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München - Der FC Bayern muss sich entscheiden: Entweder muss sich der Rekordmeister voll und ganz dem System es Trainers verschreiben, oder wieder zur traditionellen Transferphilosophie zurückkehren.

Pep Guardiola blockte die Frage nach der Zukunft des FC Bayern sofort ab.

Kevin De Bruyne? Ilkay Gündogan? Antoine Griezmann? Seien das interessante… "Nein! Nein!", ging Guardiola sofort dazwischen. "Ich habe keine Zeit darüber nachzudenken."

Sein Vertrag? Werde der denn verlängert? "Es ist noch zu früh, darüber zu sprechen."

So lief es auch bei allen anderen perspektivischen Erkundigungen an diesem Freitag. Alles, was nicht mit den verbleibenden drei Spiele in der Bundesliga oder dem Halbfinale der Champions League zu tun hatte, beantwortete der Trainer auf der Pressekonferenz nicht.

Aufgeschobene Fragen

Dabei sind es nach dem 0:3 in Barcelona genau diese Fragen, die interessieren. Denn: Die Meisterschaft hat der FCB bereits gewonnen und die Königklasse ist so gut wie gelaufen.

Dass Guardiola die Gedanken auf die lange Bank schiebt, spricht nicht unbedingt für einen Verbleib über das Vertragsende 2016 hinaus.

Immerhin so viel sagte Guardiola doch noch: "Wir müssen unsere Situation analysieren. Nach dem Saisonfinale gegen Mainz. Jeder muss seine Meinung sagen, im besten Interesse des Vereins."

Wie viel Macht bekommt Guardiola?

Was gilt es dort zu analysieren?

Bei den Kernfragen steht der Trainer selbst im Mittelpunkt – und darf vielleicht gar nicht mitreden. Sie lauten: 1. Verschreibt sich Bayern voll und ganz Pep Guardiola und seinem System und verstärkt sich dementsprechend, oder 2. plant man bereits für die Ära nach Guardiola? Und das müssen in erster Linie Sportvorstand Matthias Sammer sowie der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge entscheiden.

In beiden Fällen ergeben sich weitreichende Konsequenzen für den anstehenden Umbruch.

Szenario 1: Spanische Karte

Im ersten Szenario ist schwer davon auszugehen, dass die Bayern wieder den spanischen Markt sondieren werden, die Atletico-Spieler Koke oder Griezmann, beide mit Ausstiegsklausel, sind Kandidaten. Zudem wird Bayern weiterhin mit Nachdruck auf die aktuelle spanische Fraktion um Thiago setzen.

Ob Mario Götze und Franck Ribery dagegen eine Zukunft haben, sei dahingestellt. Auch wenn Guardiola beiden nach außen stets sein Vertrauen aussprach, blieben sie oftmals auf der Bank und waren mit ihrer Rolle nicht immer zufrieden.

Alles auf die Karte Guardiola zu setzen, wäre durchaus ein Risiko. Unmittelbar vor seinem Amtsantritt hatte Bayern mit Jupp Heynckes das Triple gewonnen, mit dem Spanier lief zumindest in der entscheidenden Phase der Champions League zwei Mal viel schief.

Guardiolas System und Taktik sind längst nicht mehr unumstritten, dafür aber sehr prägend - auf Jahre. Die Arzt-Affäre um Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mal ganz außen vorgelassen.

Szenario 2: Transfers wie früher

Dagegen könnte Bayern im zweiten Szenario bereits mehr mittel- und langfristige Maßnahmen ergreifen. Die Verpflichtung von jungen bundesligaerfahrenen Spielern wie Ilkay Gündogan oder Kevin De Bruyne entspräche der traditionellen bayerischen Transferphilosophie, die man unter Guardiola verlassen hat. Auch taktisch könnte man wieder flexibler planen.

Aber: Wäre der Trainer bereit, in diesem Bereich bei bestehendem Engagement Eingeständnisse zu machen? Schwer vorstellbar. Dann könnte er den Verein eigentlich gleich verlassen.

Dilemma mit Guardiola

Ein Ausweg aus dem Dilemma wäre so gesehen nur eine Vertragsverlängerung, um den Umbruch mit Guardiola zu bestreiten. Oder umgekehrt: Ein vorzeitiger Rücktritt.

Der Mittelweg indes scheint ein sehr riskanter Pfad zu sein. Dann könnten die Bayern nicht nur erneut Titel aus der Hand geben, sondern auch ihre Zukunft verspielen.

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