vergrößernverkleinern
Der Ton zwischen den Verantwortlichen des FC Bayern und VfL Wolfsburg wird rauer © Grafik SPORT1

München - Die Sticheleien zwischen dem FC Bayern und seinem ärgsten Verfolger aus Wolfsburg häufen sich. Hecking will auf Dauer mehr, Rummenigge ist genervt.

Eltern kennen das.

Wenn die Kurzen, eben noch gefühlt in Windeln unterwegs, aufmüpfig werden. Die Hormone spielen verrückt, das Wachstum setzt ein. Pubertät nennt sich diese Zeit, in der Kinder sich vor allem über den Konflikt mit den Eltern definieren und eigene Persönlichkeiten entwickeln. Der Volksmund nennt das "halbstark". Das geht vorüber, irgendwann. Bis es soweit ist, kann es jedoch sehr anstrengend sein.

Den VfL Wolfsburg als halbstark zu bezeichnen oder ihm pubertäre Züge zu unterstellen, ginge sicher zu weit. Dennoch: Die neuen Töne, die da aus dem tiefsten Niedersachsen in Richtung München fallen, lassen aufhorchen und könnten ein Vorgeschmack auf die kommenden Jahre sein.

"Nicht ewig hinterherlaufen"

"Wir wollen den Bayern nicht ewig hinterherlaufen", hatte Trainer Dieter Hecking im Februar bei Sky bereits verlauten lassen. Das war kurz nach einem 4:1 gegen die Bayern, der ersten Saisonniederlage des Rekordmeisters, die zudem die Ansprüche der Wolfsburger untermauerte. Selbst nach dem Doublegewinn Borussia Dortmunds 2012 kamen von dort verhaltenere Aussagen.

Vergangenen Sonntag nun legte Sportdirektor Klaus Allofs, sonst eher für diplomatischere Töne bekannt, im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 nach: "Ich bin sehr enttäuscht darüber, wie sie die Punkte zuletzt teilweise hergeschenkt haben." Der Manager spielte damit auf die jüngsten Niederlagen der Bayern in der Bundesliga gegen Augsburg (0:1) und Freiburg (1:2) an.

Rummenigge stichelt zurück

Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge stichelte am Mittwochmorgen in der Bild-Zeitung erwartungsgemäß zurück: "Ich würde dem VfL Wolfsburg in Sachen Wettbewerbsverzerrung dringend empfehlen, keine Aussagen mehr zu machen. Jeder in Deutschland weiß, wie sich Wolfsburg die Spieler Gustavo, Schürrle und De Bruyne leisten konnte." Allofs' Angriff hatte seine Wirkung offenbar nicht verfehlt. Es ist Geplänkel, ohne Frage.

Dennoch, auch Rummenigge weiß: Der VfL Wolfsburg, großzügig alimentiert von einem deutschen Automobilhersteller, schickt sich an, die Bayern dauerhaft zu jagen. Und sie zu ärgern.

Das eine geht nicht ohne das andere, man frage in Dortmund, Leverkusen, Frankfurt oder eben Bremen nach. In München haben sie dieses Spiel geprägt, ja, fast schon professionalisiert. Uli Hoeneß war ein Meister darin, aufkommende Konkurrenz mit kleinen Sticheleien zu verunsichern. Zur Not wurden die besten Spieler verpflichtet.

VfL in Dortmunds Fußstapfen

In Wolfsburg, wo Allofs und Hecking eine imponierende Mannschaft aufgebaut haben, entwickeln die Verantwortlichen jedoch ein Gespür dafür, wie viel Maß an Selbstbewusstsein vertretbar ist.

Während Max Eberl, Manager von Borussia Mönchengladbach, trotz des jüngst erreichten dritten Platzes weiter auf Understatement aus ist, gehen sie in Wolfsburg in die Offensive und füllen die Lücke, die Borussia Dortmund in dieser Saison gerissen hat. Sportlich, nun immer öfter auch abseits des Rasens.

Denn der Werksklub aus der VW-Stadt weiß, dass er finanziell auf Sicht mit den Bayern mithalten kann. Topspieler können gehalten oder sogar von der direkten Konkurrenz verpflichtet werden, wie der Transfer von Nationalspieler Max Kruse aus Mönchengladbach bewies. Das gibt Sicherheit und Mut.

Die Bayern werden gewarnt sein.

Denn wie jedes Elternpaar weiß: So eine Pubertät kann lange dauern. Sehr lange.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel