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SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold hat nach dem Wochenende eine klare Meinung zum Ausgang des Abstiegskampfs. Für die Reaktion der Schalker Fans hat er Verständnis.

Hallo Fußball-Freunde,

was da gerade im Tabellenkeller passiert, ist der pure Wahnsinn.

Vor dem Abstiegsduell zwischen Stuttgart und Hamburg habe ich gesagt, dass das Momentum für den VfB spricht. Das hat sich auch auf dem Platz gezeigt. Der VfB hat verdient gewonnen. Man hat den Rückstand wettgemacht und hatte Chancen, um viel höher zu gewinnen.

Spielerisch ist der HSV nach wie vor schwach, aber das kann man nicht Trainer Bruno Labbadia anlasten. Viele Leute glauben, dass mit einem neuen Trainer alles bei null losgeht. Aber ich habe noch keinen Wundertrainer erlebt, der mit einer spielerisch schwachen Mannschaft auf einmal die Kurve gekriegt hat.

Nun muss der HSV gegen Schalke gewinnen. Ein Unentschieden hilft ihm nicht mehr. Es heißt Sieg oder du bist abgestiegen. Die Frage wird sein: Wie tritt die Mannschaft auf? Und wie verkauft sich der Gegner? Lassen es die Schalker laufen oder spielen sie ein vernünftiges Fußballspiel?

Überraschend war die Bayern-Niederlage in Freiburg, aber mit dem Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung braucht man gar nicht erst anfangen. Bayern hatte eine konkurrenzfähige Mannschaft auf dem Platz und hat nach vorne gespielt. Da sollte man die Kirche im Dorf lassen. 

Abstiegskandidat Nummer eins ist für mich Paderborn. Dabei bleibe ich nach dem Wochenende. Kandidat Nummer zwei ist nun der HSV. Egal, wer von den anderen in der Relegation antreten müsste, er ist auf alle Fälle stärker als der drittbeste Zweitligist.

Fest steht: Wir haben High-Noon am 34. Spieltag. Selbst die Hertha kann es -zumindest was die Relegation angeht - noch erwischen. Es gibt eine unglaubliche Brisanz in diesem Jahr. Für Fußballfans kann es nicht besser laufen.

Zumindest wenn man nicht gerade Schalke-Fan ist. Trotz des Sieges gegen Paderborn brennt dort der Baum. Ich kann die Reaktionen der Fans verstehen. Wenn man die Mannschaft permanent unterstützt, durch die Republik mitreist und sich dann Woche für Woche anschauen muss, was da angeboten wird, ist klar, dass irgendwann Enttäuschung aufkommt.

Die Zielvorgabe war nicht die Europa League, sondern die Champions League. Gegen Paderborn hat man durch ein Eigentor gewonnen, spielerisch war das einfach zu wenig. Das Mentale, den Charakter sehe ich da ganz stark als Thema für den Trainerstab.

Ich muss als Trainer mit meinen Mitarbeitern dafür sorgen, dass die Spieler mit der entsprechenden Einstellung auf den Platz gehen. Wir reden hier vom Vorbild Fußballer. Schlimm genug, dass man das auf Schalke überhaupt thematisieren muss.

Bei der Kaderzusammenstellung steht dann auch irgendwann Horst Heldt im Fokus. Das ist ganz normal. Schalke hat ja auch hohe Personalkosten. Das ist keine billige Mannschaft.

Bis zum nächsten Mal, Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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