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FC Bayern Muenchen v Hertha BSC - Bundesliga
Für Michael Preetz könnte der Abstieg das Ende bei Hertha bedeuten © Getty Images

München - Noch sechs Klubs zittern um den Klassenerhalt. SPORT1 beleuchtet die Teams und die drohenden Folgen eines Abstiegs. Den Anfang macht Hertha BSC.

Eigentlich schien schon alles überstanden.

Mit wenig ansehnlichem, aber effizientem Fußball führte Pal Dardai Hertha BSC aus den Niederungen des Abstiegskampfes ins scheinbar gesicherte Mittelfeld der Liga.

Vieles sprach dafür, dass die Hertha im Fahrwasser von Frankfurt, Köln oder Mainz zum Klassenerhalt schippern würde. Doch nach sechs sieglosen Spielen am Stück ist nun am letzten Spieltag plötzlich der Absturz auf einen Relegationsplatz möglich.

Rehmer: Zittern selbst zuzuschreiben

Ex-Herthaner Marko Rehmer zeigt sich bei SPORT1 angesichts der neuerlichen Talfahrt besorgt. "Letztendlich haben sich die Berliner selber zuzuschreiben, dass sie unten drinhängen und bis zum letzten Spieltag zittern müssen. Das Gute ist, dass die Hertha alles selbst in der Hand hat", sagt Rehmer.

Auf Platz 16 ginge es, wenn Berlin mit mindestens zwei Toren Unterschied bei 1899 Hoffenheim verliert, gleichzeitig Hannover gegen Freiburg remis spielt und der VfB Stuttgart in Paderborn gewinnt. Mit einem Remis wären alle Abstiegsgeister vertrieben.

Dritter Abstieg in fünf Jahren droht

"Wenn alles gut läuft, sollten die 35 Punkte reichen. Aber darauf sollten sie sich nicht verlassen, sondern versuchen, in Hoffenheim wenigstens einen Punkt zu holen", betont SPORT1-Experte Rehmer.

Es müsste also viel zusammen kommen, aber ausgeschlossen ist der dritte Abstieg in fünf Jahren nicht.

SPORT1 beleuchtet die drohenden Folgen eines Abstiegs.

Die Finanzen

Dank der Investorengruppe KKR sind die größten Geldsorgen der Vergangenheit Geschichte. Dennoch käme ein Abstieg aus finanzieller Sicht zur Unzeit: Die Deutsche Bahn steigt als Hauptsponsor zum Saisonende aus. Immerhin 4,5 Millionen Euro jährlich zahlte das Unternehmen. Einen Trikotsponsor dieser Größenordnung zu finden ist allein schon schwer genug, im Abstiegsfall dürften die finanziellen Einbußen noch größer werden.

"Wir sind die deutsche Hauptstadt. Wenn wir positive Schlagzeilen schreiben, hilft das natürlich. Und wenn wir erfolgreich spielen, gibt es auch positive Schlagzeilen", beschrieb Preetz die Situation im April.

Noch schwerer dürfte die Berliner aber der Einbruch der TV-Gelder treffen. Aus etwa 23 Millionen Euro, die die Berliner in dieser Saison einstreichen, würden in der zweiten Liga etwa zehn Millionen werden.

Der Kader

Bei der Kaderplanung haben die Berliner ihre Hausaufgaben gemacht. Nur der Vertrag von Jos Luhukays Ziehsohn Marcel Ndjeng läuft aus. Unter Dardai war der 33-Jährige zuletzt aber ohnehin nur Ergänzungsspieler.

Dazu kommen mit Sami Allagui und Fabian Holland Leihspieler zurück, die der Hertha in der 2. Bundesliga weiterhelfen könnten.

Und dann haben die Hauptstädter ja noch einen echten Zweitligaspezialisten im Kader: Ronny trumpfte in der letzten Zweitligasaison 2012/13 mit 18 Toren und 14 Vorlagen groß auf. Nach Verletzungsproblemen und unsteten Leistungen spielte der Brasilianer in den letzten Wochen aber nur noch eine Nebenrolle.

Die Verantwortlichen

Manager Michael Preetz steht bei der Hertha noch bis 2017 unter Vertrag. Doch ein weiterer Abstieg könnte dem Ex-Stürmer zum Verhängnis werden.

"Präsident Werner Gegenbauer hatte es ja kommuniziert, dass es keinen dritten Abstieg geben darf. Bestimmt werden in dem Fall auch Konsequenzen gezogen, da wird mit Sicherheit auch Michael Preetz dazugehören", vermutet Rehmer.

Aber auch die Zukunft von Gegenbauer selbst wäre im Abstiegsfall fraglich. Kürzlich liebäugelte er indirekt mit einem Rücktritt, sollte sein Verein den Weg in die zweite Liga antreten müssen.

Der Verbleib von Trainer Pal Dardai auch in der kommenden Saison wäre eine günstige und populäre Lösung. Als jahrelanger Hertha-Spieler genießt der Ungar die Rückendeckung der Fans. Im Falle eines Abstiegs dürfte der neu ausgehandelte Vertrag zudem den Geldbeutel der Herthaner schonen.

Auch Rehmer hält viel von Dardai. Dessen defensives Grundkonzept wäre in der zweiten Liga als Aufstiegsfavorit aber kaum durchzuhalten. "Mit Pal Dardai hat man einen engagierten Trainer geholt. Was mir ein bisschen fehlt, ist das offensive Denken."

Fazit

Die finanziellen Einbußen eines Abstiegs könnten zumindest im ersten Jahr noch abgefedert werden. Schwerer dürfte der Gang in die zweite Liga das eigene Selbstverständnis belasten.

"Es wäre schon eine Katastrophe, auch was die Außendarstellung des Vereins betrifft. Der Reputation wäre damit gehörig geschadet", findet Rehmer.

Umso wichtiger, die Klasse zu halten. Rehmer ist optimistisch: "Ich denke, dass es reicht. Die anderen, die unten drinstehen, nehmen sich gegenseitig die Punkte weg. Hertha kommt mit einem blauen Auge davon."

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