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Mönchengladbach - Max Eberl und Borussia Mönchengladbach starten in der Champions League. Der Sportdirektor spricht im SPORT1-Interview über seine einst kritisch beäugte Arbeit und darüber, wie er den Kader für die Doppelbelastung aufstellen möchte.

Als Max Eberl 2008 das Amt des Sportdirektors in Mönchengladbach übernahm, war die Skepsis groß. Vorsichtig gesagt. Innerhalb der letzten Jahre hat sich der 41-Jährige jedoch einen Namen gemacht, Spieler wie Marco Reus groß herausgebracht und teuer verkauft.

Im exklusiven SPORT1-Interview spricht der ehemalige Profi über den riesigen Erfolg seiner Borussia in dieser Saison und über die Zukunftsaussichten.

Max Eberl über:

…die Teilnahme an der Champions League:

"Unsere Teilnahme an der Champions League ist nicht total überraschend. Wir sind ein Stück weit in die Phalanx der großen Fünf (Bayern, Dortmund, Leverkusen, Schalke und Wolfsburg) vorgestoßen. Deswegen ist es etwas Großes, was wir geschafft haben, aber nicht völlig überraschend wie 2012, als wir Platz vier erreicht haben. Man darf aber auch nicht ganz vergessen: Unser großer Erfolg hat auch damit zu tun, dass zwei von den Top 5 nicht ihre Leistung gebracht haben. Schalke und Dortmund hatten in dieser Saison eine Schwächephase, wir haben diese Situation genutzt."

…mögliche Gruppengegner:

"Natürlich spielen wir nicht nur, um dabei zu sein. Unser Anspruch ist, jedes Spiel positiv zu gestalten. Wenn wir in einer Gruppe mit drei Titelaspiranten aus großen Ländern sein sollten, wird es schwer. Wir werden unser Möglichstes tun, eine Rolle zu spielen. Aber: Dabei zu sein ist nicht alles, wir wollen auch erfolgreich sein."

... die Mehrfachbelastung durch die Champions League:

"Im Vergleich zur Europa League ist die Doppelbelastung in der Champions League noch einmal eine Stufe mehr, von der ganzen Belastung für den Kopf, die Psyche. Die Wahrnehmung ist noch einmal viel größer als in der Europa League. Alles ist größer, damit werden wir als Verein umgehen müssen."

...den Anteil von Trainer Lucien Favre:

"Jeder hat seinen Anteil am Erfolg. Dass der Trainer einen großen Anteil hat, ist zwangsläufig. Der Trainer ist ein Kopf der Mannschaft neben dem Platz, aber im Gesamtwerk spielt die Mannschaft eine sehr große Rolle. Er ist sehr akribisch und unglaublich detailversessen. Er stellt unheimlich hohe Ansprüche an sich und die Mannschaft. Er gibt ihr immer wieder Lösungen an die Hand und hält die Spieler auf Spannung. Er ist einfach ein großer Trainer."

...seine Rolle in Gladbach:

"Dass ich nicht alles richtig gemacht habe und auch heute nicht alles richtig mache, ist definitiv so. Aber ich glaube, es gibt keinen, der von sich behaupten kann, unfehlbar zu sein. Der augenscheinlichste Fehler, der einem dann anheftet, ist Luuk de Jong, der nicht so funktioniert hat, wie man sich es bei der Transfersumme hätte erwarten können. Trotzdem hat auch er uns zwei Jahre geholfen. Dennoch sind das die Fehler, die als augenscheinlich genommen werden. Ich habe definitiv andere Fehler gemacht, die im internen Bereich sind, wo man Diskussionen hatte und strategische Ausrichtungen falsch gesehen hat."

...den Weggang von Spieler zu größeren Klubs:

"Es gibt in Deutschland nur einen Verein (Bayern München), der diese Angst nicht haben muss, alle anderen müssen es. Man muss offen damit umgehen. Wichtig ist zu versuchen, finanzielle Erlöse zu erzielen, um Kraft zu haben, neue Spieler zu finden. Man will ja nicht nur Spieler ersetzen, sondern besser werden. Das bedarf der Möglichkeiten, die man sich als Verein erarbeitet. Diese haben wir und wir versuchen sie eins zu eins umzusetzen."

...die Kaderplanung:

"Max Kruse und Christoph Kramer werden uns verlassen, mit Lars Stindl haben wir schon einen Kandidaten gefunden. Natürlich werden wir auf der einen oder anderen Position noch Verstärkungen finden. Es könnte im Sturm sein, auch in der Innenverteidigung könnte uns eine Verstärkung gut zu Gesicht stehen. Der Kader soll von der Qualität her gut und von der Quantität nicht zu groß sein."

... das Anforderungsprofil für neue Borussia-Spieler:

"Man nimmt eine sportliche Bewertung eines Spielers vor, über Wochen, Monate oder sogar über Jahre. Einen Lars Stindl haben wir zum Beispiel mehr als 50 Mal gesehen. Man versucht, den Spieler in Gesprächen näher kennenzulernen.  Mannschaftsbildung ist wie ein Puzzle. Die Teile müssen zusammenpassen. Zu große Reibungen können zu Problemen führen. Wenn du einen Charakter hast, der etwas mehr ein Lautsprecher ist und der Mannschaft einen Rückhalt gibt, kann das sehr hilfreich sein. Es müssen nicht alle stromlinienförmig sein. Wenn wir von einem Spieler überzeugt sind, wollen wir ihn auch unter allen Umständen zu uns lotsen."

...mögliche Zugänge, zum Beispiel Shinji Okazaki:

"Wenn ich sage, er ist uninteressant, sagen die Leute, der Eberl hat keine Ahnung vom Fußball. Sage ich er ist interessant, was er definitiv ist, sagt jeder, Gladbach holt Okazaki. Welche Antwort soll ich Ihnen geben? Es ehrt uns, wenn gute Spieler mit uns in Verbindung gebracht werden, die eine große Qualität besitzen und die natürlich sehr viele Mannschaften verstärken würden."

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