflösungserscheinungen beim HSV und wirft kein gutes Licht auf Interimstrainer Peter Knäbel.

Ex-HSV-Trainer Slomka forderte im Volkswagen Doppelpass, Thomas Tuchel müsse die Hamburger sofort übernehmen.

"Wenn der Verein in der Ersten Liga bleiben soll und er möchte dort Trainer werden, finde ich, heißt es jetzt: 'Ärmel hochkrempeln, loslegen und den Verein in der Liga halten'", sagte der 47-Jährige.

Beiersdorfer schließt Trainerwechsel aus

HSV-Boss Beiersdorfer schloss aber einen erneuten Trainerwechsel aus - es wäre nach Slomka, Josef Zinnbauer und Knäbel bereits der vierte in dieser Saison. "Da gibt es keine Gedankenspiele", stellte Beiersdorfer klar.

Stattdessen gab sich der HSV-Boss kämpferisch: "Wir werden nicht zulassen, dass wir schon in die Zweite Liga geredet werden. Wir werden uns auflehnen und in den letzten sechs Spielen alles geben. Es ist noch nichts verloren. Wir werden nicht klein beigeben, sondern uns auf die Hinterfüße stellen und zeigen, dass wir noch da sind."

Um tatsächlich noch das Ruder rumzureißen, muss der HSV aber schleunigst seine Probleme in den Griff bekommen.

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