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Thomas Strunz spricht über die Relegation des HSV © Sport1/Getty Images

SPORT1-Experte Thomas Strunz hält Bruno Labbadia für den entscheidenden Faustpfand der Hanseaten in der Relegation. Dazu spricht er über Jürgen Klopps Zukunft.

Hallo Fußball-Freunde,

34 Spieltage sind rum, und der Hamburger SV ist immer noch Bundesligist. Das ist nicht nur mit Blick auf die letzten Wochen der Saison keineswegs selbstverständlich.

Denn der HSV hat es schon im letzten Sommer verpasst, die Hierarchien in der Mannschaft neu zu verteilen. Es ist in der Kabine nicht aufgeräumt worden.

Der Enthusiasmus der neuen Spieler verpufft schnell, weil die etablierten Spieler diesen „Drive“ nicht mehr haben, den du für eine erfolgreiche Saison brauchst. Das kann eine Mannschaft nicht selbst lösen. Das muss auch von außen kommen, ist aber nicht geschehen.

Unter diesen Voraussetzungen ist es aller Ehren wert, dass Bruno Labbadia mit dieser Mannschaft zehn Punkte geholt hat. Er ist nicht nur deshalb der Richtige für die Hamburger Zukunft, ein Stabilisator für den Klub. Ich gehe davon aus, dass der HSV wegen Labbadia mit breiter Brust in die Relegation geht und die Klasse hält.

Stuttgart und Hannover sind schon einen Schritt weiter. Der VfB hat in den letzten Spielen gerade offensiv – mit Daniel Ginczek, Filip Kostic, Daniel Didavi und Martin Harnik - sehr gut funktioniert.

Dazu haben die Schwaben weniger Fehler in der Defensive gemacht. Auch wenn Huub Stevens ein Riesenkompliment gebührt, war der Klassenerhalt hinten raus ein Erfolg aller Beteiligten.

In Hannover hat Michael Frontzeck einige Positionsänderungen vorgenommen, die der Mannschaft gut getan haben. Hiroshi Kyotake zum Beispiel ist für mich ein Spieler im Zentrum, der unter Tayfun Korkut noch viel über die Außenbahn kommen musste.

Jetzt spielt er zentral und ruft sein volles Leistungspotenzial ab. Dazu kamen noch Glücksmomente wie beim unerwarteten 2:2 nach 0:2-Rückstand in Wolfsburg. Das brauchst du als Trainer.

Mit Paderborn und Freiburg steigen nun zwei Teams ab, die trotz finanzieller Nachteile der Konkurrenz 34 Spieltage lang die Stirn geboten haben.

Freiburg ist zwar per se ein Verein, der immer Spieler verkaufen muss. Der Abstieg ist jedoch ein herber Rückschlag. Ich bin trotzdem sicher, dass die findigen Freiburger Macher eine Mannschaft aufstellen werden, die wieder mit um den Aufstieg spielt. Das wird jedoch nicht einfach und eine riesige Herausforderung.

Kommen wir zu den beiden Revierrivalen Schalke und Dortmund. Obwohl Schalke vor dem BVB gelandet ist, wird es komplett anders wahrgenommen.

Horst Heldt traut Roberto Di Matteo offenbar nicht zu, die neue Mannschaft dahin bringen kann, dass sie wieder für Schalke 04 steht. Es muss jetzt einen Plan geben, wie es im nächsten Jahr besser wird.

Dabei ist auch wichtig festzulegen, welche Rollen die jungen Spieler spielen und welche Spieler die neuen Eckpfeiler der Mannschaft werden. Auch um ein Zeichen an die Fans zu setzen.

Dortmund hat sein Saisonziel zwar auch verpasst, dennoch gibt es für die Ära Jürgen Klopp ein Happy End. Klopp hat die Identität von Borussia Dortmund in den letzten Jahren entscheidend geprägt. Und ein i-Tüpfelchen ist mit dem Pokalfinale ja noch möglich.

Ich bin übrigens sicher, er macht direkt weiter. In Deutschland sehe ich aktuell aber keinen Platz für ihn.

Bis demnächst,

Euer Thomas Strunz

Ex-Nationalspieler Thomas Strunz wechselt sich in dieser Saison als Experte imVolkswagen Doppelpass und bei der sonntäglichen SPORT1-Kolumne mit Thomas Helmer und Mario Basler ab.

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