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Hertha BSC v SC Paderborn 07 - Bundesliga
Kalou vergibt leichtfertig Herthas Klassenerhalt - und ist danach mächtig in der Kritik © Getty Images

Berlin - Herthas Stürmer vergibt gegen Frankfurt "hochnäsig" den Sieg. Verantwortliche, Mitspieler und Fans sind mächtig sauer - denn die Berliner müssen weiter zittern.

Als die längst vertrieben geglaubte Abstiegsangst zu Hertha BSC zurückgekehrt war, bekam "Sündenbock" Salomon Kalou den ganzen Frust zu spüren.

"Dann kriegst du eine Einladung vom Gegner - und machst so einen hochnäsigen Heber. Das geht nicht", sagte ein sichtlich angefressener Trainer Pal Dardai nach dem 0:0 gegen Eintracht Frankfurt bei Sky (Die Highlights zum Nachhören in unserem Sportradio SPORT1.fm).

Auch Manager Michael Preetz, selbst einst Torschützenkönig, sparte nicht mit Kritik an dem ivorischen Nationalstürmer: "Ich hätte sicherlich eine andere Entscheidung getroffen. Wenn man länger nicht getroffen hat, ist es immer ratsam, seriös abzuschließen", sagte der 47-Jährige: "Das war leichtfertig vergeben."

Kalou vergibt den Sieg 

Es war eine Szene in der 54. Minute eines äußerst schwachen Spiels, die die Verantwortlichen, Mitspieler und Fans der Berliner in Wallung brachte: Anstatt freistehend vor Kevin Trapp den Ball möglichst sicher im Tor unterzubringen, lupfte Kalou dem Keeper den Ball in die Arme.

Kläglich - aber irgendwie auch sinnbildlich für die Leistung der gesamten Mannschaft. Der Frust saß danach tief.

Torhüter Thomas Kraft verweigerte sämtliche Interviewwünsche, um sich im Vorbeigehen doch zu harscher Kritik hinreißen zu lassen: "Fragt unsere blinden Stürmer", sagte der 26-Jährige zur B.Z..

Pfiffe statt Party

Und hatte damit nicht ganz Unrecht, denn in der Tat hätte wohl dieser eine Treffer gereicht, um nach Schlusspfiff die Nichtabstiegsparty zu starten. Zu harmlos präsentierten sich die Gäste vom Main.

So herrschte im Olympiastadion statt ohrenbetäubendem Jubel aber nur entsetztes Schweigen. Irgendwie schienen auch die Fans es nicht fassen zu können, dass der längst gerettet scheinende Hauptstadtklub nun doch bis zur letzten Sekunde um den Klassenerhalt bangen muss.

Und das genauso unnötig wie selbst verschuldet. Nicht nur wegen der vergebenen Großchance, denn eigentlich war Kalou noch einer der besseren Hertha-Akteure.

Rechenspiele vor dem Saisonfinale

Am letzten Spieltag bei 1899 Hoffenheim brauchen die Berliner noch mindestens einen Punkt, um den Klassenerhalt aus eigener Kraft zu schaffen. Ansonsten müssen sie auf die Konkurrenten hoffen (DATENCENTER: Ergebnisse und Spielplan).

Bei einer eigenen Zwei-Tore-Niederlage, einem Unentschieden zwischen Hannover 96 und dem Freiburg sowie einem Sieg des VfB Stuttgart könnte die "Alte Dame" noch auf den Relegationsplatz abrutschen (DATENCENTER: Tabelle).

Ein Szenario, das noch vor wenigen Wochen eigentlich undenkbar schien. Doch der frische Wind des Trainerwechsels von Jos Luhukay zu Dardai ist verflogen.

"Müssen den Matchball verwandeln" 

In der Hinrunde holten die Berliner 18 Punkte, in der Rückrunde ist es vor dem letzten Spiel ein Zähler weniger. Seit nunmehr sechs Spielen wartet die Hertha auf den erlösenden Sieg.

"Jetzt haben wir eine Situation, die wir nicht wollten. Wir müssen nächste Woche den Matchball verwandeln", sagte Dardai. Und Preetz ergänzte: "Es macht nur Sinn, sich auf die eigene Leistung zu konzentrieren und jetzt nicht anzufangen, die Rechenmaschine rauszuholen. Damit ist man schlecht beraten."

Für den notwendigen Punkt braucht aber die ganze Mannschaft eine deutliche Leistungssteigerung. Nicht nur Kalou. 

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