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1. FSV Mainz 05 v FC Schalke 04 - Bundesliga
Horst Heldt arbeitet seit 2010 beim FC Schalke 04 © Getty Images

Gelsenkirchen - Nach dem Rauswurf von Kevin-Prince Boateng und Sidney Sam gerät bei Schalke 04 auch Sportvorstand Horst Heldt immer mehr unter Druck. Tönnies tritt gegen Boateng nach.

Roberto Di Matteo redete am Mittelkreis gestikulierend auf die Spieler ein, die Fans am Spielfeldrand diskutierten vor allem über Horst Heldt. Am Tag nach dem Rauswurf von Kevin-Prince Boateng und Sidney Sam bemühten sich bei Schalke 04 Trainer und Mannschaft um Normalität, immer mehr in die Kritik gerät jedoch der Manager.

Nicht nur die Zaungäste beim Training, auch zahlreiche Fans in Internetforen und sozialen Netzwerken haben Sportvorstand Heldt als Schuldigen für die Krise beim abgestürzten Champions-League-Anwärter ausgemacht.

Fans kündigen Protest an

Der Tenor: Die Mannschaft, der er immer häufiger Charakterschwäche und falsche Berufsauffassung vorwirft, hat er selbst zusammengestellt. Beim Heimspiel am Samstag wollen die Anhänger in der Nordkurve streiken: In der ersten Halbzeit soll es keine Anfeuerung geben.

Heldt spürt, dass der Gegenwind auf Schalke stärker wird. Bislang konnte sich der 45-Jährige auf die Rückendeckung des mächtigen Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies verlassen.

Der Fleischfabrikant billigte auch jetzt den doppelten Rauswurf der Großverdiener Boateng und Sam und die vorläufige Suspendierung von Marco Höger ausdrücklich, stellte aber auch klar: "Ich hätte es schon viel eher gemacht."

Die Spielergewerkschaft VDV wird den freigestellten Profis wohl zur Klage gegen den Verein raten. "Sofern die Spieler nicht zeitnah wieder in die Mannschaft integriert werden, wird die VDV ihnen zu rechtlichen Schritten gegen ihren Arbeitgeber raten. Denn vor Gericht haben sie ausgezeichnete Erfolgsaussichten", teilte die VDV mit.

Letzter Strohhalm Europa League

Unterdessen hatte Tönnies vor sieben Wochen noch die Verlängerung des bis 2016 laufenden Vertrages mit dem Ex-Profi Heldt angekündigt.

Heldt sei "für Schalke gesetzt", betonte er damals. Jetzt lässt er dessen Zukunft offen: "Ich baue Druck auf und sage: Du bist verantwortlich", sagte Tönnies und forderte: "Wir müssen die Europa League erreichen."

Gespräch mit Heldt nach Saisonende

Nach Saisonende werde es ein Gespräch mit dem Sportvorstand geben, "dann setzen wir uns in Ruhe hin und sprechen über die Zukunft".

Ein klares Ja zu einer weiteren Zusammenarbeit vermied er: "Ich stelle ihn nicht infrage, ich spreche ihn aber auch nicht heilig." Wer genau hinhört, vermisst die frühere, absolute Treue des Bosses zu seinem Manager.

Kevin-Prince Boateng
Kevin-Prince Boateng hat auf Schalke keine Zukunft mehr © Getty Images

Transfer-Flops wie Boateng kein Einzelfall

Heldt hat die Schalker Mannschaft seit 2011 sukzessive umgebaut. Die Personalkosten wurden nur unwesentlich gesenkt, noch immer liegen die Königsblauen mit einem Gehaltsvolumen von 90 Millionen Euro ganz weit vorne in der Bundesliga.

Und die Spieler, die nach dem Absturz in der Rückrunde besonders in der Kritik stehen, hat Heldt selbst verpflichtet und dabei, wie er stets betonte, besonderen Wert "auf Charakter und Mentalität" gelegt: Neben Boateng und Sam auch Roman Neustädter und Dennis Aogo, die nicht nur bei den Fans unter besonderer Beobachtung stehen.

Die Bild berichtete, Trainer Di Matteo habe auch den Rauswurf der beiden Nationalspieler gefordert. Am Ende traf es aber nur Boateng und Sam.

Tönnies tritt gegen Boateng nach

Die beiden geschassten Profis bekommen im Nachhinein von Tönnies ihr Fett weg.

"Prince sucht die Fehler schnell eher bei anderen, als bei sich selbst. Er hat der Mannschaft nicht mehr geholfen", so Tönnies' vernichtendes Urteil bei Sky: "Er hat die Mannschaft ein Stück weit runtergezogen."

Tönnies selbst erklärte auch, selbst am "Schalke-Beben" beteiligt gewesen zu sein: "Ich habe Horst Heldt eine kleine SMS geschrieben. Darin habe ich ihm geschrieben, was ich machen würde", so der Vereinsboss. Der Rauswurf der beiden Stars folgte prompt.

Von den Suspendierten gibt es noch keine Reaktion. Sams Management war auf Nachfrage von SPORT1 zu keiner Stellungnahme bereit.

Di Matteo sitzt fest im Sattel

Boatengs und Sams ehemaliger Coach Di Matteo steht weiter nicht zur Diskussion - trotz der rasanten sportlichen Talfahrt unter seiner Führung. Das kollektive Versagen beim 0:2 am Sonntag in Köln nahm der Italiener auf seine Kappe und wirkte ziemlich ratlos.

Sein Team vermittelte zum x-ten Mal den Eindruck, dass es die Vorstellungen des Champions-League-Siegers von 2012 entweder nicht versteht oder nicht umsetzen kann. "Er bleibt unser Trainer, er bekommt die Zeit", stellte aber Tönnies klar. 

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