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SV Werder Bremen v Eintracht Frankfurt - Bundesliga
Thomas Schaaf (l.) wird von seinem ehemaligen Schützling Viktor Skripnik begrüßt © Getty Images

Bremen - Thomas Schaaf schwankt nach seiner Rückkehr nach Bremen zwischen Enttäuschung über die Frankfurter Niederlage und Freude über den herzlichen Empfang in Bremen.

Als die 0:1-Niederlage in seinem einstigen Wohnzimmer an der Weser besiegelt war, waren Thomas Schaafs alte Weggefährten sofort tröstend zur Stelle. Torsten Frings, jetzt Werder Bremens Co-Trainer, nahm seinen Ex-Coach noch auf dem Spielfeld fast liebevoll in den Arm. Zlatko Junuzovic, Vorbereiter des Treffers des Tages gegen Eintracht Frankfurt, drückte dem 54-Jährigen auf dem Rasen mitfühlend die Hand.

Minuten später fand der Österreicher auch die passenden Worte für eine in der Bundesligageschichte beispiellose Rückkehr eines Protagonisten an seine alte Wirkungsstätte. "Es war schön, dass unser alter Trainer da war, aber es war auch gut, dass er keine Punkte mitgenommen hat", sagte der Mittelfeldspieler mit einem Augenzwinkern.

Schaafs Ärger über sechste Auswärtspleite

Nach 41 Jahren als Spieler und Trainer bei den Hanseaten holten Schaaf vor allem vor, aber auch nach dem Gastspiel der Hessen an der Weser Erinnerungen ein - und er genoss es gewohnt still. Sprechchöre, Beifall, Jubel, 42.100 Zuschauer drehten die grün-weiße Uhr nur zu gerne zu den erfolgreichen Jahren in der Hansestadt zurück.

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Erst nach dem Schlusspfiff stieg der Ärger über die sechste Auswärtsniederlage nacheinander dann doch in ihm hoch: "Beide Mannschaften hatten ihre Chancen. Werder hat eine davon genutzt, wir leider nicht." Für sein Team ist eine Saison voller Mittelmaß endgültig gelaufen, seinem Ex-Klub hingegen bereitete Schaaf eine verbesserte Situation im Kampf um die Europa-League-Qualifikation.

In Bremen riecht es nach Europa League

Sportchef Thomas Eichin allerdings erklärte den möglichen Sprung in den internationalen Wettbewerb quasi zu einem Fernziel: "Wir dürfen nicht nach Europa schielen, sondern immer nur auf das nächste Spiel." Die Tabelle jedoch lügt nicht: Den Norddeutschen fehlt nur noch ein Zähler bis zum erforderlichen sechsten Tabellenplatz (DATENCENTER: Tabelle der Bundesliga).

Und 270 Minuten lang steht auch noch Torjäger Davie Selke zur Verfügung. Der auf dem Sprung zum Zweitligisten RB Leipzig stehende Stürmer erzielte in der 66. Minute den Treffer des Tages und ist in dieser Verfassung ein echter Verlust. Es ist kein Geheimnis, dass Bremens Trainer Viktor Skripnik die Karriereplanung seines Nachwuchsstars nicht versteht, äußern will er sich dazu nicht mehr.

"Uns fehlt die Wucht"

"Es ist alles gesagt", sagte der Ukrainer abwehrend. Dafür geht der Nach-Nachfolger Schaafs offensiver als sein Sportdirektor mit dem Thema Europa League um: "Wir sind jetzt in einer guten Position, von der aus wir weiter nach vorne schauen können."

Auch die Gäste hatten während der Saison Phasen, in denen der internationale Wettbewerb ein Thema hätte werden können. Doch das ist nun vorbei, weder nach oben noch nach unten wird in den letzten drei Begegnungen etwas passieren.

"Uns fehlt einfach die Wucht in der Offensive", klagte Abwehrspieler Marco Russ und bestätigte damit die Zahlen: 396 Minuten ist die Eintracht schon ohne Torerfolg. Und mit insgesamt 60 Gegentoren derzeit auch die Schießbude der Liga. Ein inoffizieller Titel, auf den der ehemalige Verteidiger Schaaf am Saisonende gern verzichten würde.

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